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Faszination BarCraft: Public Viewing 2.0

imageDas „Coellner“, eine kleine Bar im Herzen der Rheinmetropole Köln, ist rappelvoll. Dutzende Menschen verfolgen gebannt das Geschehen auf der Leinwand, die durch einen an der Decke befestigten Beamer zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit geworden ist. Auf Barhockern und in schwarzen Ledersesseln wird sich angeregt über das denkbar knappe Spiel ausgetauscht und die Kellner haben alle Hände voll zu tun, die trockenen Kehlen mit Nachschub zu versorgen. Was bei einem Bundesligaspiel des 1. FC Köln nicht weiter verwunderlich wäre, sorgt hingegen auch in der sportbegeisterten Domstadt für Staunen bei so manchem Stammgast. Die Stars der Liveübertragung im „Coellner“ tragen dieses Mal nämlich nicht die Farben des 1. FC, sondern die Trikots von SK Gaming, fnatic oder AZUBU Frost. Was im Fußball spätestens seit der WM 2006 funktioniert, klappt nämlich auch im E-Sport: Public Viewing. Den Grundstein legte StarCraft 2 mit seinen „BarCraft“ Events, nun zog League of Legends nach. „Rudelgucken“ ist voll im Trend und hilft laut BarCraft Veranstalter Arne Timmermann beim etablieren einer Fankultur im E-Sport.


»Das Tolle an BarCraft ist, dass wir den eSport in die Öffentlichkeit tragen«

imageescene.de: Hallo Arne, wie sieht dein Aufgabenbereich innerhalb von „BarCraft Connect“ aus und wie bist du überhaupt dazu gekommen, BarCraft-Events zu organisieren?
Arne ‚RayBeans‘ Timmermann: Hallo Michael, ich kümmere mich bei „BarCraft-Connect“ primär um neue Mitglieder aus dem deutschsprachigen Raum und um alles was sonst so anfällt. BarCrafts organisiere ich in Aachen seit Oktober 2011. Ich hatte damals von der Idee gelesen und war direkt begeistert. Da ich eine Bar in einem Studentenwohnheim mit Beamer & Internet zur Verfügung hatte, habe ich einfach mal ein BarCraft gemacht. Es kamen über 30 Leute, ich war restlos begeistert und seitdem wachsen wir stetig.
Im Rahmen der IEM Katowice habt ihr insgesamt fünf BarCraft und ein „Bar of Legends“ Event veranstaltet. Wie sieht das Feedback der Inhaber der Locations aus und bist du selbst zufrieden mit den Veranstaltungen bzgl. Stimmung und Zuschauerzahlen?
Leider mussten zwei BarCrafts kurzfristig wegen technischer Probleme (Bergamo) und aus persönlichen Gründen (Dresden) abgesagt werden. Am Samstag (19.01) fand aber ein BarCraft in München statt, zu dem knapp 100 Besucher erschienen. In Graz und Aachen haben wir das Sc2 Finale am Sonntag gezeigt mit jeweils etwa 40 Besuchern und in Köln fand erstmalig ein „Bar of Legends“ statt mit 70 Besuchern. Wir sind alle sehr zufrieden, trotz diverser Lags und Streamabbrüche am Sonntag. Die Stimmung war gut, die Besucher zufrieden. Und der Umsatz hat auch gestimmt, das heißt die Inhaber der Locations sind auch zufrieden – gerade für einen Sonntagabend.
 
Wie hat sich das erste „Bar of Legends“ Event geschlagen? Funktionieren BarCrafts auch in anderen Spielen wie LoL oder CS:GO?
Trotz widriger Wetterbedingungen (Schnee & Glatteis) haben sich etwa 70 LoL Fans in der Bar eingefunden. Laut Aussage des Veranstalters war die Stimmung sehr gut, die Leute haben richtig mitgefiebert und jede Aktion mit Jubel und Applaus begleitet. Es gab dank Unterstützung von Riot auch einiges bei einem „cheerful“ Wettbewerb zu gewinnen (siehe Fotos). Dieser Event und auch vergangene „Bar of Legends“ die bereits in Berlin stattgefunden haben zeigen deutlich, dass „public viewing“ nicht nur für StarCraft 2 funktioniert sondern für alle eSport Titel. Es müssen sich, wie bei allem im eSport, nur motivierte Leute finden die etwas auf die Beine stellen. Bezüglich CS:GO bin ich allerdings etwas skeptisch, CS genießt ja leider aufgrund der Killerspiele Debatte beim „Normalbürger“ keinen sonderlich guten Ruf. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das schlecht an einen Wirt verkaufen lässt. Das ist aber nur eine Vermutung, probiert hat das soweit ich weiß noch niemand.


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Mit Graz und Bergamo gab es auch zwei BarCrafts außerhalb Deutschlands. Weder Österreich noch Italien sind „typische E-Sport Länder“. Wieso fiel da die Wahl ausgerechnet auf diese zwei Städte und wo liegen hier noch die Unterschiede zu deutschen Events?

Die Wahl fiel gerade auf diese Städte, weil sich dort Leute gefunden haben, die BarCrafts organisieren. Graz bietet aufgrund seiner großen Universität einen großen potentiellen Kundenstamm, ähnliches gilt auch für Bergamo. Unterschiede zu Events in Deutschland sind mir nicht bekannt. Gerade in Österreich und der Schweiz sind BarCrafts allerdings sehr populär, es gab und gibt dort BarCrafts in mehreren Städten, Wien, Graz, Innsbruck, Genf und Zürich. Eines unser jüngsten Mitglieder ist übrigens Brno in Tschechien. BarCraft ist überall möglich.
War es schwieriger Locations in Italien und der Schweiz zu finden und die Besitzer von BarCraft-Events zu überzeugen?
Nein, die Suche nach Locations ist überall gleich schwierig.
Wie darf man sich die Suche nach einer geeigneten Location in Deutschland und dem Ausland vorstellen? Sprecht ihr einfach die Besitzer einer passenden Bar an? Wie sieht da die Resonanz aus? Muss man den Meisten noch erklären, was „E-Sport“ ist?
Die Suche nach einer passenden Location ist das Schwierigste und Aufwändigste als Veranstalter von BarCrafts. Man muss den meisten Wirten noch erklären was eSport ist und dass es wirklich Leute gibt, die sich dafür begeistern können. Ausnahmen sind z.B. der Wirt in Köln, der früher selbst einmal begeisterter StarCraftspieler gewesen ist. Die meisten Wirte sind neuen Ideen gegenüber allerdings sehr aufgeschlossen. Mittlerweile gibt es auch viel Material mit dem man arbeiten kann, um Wirte vom Potential eines BarCrafts, gerade für die umsatzschwächeren Tage, zu überzeugen. Problematisch sind dann meistens eher die Terminfindung und die Ausräumung technischer Schwierigkeiten wie Internetzugang und der Anschluss von Beamer und Fernseher. Generell wird es schwieriger wenn man große Locations braucht (100 Leute aufwärts), da dort das finanzielle Risiko für den Wirt „es einfach mal zu probieren“ stark steigt – hier muss entsprechend mehr Überzeugungsarbeit geleistet werden, wobei BarCraft-Connect mit Zahlen und Fakten helfen kann. Es gehört aber leider auch immer eine Portion Glück dazu eine Location zu finden bei der alles passt.
Melden sich mittlerweile auch Besitzer von möglichen Locations selber bei dir, die Interesse an einem BarCraft Event haben?
Bei mir ist das bisher noch nicht vorgekommen, bei anderen BarCraft Veranstaltern soweit ich weiß auch noch nicht. Ein Traum würde wahr werden wenn das passieren sollte.
Was muss ich als Barbesitzer beachten, wenn ich so ein Event veranstalten möchte? Welche Voraussetzungen muss meine Location erfüllen?
Ausreichend Sitzgelegenheiten, ausreichende Internetverbindung (wenn möglich mit Kabel, kein wLan), Beamer & Leinwand oder Fernseher, gute Soundanlage und freie Termine. Die Terminplanung ist mit das Schwierigste, da Turniere und Zeitpläne meist mit sehr geringer Vorlaufzeit angekündigt werden. Hier arbeiten wir von „BarCraft-Connect“ aber mit Turnierveranstaltern zusammen um Termine etwas früher erhalten zu können.
Wie groß ist geschätzt der Anteil der Gäste bei einem BarCraft Event, die zuvor nie E-Sport gesehen haben und wie fällt das Feedback meistens aus?
Die Gäste, die gezielt zu einem BarCraft kommen, kennen und interessieren sich schon für eSport. Die meisten Besucher, zumindest bei mir, spielen selbst nicht mehr aktiv (Sc2) aber schauen es sich immer noch gerne an. Das Tolle an BarCraft ist aber, dass wir den eSport in die Öffentlichkeit tragen. D.h. andere Besucher der Bar bekommen mit, dass dort viele Leute „irgendwas“ anschauen und zeigen Interesse. Beim Bier kommt man ja auch leicht ins Gespräch und so konnte schon viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Die meisten Leute (zwischen 20 und 40) haben ja dann doch schon mal selbst Videospiele gespielt und finden so leichter Zugang und sind dann immer positiv überrascht, dass es professionelle Spieler und solche Turniere und Shows gibt. Und dass es Leute gibt, die sich in einer Bar treffen um sich das anzuschauen.
BarCrafts sind ja auch dafür bekannt, hervorragend geeignet zu sein, um Kontakte mit anderen Spielern und Fans zu knüpfen. Sind dir (Fan-)Projekte bekannt, die aufgrund solcher Veranstaltungen entstanden sind?
In allen Städten sind Communities rund um BarCraft entstanden. So findet man leichter Trainingspartner und Mitspieler. Hier in Aachen hat sich ganz frisch ein Clan gegründet (Aachen eSport, www.aachen-esport.de) der Spieler aller Disziplinen aus der Region zusammenbringen soll und eine Plattform für den eSport in der Region bieten soll um Mitspieler zu finden. In München gibt es mittlerweile eine deutschlandweit bekannte Turnierserie, das MST, welches auch aus der BarCraft Bewegung gegründet und getragen wird. Ebenfalls gibt es dort ein Bootcamp, genauso wie in Leipzig, bei dem sich regelmäßig Spieler aus der Region bei jemand zuhause treffen und dort gemeinsam trainieren. Wir von BarCraft-Connect planen gerade eine große Turnierserie, in der jedes BarCraft seinen lokalen Sc2 Champion ermittelt – diese Champions treten dann gegeneinander an und wir ermitteln so den BarCraft – Sc2- Champion (am Titel wird noch gearbeitet (lacht)).


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Im Vergleich zu klassischen Sportarten ist die Stimmung bei E-Sport Events oft noch etwas zurückhaltender. Woran liegt das deiner Meinung nach und denkst du, dass BarCrafts dazu beitragen, eine Fankultur im E-Sport zu fördern und aufzubauen?

Es gibt zu wenig Bier bei eSport Events. (lacht) Nein, Spaß beiseite, es gibt noch keine richtige Fankultur. Im Fußball oder anderen Sportarten kommt die Stimmung ja auch erst auf, weil die Leute Fans von einem Team oder einem bestimmten Spieler sind. Bei BarCrafts war die Stimmung auch immer besonders gut, wenn ein beliebter Spieler weit im Turnier kam. Bestes Beispiel waren die WCS Europe Finals, hier fieberten viele mit Stephano oder seinem Gegner mit – weil man entweder Stephano Fan oder Hater ist. eSport braucht polarisierende Spieler, die Emotionen erzeugen. Die Leute müssen Fans sein, dann klappt es auch mit der Stimmung. Hier spielt aber auch die Produktion der Turniere, die Caster etc. pp. eine große Rolle. Und eine Stimmung, wie sie z.B. beim Publikum der IEM Katowice herrschte, überträgt sich auch durch den Stream auf die Zuschauer bei einem BarCraft. BarCrafts können helfen eine Fankultur aufzubauen, vielleicht in dem Sinne, in dem sie den Leuten zeigt, „hey, es ist normal für seinen Lieblingsspieler zu klatschen und zu jubeln.“
 
Einige E-Sport Fans haben nun sicherlich Lust auf BarCraft-Events bekommen. Gibt es schon neue Termine und Veranstaltungsorte?
Konkrete Termine kann ich hier leider noch nicht verkünden, ich kann aber quasi garantieren, dass es spätestens zu den nächsten großen europäischen Turnieren wie der DreamHack wieder BarCrafts geben wird. Am besten einfach auf www.barcraft-connect.net ein BarCraft in der Nähe finden und dort einfach am Ball bleiben, dann wird man den nächsten Termin schon erfahren! 
Danke für das Interview, Arne.  Die letzten Worte gehören selbstverständlich dir!
Danke an escene.de für die Möglichkeit dieses Interview zu geben. Danke an alle BarCraft Organisatoren und natürlich vor allem danke an alle Besucher. Falls ihr Lust bekommen habt ein BarCraft zu besuchen oder vielleicht sogar selbst ein BarCraft zu veranstalten, meldet euch auf www.barcraft-connect.net!

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