Eigentlich ist es der Albtraum eines jeden Zockers, jemandem beim Spielen zuzuschauen, ohne selbst den Controller zur Hand nehmen zu können. Wir erinnern uns alle an die nervenaufreibenden Partien von Einzelspielergames mit Freunden, bei denen man eigentlich nur darauf wartete, endlich selbst am Drücker zu sein. Und doch boomt der Zweig des kommentierten Gameplays momentan wie nie zuvor. Gerade auf YouTube gibt es Unmengen an Videos mit Gameplay-Aufnahmen, die in der Regel noch während der Aufnahme kommentiert werden. Mittlerweile gibt es nicht wenige Kanäle, die allein auf diesem Format basieren. Was also macht die Faszination Let’s Play aus und warum schauen sogar viele bekennende Nicht-Zocker besagte Videos?
Der Unterhaltungsfaktor
Mit Sicherheit einer der wichtigsten Faktoren ist der Humor der Kommentatoren. Würden die Let’s Player nicht alle einen gewissen Grad an Witz und Spaß an der Sache mitbringen, gäbe es bestimmt nicht so viele Zuschauer. Gerade das dürfte auch jemanden, der eigentlich gar keine Computerspiele spielt, vor den Bildschirm locken, um sich ein solches Spielevideo anzuschauen. Die meisten Zuschauer sind jedoch selbst aktive Zocker, die in der Regel auch das Spiel, das im Video gespielt wird, selbst spielen. Dies ist ein weiterer Punkt, der zum Erfolg der Let’s Plays beiträgt.
Der Informationsfaktor
Spieler, die das gespielte Game noch nicht kennen, oder zumindest noch nicht selbst gespielt haben, informieren sich gerne durch Let’s Plays über das Spiel. Die oben genannten Faktoren sorgen dafür, dass der Zuschauer so deutlich unterhaltsamere Informationen erhält, als bei einem reinen, unkommentierten Gameplay-Video. Es fliesst immer auch die Meinung des Let’s Players in die Kommentare ein, wodurch es auch eine Art Review darstellt. Viele Spieler entscheiden so, ob sich das Spiel lohnt oder eher doch nichts für einen ist. Aber auch Gamer, die den gespielten Titel selbst schon zocken, kommen auf ihre Kosten: Sie lernen neue Spielmöglichkeiten, neue Taktiken oder sogar ganze Spielecommunities kennen.
Der Werbefaktor
Der vermutlich wichtigste Grund, warum die Spielehersteller keine Maßnahmen gegen Copyright-verletzungen starten, ist mit Sicherheit der Werbeeffekt: Let’s Plays erreichen ein breites Publikum. Gerade die Spieler, die vom jeweiligen Spiel vielleicht noch nicht einmal gehört hatten, kommen dadurch mit dem Spiel in Kontakt. Diese Vergrößerung des Publikums kostet die Publisher keinen Cent, im Gegenteil kaufen sich viele Begeisterte die vorgestellten Spiele nach dem Anschauen des Videos und erzeugen so mehr Absatz für die Spieleentwickler. Viele Publisher stellen auf Anfrage spezielle Lizenzen für Let’s Player aus, sodass die Gameplay Videos legal werden.
Die Schattenseiten
Leider hat auch diese Sparte ihre negativen Aspekte. Seit Gronkh herrscht eine wahre Flut an Minecraft-LPs, die einen schnell mal den Überblick verlieren lassen. Auch das Spoilern von Spielinhalten oder Story-Elementen ist eine Gefahr. Man kann sicher sagen, dass man sich kein Gameplay anschauen sollte, wenn man nicht gespoilert werden möchte, jedoch gibt es auch viele Videos, in denen nicht explizit auf Spoiler hingewiesen wird, oder ein Spoiler sogar provoziert wird und so wichtige Wendungen der Handlung verraten werden. Zusätzlich kann natürlich jeder mit einem Aufnahmeprogramm, dem jeweiligen Spiel und einem Mikrofon ein Let’s Play erstellen und hochladen. Dadurch kommt es zu vielen unprofessionellen Wertungen des Spiels, falschen Informationen oder übertriebenem Hype.
Fun Fact: Der Begriff „Let’s Play“ wurde von der Webseite „Something Awful“ geprägt, auf der der Name erstmals für einen Thread benutzt wurde, in dem Screenshots verschiedener Spielszenen hochgeladen wurden. Ein User machte sich sogar die Mühe, ein komplettes Spiel von Anfang bis Ende in Screenshots hochzuladen. Daraus wurden dann irgendwann Videos, primär der Einfachheit wegen, und so entwickelte sich die Sparte der Let’s Play Videos.





























































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