Bild
Icon12.12.2017 14:59 by escene

Pro-Titel trotz RNG: Wie viel E-Sport Potential steckt in Hearthstone?

imageHearthstone ist jetzt schon seit einer Weile einer der großen Titel in der E-Sport Szene. Eigentlich kein Wunder, immerhin hat Blizzard schon jahrelange Erfahrung, wenn es um das Balancing von Spielen geht. Dabei hat aber die E-Sport Szene bei Hearthstone eine große Wandlung hinter sich gebracht. Am Anfang warHearthstone nämlich das Blizzard-Spiel, das niemand haben wollte: Der Titel verfügt über keine aufwendige Präsentation, ist keine schon seit langem bekannte Marke und wirkt auf den ersten Blick im Vergleich zu Titeln wie Dota 2 oder Overwatchziemlich bieder. Dann bekamen die Gamer das Spiel in die Finger - und inzwischen haben schon über 70 Millionen Spieler bei Hearthstone am Kartentisch Platz genommen.


Gameplay

Hearthstone mischt bekanntlich Elemente von bekannten Real-Life Kartenspielen wie Magicoder Yu-Gi-Oh. Zwei Spieler treten gegeneinander an (natürlich rundenbasiert) und versuchen, dem Gegner seine 30 Lebenspunkte abzuziehen, entweder durch Zauber oder mit Hilfe von Dienern, die den Gegner direkt angreifen oder seine Schergen ausschalten können. Dabei ist viel taktisches Geschick gefragt und das Kaufen von neuen Karten-Packs möglich: Geht man auf die Lebenspunkte des Gegners los oder dezimiert man lieber dessen Diener, damit er in der nächsten Runde nicht doppelt so hart zurück schlägt? Soll man eine verdeckte Geheimniskarte spielen? Welche Karten kommen in das Deck? Hearthstonebietet enorm viele taktische Möglichkeiten für die Spieler und hat sich so eine große E-Sport Szene erarbeitet.

image


Nicht alles perfekt

Aber Hearthstonehat auch mit Problemen zu kämpfen. Einer der Kritikpunkte am Spiel ist das Vorhandensein von RNG (Random Number Generator) Karten, die Blizzard eingeführt hat. Hierdurch ergeben sich Zufallselemente, und viele Pro-Gamer hätten es eben lieber komplett Skill-basiert. Könnte das für die Schwierigkeiten mit der E-Sport Szene verantwortlich sein? Die Entwickler haben schon mehrfach betont, dass RNGs für sie einen wichtigen Teil der Spielerfahrung darstellen. So sagte Eric Dodds, früherer Game Director von Hearthstone, dass zufällige Ereignisse verantwortlich für tolle Geschichten im Spielverlauf sind und dass RNG’s in der Natur von Kartenspielen lägen.

Vergleich mit Dota 2

Auch in anderen E-Sport Titeln sind RNG Elemente enthalten. In Dota 2 zum Beispiel gibt es eine bestimmte Chance, dass Attacken, die in Richtung von aufsteigendem Terrain abgefeuert werden, daneben gehen (Uphill Miss Chance). Die meisten Formen von kritischen Treffern werden außerdem von RNGs bestimmt. Dass die Zuschauer es mögen, wenn der Ausgang eines Matches nicht ganz vorhersehbar ist, zeigt die enorme Popularität von E-Sport Titeln und vor allem die ausverkauften Hallen zum Beispiel bei der ESL One und der Gamescom. Inzwischen nehmen große Wettbüros Einsätze für Dota 2, League of Legends oder eben auch Hearthstonean. Anfang Januar steigt beispielsweise wieder das Captains Draft Dota 2 Turnier, bei dem Vici Gaming momentan die Favoritenrolle mit einer Quote von 3,20einnehmen. Aber in Games wie Dota 2sind RNGs weniger spielentscheidend: Hier kämpft man über einen längeren Zeitraum im Team, bei Hearthstonehingegen kann das RNG-Pech deutlich schneller über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Je mehr Zufall es in einem Spiel gibt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der bessere Spieler unverschuldet verliert. In Hearthstone ist das stärkste RNG Element schon grundlegender Teil des Spiels: Die Karten, die vom eigenen Deck in jeder Runde gezogen werden, sind zufällig. Ein Spieler mit gutem Deck erhöht zwar die Wahrscheinlichkeit, eine gute Karte zu ziehen - aber garantiert ist es nicht. Bei den Klassen sind es vor allem die Schamanen, die bei Hearthstone viel mit dem Glück spielen. Bei Dota-Turnieren dagegen ist der Zufall untergeordnet: Man sucht sich seinen Hero aus, spielt auf der bekannten Map unter gleichbleibenden Bedingungen und RNGs kommen nur bei bestimmten Aktionen wie Critical Hits zum Zug. Doch RNGs bringen etwas anderes ins Spiel, das für die Zuschauer wichtig ist: Spannung. Zufalls-Elemente bringen einen gewissen Grad an Unvorhersehbarkeit in jedes E-Sport Turnier hinein, der die Fans vor die Bildschirme fesselt. Außerdem sind die Regeln für alle Gamer gleich und man kann das Zufalls-Element so stark wie möglich einschränken. Bei Hearthstonezum Beispiel kann ein Spieler versuchen, möglichst viele Karten mit RNGs aus seinem Deck zu entsorgen.

image


Der Zufall ist überall

Dass RNG Elemente aus Spielen wie Hearthstone verschwinden, ist also unwahrscheinlich. Auch in anderen Sportarten spielt der Zufall immerhin eine Rolle: Bei Fußball-Spielen ist es nicht selten spielentscheidend, ob ein oder mehrere Spieler sich Verletzungen zugezogen haben und in welcher Verfassung die Mannschaft im Allgemeinen ist. In der Formel 1 hat Sebastian Vettel dieses Jahr vermutlich nur deshalb den Titel verpasst, weil sein Ferrari in mehreren Rennen technische Probleme hatte. Auch Poker würden so gut wie alle Gaming Fans als echten Sport ansehen, trotzdem ist der Zufall hier ein wichtiges Element. Und noch wichtiger: Die wirklich guten Spieler gewinnen am Ende trotzdem, denn sie wissen, wie sie den Zufall möglichst gut für sich

Quellen:
'escene'
registriert seit 12.09.2012
53 News geschrieben
0 Headlines geschrieben
icon Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie registriert und eingeloggt sein.