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Icon20.01.2018 12:39 by hinterwalda

EU > NA: Mehr als nur ein Meme? - Hintergedanken #2

imageSie ist die Mutter aller Rivalitäten im kompetitiven League of Legends und auch kurz vor Beginn der neuen Saison stellt sich wieder einmal die Frage: Wer ist besser - EU LCS oder NA LCS? In den letzten Jahren wurde diese Frage immer spätestens auf der Weltmeisterschaft beantwortet und lautete stets: EU LCS. Die Teams aus der NA LCS waren einfach immer zu schlecht. Oder?



Vorteile der NA LCS
Fakt ist, dass der eSport in Nordamerika dem in Europa vieles vorraus hat. So erkannten die USA beispielsweise den eSport deutlich eher als richtigen Sport an, als es in europäischen Ländern der Fall war, die Infrastruktur ist besser aufgestellt, die gesellschaftliche Akzeptanz größer. Aufgrund des von Riot Games neu eingeführten Franchises haben die Teams der NA LCS nun auch wesentlich größere Investoren in der Hinterhand als die europäische Konkurrenz, zudem ist die Investitionssicherheit deutlich größer. Dies alles ändert nichts daran, dass die europäischen Teams denen aus Nordamerika in Sachen Titel und Erfolge seit Jahren überlegen sind - ungeachtet des Geldes.

In den letzten Wochen kursierte in der Medienwelt von League of Legends immer wieder der 'European Exodus', dabei war die Rede davon, dass aufgrund des Franchises und somit der finanziellen Sicherheit viele europäische Stars auf die andere Seite des großen Teichs wechseln würden. Letzten Endes belief sich diese Welle an Stars, deren Bestimmung es war, in der NA LCS erfolgreich zu werden, auf vier Spieler: Die beiden Midlaner Fabian 'Febiven' Diepstraten und Tristan 'PowerOfEvil' Schrage sowie die wohl beste Botlane des Westens, Jesper 'Zven' Svenningsen und Alfonso 'Mithy' Rodriguez wechselten nach Nordamerika. Die Teams, mit und gegen die sie künftig spielen werden, sehen insgesamt etwas schwächer aus, als die der EU LCS.

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Zven und Mithy werden künftig in Nordamerika spielen

Vorteile der EU LCS

Wenn die EU LCS im Gegensatz zur NA LCS eines von sich behaupten kann, dann, dass sie ein Export-Schlager ist. Was mit dem Wechsel von Søren 'Bjergsen' Bjerg im November 2013 begann, endete bisher mit PowerOfEvil: Regelmäßig gehen Teams der NA LCS in Europa auf Einkaufstour. Die Gründe dafür, dass die europäischen Spieler gegenüber den nordamerikanischen scheinbar besser sind, liegen nicht ganz offen. Der Hauptgrund ist wohl einfach die Verteilung der Spieler, schließlich leben in Europa rund 745 Millionen Menschen, in Nordamerika hingegen 'nur' rund 580 Millionen. Dies spiegelt sich auch in den Spielerzahlen von League of Legends wieder: Von den etwa 100 Millionen Spielern auf der ganzen Welt spielt nahezu ein Viertel (24,9 %) auf dem Server EUW, wie auch alle Spieler der EU LCS. Auf dem NA Server, namensgebend für die NA LCS, sind nur rund 11% aller Spieler von League of Legends zu finden. Die Konkurrenz in Europa ist somit einfach größer, ein klarer Vorteil gegenüber Nordamerika.

In der NA LCS werden zudem im kommenden Split sechs Spieler antreten, die gegenüber Riot Games Europa als ihre Heimatregion angegeben haben. Nimmt man diese mit Bjergsen zusammen, so finden sich in Nordamerika sieben Europäer. Spieler aus Nordamerika in anderen Regionen? Fehlanzeige. Die einzige Ausnahme stellt hierbei Lucas 'Santorin' Larsen dar, der im kommenden Spring Split für H2k-Gaming in der EU LCS junglen wird. Allerdings sei hierzu gesagt, dass Santorin gebürtiger Däne ist und erst Ende 2014 nach Nordamerika wechselte. Somit ist der erste Export der NA LCS nicht einmal Nordamerikaner.

Der Supporter des Teams Splyce, Raymond 'kaSing' Tsang, der im kommenden Split wieder in der EU LCS spielen wird, verriet zudem kürzlich in einem Interview mit Dot Esports, dass seiner Meinung nach Spieler in der NA LCS außerhalb dieser Liga kaum in der Lage sein werden, Erfolge zu erzielen. Dies sei laut ihm auch der Hauptgrund dafür gewesen, wieder in der EU LCS zu spielen und nicht nach Nordamerika zu wechseln.

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kaSing kehrt zurück in die EU LCS - trotz besserer finanzieller Möglichkeiten in NA

Meme oder nicht?
Trotz immer wieder neuer großer Namen aus dem internationalen Raum, wie aus Europa oder Korea, waren die Teams der NA LCS in den letzten Jahren nie wirklich in der Lage, außerhalb ihrer Region zu überzeugen. Einzige Ausnahme dabei stellten die Rift Rivals des letzten Jahres dar, bei denen man - Achtung! - gegen die Teams der EU LCS gewann. Nichtsdestotrotz schafften es bei der Weltmeisterschaft später im Jahr zwei Teams der EU LCS aus der Gruppenphase und lediglich eines aus der NA LCS. Somit kann man im Moment klar sagen: EU > NA. Die Fakten sprechen eindeutig für den Wahrheitsgehalt dieses Memes und im Wettkampfjahr 2018 werden die Teams der NA LCS hoffentlich versuchen, den Spieß umzudrehen, denn wenn Spieler besser bezahlte Angebote ausschlagen, weil sie fürchten, auf kompetitiver Ebene dadurch weniger Erfolg zu haben, sollten sich die Organisatoren der Liga Gedanken darüber machen, ob es so weitergehen kann.

Bildquellen: Riot Games, theScore esports
Gregor 'hinterwalda' Vorwald
registriert seit 05.05.2017
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