Vor nun fast 15 Jahren wurde das vom mittlerweile geschlossenen Entwicklerstudio Assemble Studios entworfene Echtzeit-Strategiespiel Age of Empires II: The Age of Kings veröffentlicht. Es bildet die Fortsetzung zum ersten Teil der Age of Empires-Serie und bietet im Vergleich mit diesem eine verbesserte Grafik und mehr Spielinhalte wie Völker und Kampagnen. Außerdem ist es zeitlich später angesiedelt, nämlich zwischen dem Ende Roms und dem späten Mittelalter. Das Spiel zeichnet sich durch sein geniales Spielprinzip und seine hervorragend animierten Figuren aus, es erreichte in der Kritik Höchstwertungen, so vergab beispielsweise die Gamestar 93 von 100 Punkten. Im März 2013 wurde Age of Empires II mit bis auf den fehlenden LAN-Modus exakt gleichen Spielinhalten in einer höheren Auflösung als „HD Edition“ exklusiv auf Steam erneut veröffentlicht. Für das Spiel ist eine Erweiterung namens Age of Empires II: The Conquerors verfügbar (auch für die HD Edition), die neue Völker und Kampagnen bereithält.
Das Gameplay in Age of Empires II dreht sich um Wirtschaft und Militär. Es gibt vier verschiedene Rohstoffe: Holz, Nahrung, Gold und Stein. Dorfbewohner können diese Ressourcen an bestimmten Stellen abbauen: So sind über die gesamte Karte Stein- und Goldvorkommen verteilt, die jedoch früher oder später erschöpft sind, also muss man irgendwann neue Gebiete der Karte erschließen. Holz erhält man durch das Fällen von Bäumen, Nahrung durch das Töten von Tieren, Sammeln von Beeren oder Landwirtschaft. Dorfbewohner bauen jedoch nicht nur Rohstoffe ab, sie können auch Gebäude errichten. Es gibt zwei Gebäudelisten: Eine mit militärischen Gebäuden wie bspw. einer Kaserne, Burg oder Belagerungswerkstatt und eine mit ökonomischen/kulturellen Bauten wie bspw. einem Holzfällerlager, einer Universitä oder einer Kirche.
Erschwerend wirkt, dass es vier verschiedene Zeitalter gibt: das Dunkle Zeitalter, die Feudalzeit, die Ritterzeit und das Imperiale Zeitalter. Man kann zwischen den Zeitaltern fortschreiten, indem man dies im Dorfzentrum „erforscht“, was extraordinär viel Nahrung und Gold erfordert. Erreicht man ein neues Zeitalter, erhält man Zugang zu neuen Technologien, Gebäuden und Einheiten. Können die Dorfbewohner im Dunklen Zeitalter noch ausschließlich Bauten zum Ressourcenabbau errichten sowie eine Kaserne und Holzwälle bauen, so kann man im Feudalzeitalter zusätzlich unter anderem auf einen Markt, einen Schießstand und einen Stall sowie Steinmauern zurückgreifen. Außerdem kann man neue Einheiten trainieren und Verbesserungen erforschen. Dazu kommt nun noch, dass es dreizehn verschiedene Völker gibt. All diese Völker haben andere spezielle Einheiten, so können z.B. die Briten Langbogenschützen ausbilden, die Franken hingegen Axtwerfer, außerdem ist der Spieler je nach gewähltem Volk in seiner Auswahl von Technologien, Gebäuden und Einheiten beschränkt. Während die Byzantiner beispielsweise ihre berittenen Erkundungstruppen bis zur schwer bewaffneten Kavallerie ausbilden können, können die Teutonen das nicht und müssen auch im imperialen Zeitalter noch mit den praktisch wehrlosen Spähern agieren. Die Völker verleihen außerdem verschiedene spezielle Boni: So müssen die Franken unter anderem keine Technologien für ihre landwirtschaftlichen Felder kaufen, sondern diese werden automatisch verbessert.
Der letztendlich spielentscheidende Aspekt ist das Militär. Es gibt fünf große Gruppen von Einheiten: Nahkämpfer, Fernkämpfer, Kavallerie, Belagerungswaffen und Schiffe. Hierbei gilt das Stein-Schere-Papier-Prinzip: Die eine Militäreinheit kontert eine zweite, welche wiederum durch eine dritte gekontert wird. Ritter sind gepanzerte Reiter, die stark gegen Bogenschützen und Schwertkämpfer sind, jedoch gegen Pikeniere oder Kamelreiter sehr schnell fallen. Es kommt also immer darauf an, nicht nur einen Einheitentyp zu entwickeln, sondern ein ausgeglichenes Militär zu haben. Wer mit 100 Rittern, aber ohne Belagerungswaffen oder andere Einheiten versucht, eine gegnerische Festung, gefüllt mit Pikenieren, einzunehmen, wird definitiv scheitern. Diese Balance macht das Spiel sehr interessant. Zudem gibt es verschiedene Militärtaktiken: Man kann früh eine bestimmte Technologie/einen bestimmten Einheitentyp erforschen (z.B. in der Ritterzeit die Ritter), eine bestimmte Menge davon ausbilden und den Gegner „rushen“ und durch wiederholte „Raids“ seine Ressourcenproduktion, also seine Wirtschaft, schädigen. Man kann sich jedoch auch hinter Mauern verschanzen, seine Einheiten mit allen verfügbaren Technologien und Upgrades versorgen und erst nach 40 Minuten den ersten Ausfall wagen.
Age of Empires II besticht nach 15 Jahren noch durch ein exzellentes, zeitloses Gameplay, das prinzipiell simpel ist, aber ständige Abstraktion erfordert. Kein Spiel ist einem anderen gleich, in jedem Spiel muss man aufs Neue überlegen, welche Technologien man erforschen und welche Einheiten man produzieren muss, um den konkreten Gegner und seine Taktik zu schlagen. Der Multiplayer funktioniert tadellos bis auf ständige Latenzen zwischen den Spielern, die etwas Eingewöhnung erfordern. Mit der HD Edition ist es möglich, bis zu 500 Einheiten auszubilden (vorher 75), das verspricht riesige Ökonomien und massive Belagerungsschlachten. Bis zu 8 Spieler können sich auf einer dementsprechend in ihrer Größe verstellbaren Map bekriegen. Die Maps enstehen zufällig, sind aber meist gut balanciert, die Rohstoffvorkommen sind fair verteilt. Es gibt verschiedene Spielmodi wie bspw. Conquest, der das Auslöschen des Gegners zur Siegbedingung macht oder King of the Hill, in dem ein Team einen Ort in der Mitte der Karte einnehmen und eine bestimmte Zeit nicht verlieren darf, um zu gewinnen. Zusätzlich zum Multiplayer schlüpft man in verschiedenen Kampagnen in die Haut von diversen historischen Personen, erlebt historische Ereignisse und spielt die Geschichte von ganzen Völkern nach. So gibt es unter anderem eine französische Kampagne, in der man die Entwicklung von Johanna von Orleans nachspielt oder eine deutsche Kampagne, in der man Barbarossas Aufstieg und Kreuzzüge erlebt. Die Geschichten sind nett erzählt, besonders viel Platz für Storytelling bietet das Spiel durch seine Perspektive und Technik natürlich nicht. Die Entwickler haben hier aber das Bestmögliche gemacht – so streifen wir als Sarazene in einer Mission über die gesamte Karte, um von Dorf zu Dorf zu gelangen und dabei Soldaten für Dschingis Khans Armee zu rekrutieren, indem wir ihnen Gefallen erledigen.
Die Grafik von AoE II ist schlicht, aber effizient. Da der Fokus sowieso auf dem Gameplay liegt, ist sie auch nicht besonders wichtig. Zu seiner Zeit war das Spiel jedenfalls durch seine heute noch schönen Animationen ein Knüller. Beim Terrain oder generell der Natur im Spiel könnte man sich zwar einige Verbesserungen vorstellen, nötig hat das Spiel es aber nicht zwingend. Mit der HD Edition, die auf Steam erwerbbar ist, kann man auch auf den Steam Workshop zugreifen und so bspw. sehr einfach Texturenpakete von anderen Spielern herunterladen. Ein weiterer, wichtiger Bestandteil des Spiels sind die Sounds und die Musik. Diese sind schlicht klasse. Besonders die Musik geht ins Ohr und wird auch nach vielen, vielen Spielstunden nicht langweilig. Es gibt mehrere verschiedene Musikstücke im Spiel, und alle kann man irgendwann mitsummen. Die Sounds hingegen sind liebevoll gestaltet, Dorfbewohner sprechen je nach Volk in einer anderen Sprache mit uns. Klickt man auf ein Gebäude, wird ein entsprechender Sound abgespielt, die Belagerungswaffen haben den richtigen „Wumms“ und bspw. das Trampeln von Kavallerie klingt sehr gut. Natürlich ist das Spiel nach 15 Jahren nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik, aber es beweist, dass ein gutes Gameplay das ausgleichen mag.
Insgesamt sollte man AoE einmal gespielt haben, wenn man nur ein kleines bisschen für das Echtzeit-Strategie-Genre übrig hat. AoE II ist meiner Ansicht nach der Genre-König und wird gameplay-technisch auch von heutigen Titeln nicht überboten. Hundertprozentige Kaufempfehlung! Dass das HD-Remake nicht wirklich HD ist und viele Funktionen wie einen LAN-Modus oder eine Zoomfunktion vermissen lässt, darüber muss man wohl hinwegsehen. So oder so lohnt sich das Spiel, vor allem der vergleichsweise niedrige Preis rentiert sich schnell, weil das Spiel einerseits langen Solo-Spielspaß in 5 Kampagnen à 6 Szenarien, andererseits noch längeren Multiplayer-Spielspaß bietet. AoE II motiviert immer wieder, es noch einmal zu spielen, es macht riesigen Spaß, mit 3 Dorfbewohnern und einem Gebäude zu beginnen und nach etwa einer Stunde Burgen, Siedlungen und eine Armee von 300 Soldaten zu kontrollieren. Sich dabei mit echten Spielern messen zu können, ist ein weiterer Ansporn.

































































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