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Adrian Weiß im Interview: Die Diskussion um Computerspiele hat sich merklich entspannt

Bereits zum siebten Mal bietet die eSport Schulmeisterschaft im kommenden Jahr eine Plattform für Schüler und Lehrer, um gemeinsam gegen andere Schulen im virtuellen Wettkampf anzutreten. Die Themen Computerspiele und eSport sollen dabei in den Unterricht integriert und Medienkompetenzen der Schüler gefördert werden. Warum gemeinsames zocken zwischen Mathematik und Biologie einen berechtigten Platz im Unterricht haben sollte und wieso die eSport Schulmeisterschaft auch ihren Teil dazu beiträgt, dass noch immer vorhandene Vorurteile gegenüber Computerspiele abgebaut werden können, erklärt Adrian Weiß, PR-Manager bei Turtle Entertainment, im Interview gegenüber escene.de.

Interview mit Adrian Weiß über die Schulmeisterschaft

escene.de: Die Schulmeisterschaft geht bereits in ihre siebte Saison. Was hat sich im Vergleich zur Vorsaison geändert?
Adrian Weiß: Im Vergleich zu den sechs vorangegangenen Saisons hat sich etwas grundlegendes verändert: haben wir damals noch auf einen Teamwettbewerb bestehend aus drei verschiedenen Team-Disziplinen gesetzt, gibt es in der neuen Ausgabe der Schulmeisterschaft nur noch zwei Disziplinen, die unabhängig voneinander gespielt werden. Die Entscheidung ist nach dem Feedback der letzten Saison gefallen, weil die Schüler unglücklich mit der Spielauswahl waren, die sie nicht zu 100% interessierten.

Ihr habt euch für Turniere in League of Legends und StarCraft 2 entschieden. Wieso ist die Entscheidung gerade auf diese Spiele gefallen?

StarCraft 2 ist in meinen Augen immer noch DER eSport-Titel schlechthin. Wir haben auch nicht zufällig in der Vergangenheit auf Blockbuster wie WarCraft 3 aus dem Hause Blizzard gesetzt – die Spiele sind einfach super balanced und ein Muss für jeden wahren eSport-Fan. Zu der Wahl von LOL als zweiten Titel muss man nicht viel sagen, denn der überwältigende Erfolg der letzten Monate spricht für sich. Und ich bin mir sicher: macht man eine Umfrage unter Schülern, welches Spiel sie regelmäßig spielen, ist LOL immer ganz vorne dabei.

League of Legends wird in der Schulmeisterschaft im 3vs3 gespielt. Wieso weicht ihr vom üblichen 5vs5 ab?

Riot Games hat nochmal die 3vs3-Maps optimiert, aber das ist nicht der Grund für diese Entscheidung. Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns gelehrt, dass es extrem schwierig für Schüler ist, sich zu einem Spieltermin mit seinen Gegnern zu verabreden, die Quote der Def-Wins war enttäuschend hoch und hat den aktiven Spielern zunehmend die Lust am Wettbewerb genommen. Nun kann man sich leicht vorstellen, dass es noch schwieriger wird, in einer Gruppe von zehn Spielern ein Match zu vereinbaren. Daher wollten wir die Hürden so niedrig wie möglich halten, damit möglichst viele Spiele auch wirklich ausgespielt werden.

Auf Ego-Shooter wird bei der Schulmeisterschaft gänzlich verzichtet. Sind „Killerspiele“ noch immer so sehr in den Köpfen der Menschen verankert, dass man diese Art der Spiele vorsorglich vermeidet?

Ich würde die Diskussion gar nicht auf die „Killerspiel“-Debatte beschränken. Fakt ist: die Schulmeisterschaft richtet sich an junge Menschen, die in ihrem Umfeld von Eltern und Lehrern beeinflusst werden. Diese Personen haben eine Aufsichtspflicht und hinterfragen – zu Recht – was die Schüler in ihrer Freizeit am Computer machen. Das nicht jeder Counter-Strike-Spieler die virtuell erlebten Inhalte auf das reale Leben überträgt ist jedem Spieler und auch den Eltern und Lehrern klar. Aber wir würden mit der Wahl eines Shooters eine Diskussion und eine Drucksituation erzeugen, die nicht förderlich für das Projekt wäre. Dafür ist es noch zu früh.

Wie sieht allgemein die Resonanz der Schulen aus? Hat eSport noch generell mit Vorurteilen zu kämpfen?

Ich muss ehrlich sagen, dass die Diskussion um Computerspiele sich merklich entspannt hat. In der Geschichte ist immer gleich mit Neuerungen umgegangen worden: wenn etwas neu und beliebt wurde, haben Leute, die keinen Bezug dazu hatten, es verteufelt. Früher waren Malerei und das Theater Teufelswerk, dann TV, Comics und zuletzt die Spiele. Neuerdings beschäftigt man sich kritisch mit dem Internet und den sozialen Netzwerken. Auf Menschen, die täglich mit diesen Medien umgehen, wirkt diese Diskussion befremdlich.

Lehrer sind nur dann kritisch gegenüber der Schulmeisterschaft eingestellt, wenn ihre Schüler sie nicht einbinden. Es gibt genügend Beispiele von Lehrern, die Feuer und Flamme für den Schulwettbewerb sind und in ihrer Schule sogar Ausscheidungsspiele veranstalten, um die besten Schüler an den Start zu schicken.

Welchen Effekt soll die Schulmeisterschaft, neben dem Spielspaß, auf die teilnehmenden Schüler haben?

Mit der Schulmeisterschaft wollen wir den eSport in Deutschland weiterentwickeln, salonfähig machen, wenn man so will. Die Spieler sind allesamt Botschafter für ihren Sport und es gibt immer noch genügend Menschen, die keinerlei Vorstellung davon haben, was die Faszination von Computerspielen im Allgemeinen und eSport im Speziellen ausmacht. Denn eSport ist geprägt von Interaktion, Kommunikation, Taktik und einer Menge Organisation – das alles sind Aspekte, die einem auch im weiteren Berufsleben begegnen werden.

Richtet sich die Schulmeisterschaft eher an aktive eSportler oder sollen vor allem Hobby-Spieler an die ESL herangeführt werden?

Die Schulmeisterschft ist keine Nachwuchsförderung für die ESL. Wir haben mit dem Netzwerk der ESL im Rücken allerdings den Vorteil, die bereits aktiven Spieler gezielt anzusprechen und das Projekt dort zu bewerben. Sicher ist die Schulmeisterschaft für alle Spieler von SC2 und LOL interessant und vielleicht kommt der ein oder andere Gamer durch den Wettbewerb mit anderen Schulen auf den Geschmack für eSport. Dann ist er natürlich in der ESL genau richtig.

Wie wichtig ist es für euch, Menschen ausserhalb der teilnehmenden Schulen auf dieses Projekt aufmerksam zu machen?

Das ist neben einem interessanten Turnier und aktiven Spielern der zentrale Punkt der Schulmeisterschaft. Gaming in der Schule – das Thema weckt Interesse. Und wenn die Schüler mitspielen und würdige Vertreter ihres Sports sind, dann ist es eine ideale Ausgangsposition, um den Medien und Kritikern aufzuzeigen, warum so viele Jugendliche ihre Freizeit so gerne mit Computerspielen verbringen.

Zum Abschluss darfst du gerne noch mal die Werbetrommel rühren. Wieso sollten sich Schüler, die heute zum ersten Mal von der Schulmeisterschaft hören, am besten direkt anmelden?

Alle Schüler und Lehrer (auch Lehrer dürfen in LOL teilnehmen!), die gerne SC2 und LOL spielen, sind in der Schulmeisterschaft genau richtig aufgehoben. Zusammen mit den Mitspielern aus der Schule kann man die Schule zum Trainingsort machen und vielleicht auch zusammen mit einem Lehrer eine regelrechte AG entwickeln. Und wer wollte nicht schon einmal Deutscher Meister in seiner Lieblingssportart werden?

Infobox: Die eSport Schulmeisterschaft
Anmeldephase: 20.11.2012 bis 31.12.2012
Spiele: StarCraft 2 (1vs1) und League of Legends (3vs3)
Beginn der 7. Saison: Januar 2013
Anzahl der Teilnehmer: In der vergangenen Saison nahmen über 100 Schulen aus ganz Deutschland teil

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