Seit jeher gibt sich ein Deutscher nur ungern zufrieden. Sei es im Fußball, wo man seit Jahren in den Top 3 etabliert ist, oder im eSport. Doch steht es um den deutschen eSport wirklich so schlecht, oder wird er oft schlechter geredet, als er eigentlich ist? Selbst in Nord-Amerika wird über die EPS gesprochen und darüber, dass dieses System das ist, was der eSport braucht. Eine nationale Liga, für Spieler aus einem Land. Auch der Nachwuchs scheint das nötige Talent zu haben, um mit den bereits etablierten Spielern mitzuhalten. In dieser Meinung, möchte ich meine persönlichen Eindrücke aus den letzten Jahren wiedergeben und komme zu dem Ergebnis, dass es um den deutschen eSport gar nicht mal so schlecht steht. Sicherlich gibt es derzeit keinen deutschen Spieler oder ein Team, das dauerhaft Favorit für einen Titel in den großen Spielen ist, dafür haben wir ein sehr breites Spielerfeld in verschiedensten Spielen um das uns viele andere Nationen beneiden.
Zuerst möchte ich meinen Blick auf Counter-Strike: Global Offensive werfen. Sieht man sich die Copenhagen Games an, könnte man aus dem Endergebnis schließen, dass es kein deutsches Team gibt, das in die Top-Ränge gehört. Aber schaut man einmal etwas genauer hin, sieht man, dass mousesports am ersten Turniertag eine wirklich sehr gute Leistung erbracht hat und Teams wie ESC Gaming keinerlei Chance gelassen hat. n!faculty und ALTERNATE haben auf dem Event sicherlich keine Topleistung abrufen können, aber in den letzten Monaten war n!faculty eines der Teams, das NiP schlagen konnte und auf die ESEA Finals fährt, weil sie sich über längere Zeit gegen die Top-Teams Europas durchsetzen konnten. Auch ein Team ALTERNATE hat an einem guten Tag die Möglichkeit, jedes Team zu schlagen, wie sie schon des Öfteren unter Beweis stellten. Welches Land kann schon drei Teams stellen, die so stark sind? Da sollte man als eSport Fan eher stolz sein, als zu fragen ‚muss mouz nun wechseln?‘. Auch im Female Bereich sieht es in Deutschland gut aus, was CS:GO angeht. Team ALTERNATE konnte erst am vergangenen Samstag die Copenhagen Games gewinnen und auch n!faculty stellt ein sehr gutes Female Team.

Auch in StarCraft 2 sieht es besser aus, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Mit Dario ‚TLO‘ Wünsch haben wir Deutschen nicht nur einen der bekanntesten StarCraft Spieler unter uns, sondern in den letzten Monaten auch einen Favoriten auf einen Turniersieg bei europäischen Events. Giacomo ‚Socke‘ Thüs und Dennis ‚HasuObs‘ Schneider sind seit dem Beginn von StarCraft 2 stets international vertreten und haben immer wieder unter Beweis gestellt, wie gut sie sind. Socke konnte bei diversen MLGs zeigen, dass er sich auch gegen Koreaner durchsetzen kann. HasuObs muss sich bei internationalen Events ebenfalls nicht verstecken und hat im direkten Vergleich mit Europäern die Chance jeden zu schlagen. Auch Daniel ‚XlorD‘ Spenst konnte in seinen ersten Progamer-Monaten bereits einige beachtliche Ergebnisse erzielen, wie den dritten Platz beim HomeStoryCup VI, bei dem er sich gegen Ilyes ‚Stephano‘ Satouri durchsetzen konnte. Auch dem Nachwuchs scheint es gut zu gehen. Gabriel ‚HeRoMaRinE‘ Segat ist der wohl talentierteste Nachwuchsspieler, den Europa derzeit zu bieten hat. Mit gerade einmal 15 Jahren hat er vor kurzem sein erstes internationales Event besucht und konnte auf den ESET UK Masters den dritten Platz belegen. Im Spiel um Platz drei besiegte er den Dänen Jon ‚BabyKnight‘ Andersen deutlich.

Kommen wir zu den Spielen, mit denen ich mich, zugegebenermaßen, am wenigsten beschäftige. League of Legends und Dota2. Mit mousesports hat man seit einiger Zeit ein internationales Top-Team, welches Turniere gewinnen kann, wenn sie ihre beste Leistung abrufen. Sicherlich war der Abgang von Kuro ‚KuroKy‘ Salehi Takhasomi eine starke Schwächung, aber für uns Deutsche ist das in gewisser Weise auch ein Schritt nach vorn. Immerhin spielt nun der wohl beste deutsche Spieler für eines der besten Teams außerhalb von China, Na`Vi.
In League of Legends hingegen scheint es um die deutschen Teams weniger gut zu stehen. Das wohl beste Team, ALTERNATE, kann zwar immer wieder gute Resultate zeigen, zu den Titelfavoriten gehört das Werksteam meistens jedoch nur national. Aber auch in League of Legends gibt es mit Peter ‚yellowpete‘ Wüppen, Kevin ‚Kev1n‘ Rubiszewski oder Christoph ’nRated‘ Seitz Deutsche Spieler in den besten Teams Europas.
Wäre FIFA noch ein relevanter eSport Titel, würden wir dort wohl die weltweit besten Spieler stellen. Wer erinnert sich nicht noch an die Schellhase-Zwillinge und die endlosen Titel, die sie gewannen? Auch ein Joshua ‚Krone‘ Begehr hat bereits die WCG gewonnen.
Abschließend bleibt der Eindruck, dass der deutsche eSport oft schlechter geredet wird, als er eigentlich ist. Ob es nun an der Mentalität der Deutschen liegt, oder ob es auch in anderen Ländern nicht anders läuft, kann man nur schlecht feststellen. Wir sollten eher stolz sein, in so vielen Spielen gut vertreten zu sein, als die Spieler, die die Fahne für uns hochhalten, zu beschimpfen. In Matchkommentaren etwas zu schreiben wie ‚Immer gegen TLO‘, bringt doch schließlich niemandem etwas. Der eSport in Deutschland ist qualitativ so gut besetzt, wie in kaum einem anderen Land. Auch die so oft kritisierte ESL trägt einen großen Teil dazu bei, denn ohne die EPS, würde es in Deutschland sicher schlechter aussehen.
Fotos: David Zhou, Team Alternate





























































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