Der Militär-Shooter Spec Ops: The Line war und ist ein Mysterium für sich. Ein Spiel, das sich viele wünschten, aber nur wenige kauften. Laut Timo Ullmann, Mitgründer von Entwickler Yager, sei das Anti-Kriegsspiel eine schlicht zu schwere Kost für den Massenmarkt. Dies sei aber nur einer der Gründe, warum es wahrscheinlich keine Fortsetzung geben wird.
In einer Welt voll von Call of Dutys und anderen, ähnlich intellektuell fordernden Shootern, haben es Exoten nicht ganz einfach. Zugegebenermaßen ist Spec Ops: The Line in gameplay-technischer Hinsicht sicherlich kein Exot, liefert dafür aber eine Story ab, die sich gewaschen hat und löst beim Spieler Emotionen aus, die in anderen Spielen nahezu gar nicht vorkommen: Schuldgefühle und Reue.
Die Spieleschmiede Yager hat sich 2012 mit dem erzählerisch mutigem Militär-Shooter selbst ein Denkmal gesetzt. Gleichermaßen wurde es von der Fachpresse bejubelt, aber von der Käuferschaft gemieden. Timo Ullman von Yager ließ nun mitteilen dass es keine Fortsetzung in vergleichbarer Größenordnung geben wird. Im Rückblick sei die Entwicklung „zermürbend“ gewesen, sagte Ullman. Das tiefgründige Antikriegsdrama war von Anfang an seiner Entwicklungszeit mit hohen Risiken verbunden. „Nach Feierabend wollen sich nicht unbedingt viele Gamer genau mit jener Sorte von Spiel beschäftigen. Man muss nun mal in der richten Stimmung sein für so einen Titel“, so Ullman weiter.

Spec Ops: The Line drückt mit solchen Bildern seine Botschaft aus
Allem Mut und erzählerischem Niveau zum Trotz wurde das Spiel ein finanzieller Flop. Sehr zum Leidwesen der Spielekultur. So wird doch oft nach Spielen mit Botschaft und intellektuellem Ansatz geschrien. Nach Spielen, die anders sind als alle ihre, auf den ersten Blick, ähnlichen Konkurrenten. Spieler fordern so etwas, sind dann jedoch nicht bereit, das Produkt tatsächlich zu kaufen.
Auch wird das „anders sein“ erst später deutlich. Bei einer Szene in Spec Ops steht der Spieler vor einer aufgebrachten Menschenmenge – unter ihnen der Mörder eines Kameraden. Hier lässt uns das Spiel die Wahl. Aber ohne es dem Spieler mitzuteilen. Schieße ich in die Luft, löst sich die Ansammlung auf. Viele der Spieler hingegen schießen wahllos in die Menge. Und genau hier gelingt Spec Ops das Kunststück dem Spieler vor Augen zu führen in welchen festgefahrenen Bahnen er sich bewegt. Erst als es zu spät ist, erfahren die Spieler die daraus resultierenden Konsequenzen. Und damit auch die Idee, Konflikte in einem Militärshooter gewaltfrei lösen zu können.

Für die Entwickler jedoch war dieser Ansatz nicht rentabel genug und das eingegangene Risiko wurde durch zu niedrige Verkaufszahlen bestraft. Zugegebenermaßen war Spec Ops: The Line spielerisch keine Glanzleistung. Zu viel Monotonie und insgesamt gehobener Durchschnit, deklassierte erzählerisch jedoch sämtliche nationale und internationale Konkurrenz.
Spec Ops ist eines von wenigen Spielen, die es geschafft haben, dass sich seine Spieler schuldig fühlen. Ausgerechnet ein Militärshooter mit großem Budget. In einem Genre, dominiert von der Actionfilm-Ästhetik eines Call of Duty, der Gewalt und Tod nur als Spektakel dienen, war Spec Ops: The Line der erste, groß angelegte Versuch zu beweisen, dass auch Spiele mehr sein können, als gedankenloses Vergnügen.





























































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