Das Internet kann nicht mit Kritik umgehen. Wäre es anders, gäbe es diesen Kommentar wahrscheinlich gar nicht und ich würde mich an dieser Stelle über irgendetwas anderes beschweren. Leider gibt es mehr als genug Gründe, beim Durchlesen von Kommentaren regelmäßig den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Doch woran liegt das eigentlich? Wer darf denn noch kritisieren und wie geht das überhaupt?
Wenn man über Kritik im Internet spricht, sollte man sich zunächst einmal klar machen, wo diese überhaupt geäußert wird. Hauptsächlich geschieht das nämlich in den Kommentaren zu diversen Videos, auf Foren oder in sozialen Netzwerken. Also überall da, wo viele Internetnutzer regelmäßig vorbeischauen und sich auch aktiv am Meinungsaustausch beteiligen. Leider ist die Art und Weise dieses Austausches oft so gehässig und aggressiv, dass es mittlerweile fast zur Gewohnheit geworden ist.
Als großes übergreifendes Beispiel will ich hier YouTube nennen. Wenn es damals noch „Broadcast yourself“ hieß, kann man heute gut und gerne auch von „Go fuck yourself“ sprechen. Natürlich gilt diese Entwicklung nicht für alles und jeden, sondern zeigt sich nur als Tendenz in der Kommentarsektion der wahren Flut von Videos, die jeden Tag auf YouTube hochgeladen werden. Und warum jetzt gerade YouTube als Beispiel? Weil dort unmittelbare Kritik auf Videos in den Kommentaren zu finden ist – häufig direkt nachdem man ein Video gesehen hat, oder in Form von Diskussionen unter den Zuschauern, die meistens gar nichts mehr mit den Inhalten des Videos zu tun haben. Immer seltener finden sich dort wirklich sinnvolle oder kritisch wertvolle Äußerungen wieder.

Aber was ist denn jetzt eigentlich „Kritik“? Im Grunde genommen ist Kritik nichts anderes als die Meinung einer Person in Bezug auf eine Handlung oder Sache. Leider ist das Wort „Kritik“ ein eher negativ belasteter Begriff, obwohl er das überhaupt nicht sein dürfte. Denn eigentlich sollte man doch meinen, dass die Kritik gegenüber einer Leistung, in welcher Form diese auch immer vorliegt, sei es ein malerisches Werk, Musikstück oder Ähnliches, durchaus erwünscht ist und dazu beiträgt, sich in dem jeweiligen Bereich zu verbessern oder zumindest über seine Fehler und positiven Leistungen nachzudenken. Dumm nur, wenn Kritik grundsätzlich als etwas Negatives oder störend empfunden wird. Denn genau dieser völlig falsche Eindruck führt dazu, dass Kritik entweder nicht ernst oder sogar ZU ernst genommen wird.
Und hier kommt wieder YouTube ins Spiel. Eigentlich dachte ich ja, dass das Videoportal über die Jahre, die es mittlerweile schon auf dem Buckel hat, erwachsener geworden ist. Aber wenn ich sehe, wie viele YouTuber und auch Zuschauer mit kritischen Äußerungen umgehen, glaube ich eher an einen gegenteiligen Prozess. Wirklich selten kommt es nämlich vor, dass Kritik wahrgenommen und zu einer Verbesserung genutzt wird. Viel eher scheint man Kritik, gerade wenn sie in großer Zahl vorkommt und die immer gleichen Punkte anspricht, einfach als „Hate“ abzutun oder sich damit gar nicht mehr auseinandersetzen zu wollen. Diese Herangehensweise ist zwar sehr einfach, unproblematisch ist sie jedoch auf keinen Fall.
Denn Kritik hat immer ihre Gründe, auch wenn diese noch so unangenehm sind. Und durch Ignoranz bessert sich das bestimmt nicht. Im Gegenteil: Meistens wird aus der zu Beginn überwiegend neutralen Kritik schnell ein immer schärferer Ton, der sich auch zu wahren Hass-Tiraden auftürmt, bei denen Fakten und Tatsachen leicht über Bord geworfen und vergessen werden. Am Ende steht dann ein wütender Mob vor den Toren von Mediakraft und vertritt Ideale oder fordert Dinge, von der die Hälfte dieser kreischenden Menge nicht einmal wirklich etwas versteht. DAS ist dann Hate, der im Übrigen in den seltensten Fällen dazu beiträgt, dass die Betroffenen plötzlich kooperieren und sich um einen Dialog bemühen.
Ebenso verhält es sich mit dem YouTuber „Liont“, der durch sein veröffentlichtes Musikalbum zuerst harsche Kritik vor allem aus der Rap-Szene einstecken musste, die dann explosionsartig zu einem immer noch anhaltenden Kreuzfeuer aus Hasskommentaren sowohl auf seiner Facebook-Seite als auch auf YouTube wurde. Ein Paradebeispiel dafür, dass beide Seiten hier absolut keine Ahnung davon hatten, wie man mit Kritik umgeht. Das bedeute aber auch, dass man weiß, wie man Kritik überhaupt einsetzt, denn einen pubertierenden Hass-Mob nimmt niemand ernst, erst recht nicht die betroffene Person, in diesem Fall Liont. Der hat einfach auf Durchzug geschaltet, die Bewertungen seiner aktuellsten Videos auf Eis gelegt und seit gut zwei Wochen kein neues Video mehr auf seinem Hauptkanal veröffentlicht. Was soll er denn auch sonst tun? Wer aus der kreischenden und mistgabelschwingenden Menge würde sich denn jetzt auf einen Dialog einlassen wollen? Dafür ist es leider viel zu spät.
Auf der anderen Seite hätte der YouTuber auch versuchen können, sich objektiv mit seinen Kritikern auseinanderzusetzen und den Dialog zu suchen. Nun, den Dialog hat er laut einiger Twitter-Screenshots ganz offensichtlich schon gesucht, leider nur auf eine völlig niveaulose Art und Weise, die seine Gegner in ihrer Wut nur noch bestärkte. Das perfekt Desaster: Keiner hört der anderen Seite mehr zu und man bewirft sich gegenseitig mit Beleidigungen. Wirklich SEHR erwachsen und geradezu eine Doppelmoral, wenn man sich auf der anderen Seite darüber beschwert, wie kindisch die meisten YouTube-Inhalte und Zuschauer doch alle seien.
Ganz egal wie man es auch dreht und wendet: Im Endeffekt wird Kritik am eigenen Werk in vielen Fällen gleich mit der Kritik am eigenen Lebensstil und damit auch mit Kritik an der eigenen Person aufgefasst. Und das schmeckt natürlich niemandem, ganz gleich, was die Intention der Kritik nun letztendlich war. Dabei bleibt zu sagen, dass man sich in der Wortwahl seiner Kritik wirklich sehr sicher sein sollte, da sie ansonsten eben nicht die beabsichtigte Botschaft übermittelt und zu fatalen Missverständnissen führen kann. „Ich finde das was du machst scheiße“ ist keine Kritik, sondern unproduktives und sinnloses Gerede, mit dem der Adressierte nur sehr wenig anfangen kann. Wer sich in seiner Ausdrucksweise nicht zurückhalten kann, der hat auch kein Recht, sich kritisch zu äußern, da er den Sinn dahinter offensichtlich nicht verstanden hat. Letztendlich bleibt zu sagen, dass Personen, die sich öffentlich präsentieren, ob nun im Internet oder außerhalb, immer und grundsätzlich der Kritik anderer Menschen ausgesetzt sind. Wer damit aber nicht umgehen kann, sollte seine Entscheidung noch einmal gründlich überdenken.































































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