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Icon27.01.2018 10:42 by hinterwalda

Braucht der eSport Sportvereine? - Hintergedanken #3

imageAn der Debatte darum, ob eSport nun ein 'richtiger' Sport sein und als solcher anerkannt werden sollte, beteiligte sich schon so mancher Sportverein. Da diese Debatte in den gegenwärtig für den eSport relevanten Ländern lediglich in Deutschland noch aktuell ist, werden wir zunächst einen Blick auf die Fortschritte werfen, die in dieser Hinsicht bereits gewonnen wurden und uns anschauen, wer sich dafür einsetzt und wer dagegen.


Was hat der eSport von Sportmannschaften?
Insgesamt bringt es für beide Seiten - also eSport und 'richtigen' Sport -  viele Vorteile mit sich, wenn ein etablierter Sportverein in ein eSport-Team investiert. Neben der allgemein größeren Aufmerksamkeit über die Social-Media-Kanäle des Clubs kommen dem eSport-Team die Vereinsstruktur und die Erfahrung des Vereins in professionellen Wettbewerben zu Gute. Zudem erfährt eine Angelegenheit immer dann größere gesellschaftliche Akzeptanz, wenn große, Bekannte Namen dahinter stehen. Ein weiterer Vorteil für den eSport. Auf der anderen Seite erreicht der Sportverein durch seine Investition in die Jugendkultur eben bei der jungen Bevölkerung Aufmerksamkeit und auch Sympathie, welche sich wieder in größerer Reichweite und mehr Merchandise-Verkäufen widerspiegelt und so weiter und so fort.

Ein Risiko stellen Sportmannschaften für den eSport immer dann dar, wenn der eSport von den Verantwortlichen nicht ernst genug genommen wird und der eSport mehr ein Experiment ist, als alles andere. Dabei stehen sich in Europa die beiden Fußballvereine Paris Saint Germain und der FC Schalke 04 in League of Legends gegenüber. Schalke investierte bereits Mitte 2016 in eine eigene eSports-Abteilung, Paris zog Ende des Jahres nach. Während bei Schalke vom eSport begeisterte Menschen mit der Aufgabe betraut wurden, das Team nach dem Abstieg aus der EU LCS im Sommer 2016 wieder zum Aufstieg zu führen - welcher auch im Sommer 2017 gelang - wurde die LoL-Abteilung von PSG nach knapp einem Jahr wieder aufgelöst. Der Erfolg war ausgeblieben und man stempelte das Experiment League of Legends somit als gescheitert ab.

Die Situation in Deutschland
Hierzulande ist die Beteiligung von Sportvereinen im eSport mittlerweile nichts Neues mehr: Was mit zwei FIFA-Spielern des VFL Wolfsburg im Mai 2015 begann erfasste auch andere größere Clubs wie etwa Bayer 04 Leverkusen, den SV Wehen Wiesbaden oder den FC Schalke 04. Während die beiden erstgenannten lediglich einen oder mehrere FIFA-Spieler beschäftigen - wie Vorreiter Wolfsburg auch - nahm der FC Schalke 04 gleich mit Gründung der vereinsinternen eSports-Sektion ein komplettes League of Legends Team unter Vertrag. Das Team von Schalke stieg jedoch direkt in der Debüt-Saison der Königsblauen aus der EU LCS, der höchsten europäischen Spielklasse, ab und viele Kritiker sahen das Experiment League of Legends als gescheitert an. Ein Jahr später gelang es dem FC Schalke 04 schließlich mit einem neuen Line-Up wieder in die LCS zurückzukehren.

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Treffen seit einiger Zeit auch virtuell aufeinander: FC Schalke 04 und VFL Wolfsburg

Auf der anderen Seite stehen nicht weniger Einflussreiche Mannschaften im deutschen Fußball - allen voran Borussia Dortmund. Hans Joachim Watzke, Geschäftsführer des BVB äußerte sich gegenüber Gameswirtschaft, als er auf den Einstieg des Erbfeindes FC Schalke 04 in den eSport angesprochen wurde, dass eSport seiner Meinung nach 'komplett scheiße' sei. Diese Aussage traf er allerdings im November 2016 und da seitdem nun mehr als ein Jahr verstrichen ist, könnte sich die Meinung von Borussia Dortmund geändert haben, jedoch gibt es dazu bisher keine weiteren Informationen von Seiten des BVB. Jedoch wäre der Einstieg eines weiteren Vereins mit internationaler Fangemeinschaft nur förderlich für den eSport innerhalb Deutschlands.

Neben diesen mehr oder weniger prestigeträchtigen Fußballteams engagierte sich noch keine Sportmannschaft aus anderen Sportarten innerhalb Deutschlands in nennenswertem Umfang im eSport, allerdings gibt es noch weitere Verbände und Vereine, die sich für die Anerkennung des eSports als Sport einsetzen. Dazu gehören unter anderem der eSport-Bund Deutschland (ESBD), der künftig als Dachverband für den eSport in Deutschland einstehen wird (etwa wie der DFB im Fußball), sowie kleinere Vereine, wie z.B. der Leipzig eSports e.V., dem als erstem deutschen eSport-Verein die Gemeinnützigkeit anerkannt wurde.

Ein Blick über den Tellerrand
Natürlich investierte auch außerhalb von Deutschland bereits eine Vielzahl von Sportvereinen in den eSport. Zu den prominenteren Beispielen innerhalb Europas gehören dabei der französische Fußballverein Paris Saint Germain sowie das Basketballteam Saski Baskonia aus Spanien. Während in Paris wie bei nicht wenigen Fußballmannschaften FIFA-Spieler unter Vertrag stehen, spielt ein komplettes League of Legends Team in der spanischen Liga unter der Flagge von Saski Baskonia. In League of Legends war Paris Saint Germain ebenfalls aktiv, das Projekt wurde allerdings Ende 2017 eingestellt, nachdem das Team zwei erfolglose Splits in der Challenger Series gespielt hatte.

Ein wenig anders sieht es in den USA aus, denn dort wollen auch ein paar der ganz großen Teams ein Stück vom Kuchen abhaben. Der Hauptgrund dafür ist wohl das Franchising, welches in den großen Sportligen der USA schon lange gang und gäbe ist und nun auch im eSport seinen Einzug hält. Das Franchising sichert die Investoren für mehrere Jahre ab und macht den eSport als solchen für Investoren attraktiver. So sind beispielsweise mit den Golden State Warriors und den Miami Heat zwei der größten Basketballteams der Staaten in unterschiedlichen eSport-Ligen dabei. Während die Golden State Warriors mit ihrem League of Legends Team, den Golden Guardians, die NA LCS aufmischen, investierten die Miami Heat in die eSports-Organisation Misfits und somit indirekt in u.a. das Team Misfits Gaming in der EU LCS und Florida Mayhem, einen Teilnehmer der Overwatch-League.

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Misfits Gaming und Miami Heat gingen Anfang 2017 eine Partnerschaft ein

Sind die Sportvereine nun nötig, oder nicht?
Diese Frage wurde bereits Anfang 2017 von meinem Kollegen Christian 'TheHotz' Hotz klar und deutlich mit 'Nein' beantwortet. Es ist schön und auch gut für den eSport, wenn Sportvereine sich im eSport engagieren, jedoch ist dies nicht zwangsläufig nötig. Die Sportvereine, die bisher in den eSport investierten, brachten zwar eine große zusätzliche Reichweite für den eSport mit und ihre Teams profitieren sehr von den bereits etablierten Vereinsstrukturen, jedoch zeigen eSport-Vorreiter wie die Teams Fnatic und Team SoloMid, dass es auch ohne geht. Nichtsdestotrotz wird es dem eSport mit Sicherheit nicht schaden, sollten noch mehr große Vereine - auch in Deutschland - den Schritt wagen und den eSport als das ernst nehmen, was er im professionellen Bereich schon längst ist: als Leistungssport.

Bildquelle: kicker eSport
Gregor 'hinterwalda' Vorwald
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