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Euro Truck Simulator 2: Das Leben auf der Straße

imageStundenlanges sitzen, nervenaufreibende Autofahrer, unzählige Baustellen und enge Straßen. Herzlich Willkommen im Leben eines waschechten Brummifahrers. Jeder, der sich köstlich über die nicht enden wollenden Elefanten-Rennen auf den Autobahnen, das blockieren der Straßen oder rumgeschleiche der Riesen der Straße aufregt, sollte einmal in den Simulator reinschnuppern. Die Meinung wird sich schlagartig ändern!

Hier ist er nun, der Nachfolger des bereits im 2008 veröffentlichten Euro Truck Simulators.  Konkret gesagt, dreht sich hier alles um das „Skandinavien Add-On“, welches weitere Langstrecken und Straßennetze in petto hat und ein wenig Abwechslung in das Leben des Brummifahrers bringen soll. Bereits nach den ersten Testfahrten mit dem LKW wird klar, dass der Simulator sehr nah an die Realität herankommt und der Blickwinkel gegenüber den oftmals nervenaufreibenden Brummifahrern grundlegend in Frage gestellt wird. 

Die Grafik

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Zugegeben, solch eine detail- und facettenreiche Grafik haben wir dem Euro Truck Simulator 2 gar nicht zugetraut. An Unebenheiten der Straßen wurde genauso gedacht, wie an Blumen, Wiesen und ein sehr gut ausgestattetes Cockpit. Okay, in puncto Landschaft müssen wir einige Abstriche machen, denn die Wiesen und Wälder wirken selbst auf der höchsten Grafikeinstellung etwas mau und man kann – je weiter von einem entfernt – sogar einzelne Pixel zählen. Aber nun gut, das Leben spielt ohnehin auf den Straßen Europas ab. Im Reich des Fahrers, das Cockpit, wurde kein Merkmal vergessen und auch das Tacho ist detailreich gestaltet.  Faszinierend sind zudem die Witterungen und der Tag-Nacht-Zyklus. Auf dem ohnehin beschwerten Weg, zieht sich allmählich die Wolkendecke zu und erste Tropfen prasseln auf die Scheibe. Aber auch die Sonne hat es in sich – steht sie ein wenig zu tief, blendet sie den Fahrer unermüdlich.

Steuerung

Bei der Steuerung hat man die Qual der Wahl. Entweder man entscheidet sich für die klassische Variante mittels Tastatur und Maus, oder greift zum Gamepad, Joystick oder gar Lenkrad. Letzteres wird das Fahrgefühl bestmöglich widerspiegeln können. Hier jedoch musste die Tastatur herhalten und so stellt es sich als hilfreich dar, wenn man vorab die Belegung der Tastatur genau studiert, denn während der Fahrt bleibt wenig Zeit dazu. Die Einstellungen der Seitenspiegel, die Navigationsansicht, das Licht, die Scheibenwischer und vieles mehr verbirgt sich über die komplette Tastatur verteilt. Mit der Maus hingegen steuert man lediglich den Blickwinkel des Fahrers, um an Kreuzungen den Überblick zu bewahren oder den Sonnenuntergang auf der Autobahn zu bestaunen. Das Manöver auf dem Hof der Spedition erweist sich als ebenso große Herausforderung. Das nötige Geschick und die Erfahrung sind hier gefragt, andernfalls landet man an der nächsten Mauer oder verkantet seinen Anhänger komplett. Wer sich das Manöver nicht zutraut, kann dies mit der „Eingabe-Taste“ umgehen. Alles in allem wirkt die Steuerung sehr feinmotorisch. Jeder Tastenschlag hat Einfluss auf das Lenkrad. Das ist realistisch dargestellt und lässt darauf schließen, dass der Umgang mit dem angeschlossenen Lenkrad ebenso präzise von stattengehen muss, ohne im nächsten Graben oder der Leitplanke zu landen.

Ein nettes Gimmick ist der Radiostream. Hier kann aus 180 internationalen Sendern gesucht werden. Wer lieber seine eigene Playlist auf die Ohren haben möchte, kann seine MP3-Sammlung ebenfalls unterbringen. Während der Fahrt kann der Sender per Tastendruck geändert werden.

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Spielverlauf

Bevor man sich auf die Weiten der Straßen begibt, wählt man sich einen von über 200 Charakteren aus. Einige weibliche Fahrer gibt es sogar auch. Kurz noch das bevorzugte Design des Trucks aussuchen, sowie ein Firmenname und Logo vergeben und schon kann es im Hauptmenü auch an den ersten Auftrag gehen. Auftrag bestätigt, Route im Navigationssystem automatisch berechnet und ab auf die Piste. Gestartet wird, je nach Auftrag, im jeweiligen Depot des Auftraggebers. Recht unspektakulär, sieht sich doch eigentlich jedes Depot, in jeder Stadt zum Verwechseln ähnlich. Anfangs bewegt sich das Gehalt bei rund 3000 EUR. Überschaubarer Lohn für all die Strapazen und den ständigen Zeitdruck im Nacken. Nach jedem Levelaufstieg jedoch kann man sogenannte Fähigkeitspunkte vergeben, die einen Ausblick auf besser bezahlte Aufträge geben. Natürlich sind wertvolle und gefährliche Frachten weitaus besser vergütet, als popelige Kurzstrecken mit Paletten auf dem Anhänger.

Achtet stets auf die Verfassung des Fahrers, werden die Ruhezeiten nicht eingehalten, gähnt er lautstark. Wird dies gekonnt ignoriert, verdunkelt sich der Bildschirm zunehmend und die Fahrt wird stark beeinträchtigt. Ein stilles Plätzchen zum Ausschlafen ist hier deutlich die bessere Variante. Wer dazu neigt, oft mal arme Passanten von der Straße zu bugsieren oder den Truck mit einem Rammbock zu verwechseln, der sollte ebenfalls Acht auf die Schadensanzeige geben. Ist diese in einem ungesunden Maß, wird letztendlich der Motor streiken und der Truck bleibt auf der Strecke einfach stehen. Dann hilft nur noch: Abschleppdienst anrufen! Und das wird teuer!
 

Grundsätzlich sind die neuen Strecken des Skandinavien-Add-On eine feine Sache, denn so kann man endlich auch mal über den Tellerrand schauen und das Wasser überqueren. Viel hat man zwar nicht davon, aber wer will schon Tag ein, Tag aus die Strecke Berlin -> Köln fahren. Sie bringen kurzzeitig die nötige Abwechslung, jedoch gleichen sich die Strecken auch hier viel zu oft, sodass das „Neue“ schon bald wieder „Alt“ zu sein scheint.

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Links: Überblick über die aktuellen Aufträge – Rechts: Eine Fahrt nach Dänemark


Die Freiheit der Selbstständigkeit

Im späteren Verlauf hat man die Chance auf eine Selbstständigkeit. Hier ist jedoch gesagt, dass der erste eigene Truck die 90.000 EUR weit übersteigt und einige Fahrten notwendig sind, um das passende Kleingeld parat zu haben. Das kann ganz schön demotivierend sein. Wer nicht länger von Wasser und Brot leben und vom Chef abhängig sein will, der kann sich bei der Bank einen Kredit holen. Hier werden aber Rückzahlungen von mindestens 2500 EUR pro Tag fällig. Das Angebot ist also nicht ganz ohne! Hat man erst einmal seinen ersten Truck erwirtschaftet und seine Garage angemietet, kann die sogenannte „Freiheit“ losgehen. Wie gewohnt, sucht man in der Übersicht nach interessanten Aufträgen, baut seine Garage aus oder erweitert sein Imperium. Wichtig hierbei ist: Je mehr Fahrer man anstellt, desto mehr Geld fließt in die Kasse. Die Arbeitsagentur hat so manch arbeitswilligen Patienten „vorrätig“. Auf die Konstellation des Teams kommt es nebenbei auch noch an. Ist man selber auf Gefahrgut geskillt, sollte man die Fähigkeiten des Teams nicht außer Acht lassen und die Lücken füllen. Wenn jeder Spezialist die selbe Fähigkeit abdeckt, kann das auf Dauer einiges an Geld einbüßen. Die breite Palette macht`s also!

Die alltäglichen Tücken

Nur zu oft stellt man sich die Frage, warum zum Teufel die Straßen, Baustellenstreifen, Kreuzungen und Einfahrten so verdammt eng sind! Nicht nur einmal bleibt man mit dem Anhänger an einer Ecke hängen und hat viel Mühe, um aus dieser Situation wieder herauszukommen. Herbeifahrende Autos und LKW`s sind keine große Hilfe, denn diese quetschen sich nur zu gerne durch die kleinste Lücke oder versperren den Weg. Die Städte, wie beispielsweise Paris, Berlin oder London, locken den Brummifahrer zwar mit fantastischer Skyline, jedoch wird man das Geschehen innerhalb des Stadtkerns nie erkunden. Die Fahrt spielt sich nämlich ausschließlich am Randgebiet ab, wo man hin und wieder vereinzelt Fußgänger entdecken kann. Ansonsten schnuppert man stinklangweilige Industrieluft, die sich zudem auch noch ähneln.

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Merkwürdige Features

Und davon gibt es leider eine ganze Menge. Jeder noch so kleine Unfall kostet satte 400 EUR, dabei spielt es keine Rolle, wer der Schuldige ist. Einen realistischen Unfallhergang gibt es nicht, wenn es kracht, fahren alle Parteien weiter, als wäre nie etwas gewesen. Eine Tempoüberschreitung schlägt mit 350 EUR zu Buche, die nimmersatte Polizeistreife oder gar einen Blitzer konnte man bis heute nicht sichten. Richtung Schweden nutzt man eine Fähre, diese Fähre jedoch wird man im Spiel niemals zu Gesicht bekommen. Es ist fast so, als würde der Truck von A nach B gebeamt werden. Spuki! Aber auch die Grenzen sind verweist. Mit der „Eingabe-Taste“ öffnet man die Schranke und kann seine Fahrt fortsetzen.

Ampeln gibt es zwar in den Städten, jedoch spielt es scheinbar keine Rolle, ob man sie beachtet oder ungehindert bei rot über die Ampel fährt. Zumindest solange man kein Auto rammt. Strafe gab es für dieses Vergehen ebenso wenig, wie die Nichtbenutzung des Blinkers. Beim Licht sieht es hingegen anders aus. Hier wird ebenfalls ein Bußgeld fällig. Die Polizei scheint inkognito unterwegs zu sein. Schon ein wenig unheimlich! Der Manager-Teil wirkt leider undurchdacht. So sind die interessantesten Trucks mit einer Levelsperre versehen, was augenscheinlich der Langzeitmotivation dienen soll. In der Praxis jedoch frustriert dies, denn die „günstigen“ Varianten geben nicht sonderlich viel her. 

Auch wird einem mit einer X-Linie suggeriert, dass diese Strecke nicht befahren werden kann. Zwar versprechen die vielseitigen Straßen eine gewisse Freiheit, jedoch nur so weit, wie man einen eben lässt. Will man sich diesem widersetzen, kracht man gegen eine unsichtbare Mauer. Die Streckenführung ist also sprichwörtlich für „dumme“ gemacht. Das Navigationsgerät ist ein nettes Gimmick, benötigen tut man es jedoch weniger.

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Links: Das Streckennetz ist nur bedingt befahrbar – Rechts: Der verweiste Grenzübergang

Euro Truck Simulator 2 – Skandinavia
Publisher: SCS Software Releasetermin: 07. Mai 2015 Preis: 19,40 Plattform: PC
Alles in allem ein solider Simulator mit Luft nach oben. Mir fehlt eindeutig die Abwechslung. Oft hätte ich mir mehr „Action“ im Leben des Brummifahrers gewünscht. Es fehlt die freie Bewegung auch außerhalb des Trucks. Man darf zwar nicht vergessen, dass es ein Simulator ist, jedoch wäre dies ein nettes Gimmick, um beispielsweise Unfälle realistischer darzustellen, Zollabwicklungen mit einbeziehen zu können oder die Pausen auf dem Rastplatz und der Tankstelle weitaus netter und realistischer zu gestalten. Hier funktioniert alles, ja wirklich alles per Klick & Tastendruck, was auf Dauer sehr ermüdend sein kann.  Enge Straßen sind zwar ein Fluch jeden Fahrers, dennoch benötigen sie volle Konzentration und bringen einen „wachen Moment“ herbei. Das Gejuckel auf der geraden Autobahn jedoch ist nicht jedermanns Sache. Zumindest nicht in einem Videospiel und schon gar nicht, wenn Opa wieder einen Sonntagsausflug macht und in einer 80er Zone mit 40 vor dem Riesen herumeiert.

Gefallen habe ich an der realistischen KI der herbeirasenden Fahrzeuge gefunden. In manchen Städten hat man das Gefühl, dass der Führerschein im Lotto gewonnen wurde. Mal kann man von seiner Vorfahrt Gebrauch machen, ein anderes Mal wird vor einem viel zu früh eingeschert. Stupide und unrealistische KI ist hier Gott sei Dank nicht angesagt. Die Streckenerweiterung durch das neue Add-On war dringend notwendig, sodass neue Aufträge an Land gezogen und Streckenabschnitte erkundet werden können.

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Grafik: 7/10 Manager: 5/10 KI: 9/10
Schwierigkeit: 7/10 Langzeitmotivation: 3/10  Steuerung: 7/10
  • durchdachte und realistische KI
  • vielfältige Einstellungsmöglichkeiten 
  • solide Grafik
  • Langatmige Fahrten unter Zeitdruck
  • keine Aktivitäten außerhalb des Trucks möglich 
  • Tastenbelegung

 

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