Free 2 Play klingt an sich nach einem tollen Konzept. Kostenloses Spiel, nur wenn es mir gefällt kann ich etwas zahlen um schneller weiter zu kommen. Was aber, wenn man dieses Konzept bis auf die Spitze treibt? Wohin führt das und warum ist das ein Problem für die gesamte Gamer-Community? Dies ist der zweite Teil der Free 2 Play Kolumne, den ersten findet ihr hier.
Schon im ersten Teil habe ich ja die vier verschiedenen Formen angesprochen. Die zwei, die jetzt noch übrig bleiben, sind Free to Start und Fee to Pay.
Folgende Situation hat bestimmt jeder von uns schon mal kennen gelernt: Wir haben ein X-beliebiges Handy-Game. Wir durften es ohne Kosten aus dem Shop herunterladen, haben in der U-Bahn und auf dem Klo schon so einige Zeit damit verbracht. Jede Aktion, die wir aufwenden, kostet Energie, die sich langsam wieder auflädt, oder braucht seine Zeit, bis sie beendet ist. Aber das ist nicht schlimm. Die paar Minuten kann man ja schließlich warten. Doch irgendwann merkt man, dass aus den paar Minuten eine, drei, acht Stunden geworden sind. Und man hat keine Lust alle paar Klicks bis zum nächsten Tag zu warten, bevor man etwas machen kann. Und dann lächeln einen plötzlich diese Diamanten, Sterne oder „Name des Publisher“ Dollars an. Mit nur ein paar wenigen kann man das alles beschleunigen und sofort weiter spielen. Und, was soll‘s, sie kosten ja eh nur ein paar Cent.
Für andere Menschen ist das der Moment, in dem das Spiel für sie gestorben ist. Sie sehen nicht ein, Geld zu investieren und das ist schließlich auch ihr gutes Recht. Free to Start bezieht sich also auf Spiele, bei denen man im Spielverlauf auf eine Paywall trifft, also einen Punkt, den man nicht, beziehungsweise nur schwer überwinden kann, wenn man kein Geld investieren möchte.
Der Begriff selbst wurde von Nintendo geprägt. Die Firma sagte, dass ihre Handyspiele nicht Free to Play, sondern Free to Start sein sollen. Und in deren Fall zeugt das tatsächlich von viel Transparenz und Ehrlichkeit gegenüber dem Nutzer. Es wird klar kommuniziert worauf sich dieser einlässt, wenn er das Spiel startet und man versucht ihn nicht erst in eine „Abhängigkeit“ zu locken, indem man mit vielen verlorenen Stunden droht.
Andere Spiele dagegen nutzen dieses Prinzip auf einer Ebene aus, die jenseits von Gut und Böse ist. So zum Beispiel Dungen Keeper von EA. Dieses Spiel schaffte es die Paywall direkt hinter das eigentliche Tutorial zu setzen. Wartezeiten von mehreren Tagen, bei den einfachsten Aktionen. Und die Preise für die Microtransactions lagen in absurder Höhe. Tatsächlich hat dieses Spiel so absurd gewirkt, dass es mehrfach durch die Medien gegangen ist.

Nimmt man dazu im Vergleich die Spiele Pokémon Shuffle oder Pokémon Rumble auf dem 3DS, merkt man wie groß die Diskrepanz dieser Konzepte sein kann. Beides sind spaßige Spiele mit einigen Faktoren, die einen an der Stange halten. Natürlich muss man immer wieder mal warten um weiter zu kommen, insgesamt erreicht man die ersten Level aber doch recht zügig.
Dann beginnt es sich langsam zu ziehen, aber das Gefühl, dass es absolut unmöglich wird zu spielen, hat man letztlich nie. Hier wird einem für die investierte Zeit und je nach dem, auch für das investierte Geld tatsächlich ein Spiel geboten. Daher sollte man Free to Start wohl nicht von vorn herein verdammen. Immerhin hat es auch seine positiv Vertreter.
Ganz anders sieht das dann bei Fee to Pay aus. Wie kann man das einfach beschreiben? Vielleicht ja so:
It’s a fee you pay to pay while you play a Game that should be free in Game, cause you had a fee to pay to play.
Falsche Sprache? Okay. Es geht um Vollpreis-Titel, welche Microtransactions eingebaut haben. Der Name bezieht sich also auf eine Gebühr, den Vollpreis, den man zahlt, um dann die Erlaubnis zu haben innerhalb des Spieles nochmal zahlen zu dürfen, um Dinge freizuschalten. Klingt schon jetzt ziemlich absurd, oder?
Das erste Spiel, bei dem es mir aufgefallen ist, war Dead Space 3. Ich hatte mich damals sehr darauf gefreut, habe mit einem Kumpel sogar vorher noch die ersten beiden Teile durchgespielt. Als dann die Demo herauskam, waren wir uns schnell einig, dass es wohl eines der schlechtesten Fortsetzungen ist, die wir je in die Hände bekommen haben. Als wir dann später erfuhren, dass man sich durch Microtransactions Vorteile im Spiel erkaufen kann, sind wir komplett vom Glauben abgefallen.
Das ist eine Obskurität, die man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen muss. Da verkauft – wieder einmal – EA ein Spiel für 60 Euro und stellt dir darin dann ein Waffen-Crafting-System zur Verfügung. Dieses ist allerdings ausschließlich darauf ausgelegt, dir noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.
Es gibt verschiedene Materialien, die man sammeln kann, um seine Waffen aufzubessern oder neue zu bauen. Diese Materialien kann man auf drei Wegen bekommen. Entweder man sammelt sie selbst, schickt „Scavanger Bots“, also kleine elektronische Helfer, die die Gegend nach Materialien durchsuchen, aus oder aber man kauft sie für Echtgeld im Shop. Das erste Prinzip ist ja ziemlicher Standard und sollte eigentlich dazu ausreichen bei gutem Suchen alles bauen zu können, was man bauen möchte. Ihr wisst schon, so wie in jedem anderen Spiel auch. Die Scavanger Bots wirken nach einer netten Idee, man sucht sich eine gute Stelle heraus, an der man sie absetzen kann, die wuseln dann zehn Minuten durch die Gegend und kommen mit neuen Resourcen zurück. Natürlich kann man auch diese aufbessern. Für Echtgeld. Brauchst du neue Materialien? Kauf sie dir. Für Echtgeld. Du hast keine Munition mehr? Hier gibts neue. Für Echtgeld. Das gesamte Spiel ist einzig und alleine darauf ausgelegt, dem Spieler, der bereits 60 Euro bezahlt hat, mehr Geld aus der Tasche zu leiern für Dinge, die man im besten Fall als Cheat Code bezeichnen kann, im schlechtesten als integraler Gameplay-Bestand. Und jetzt gibt es Menschen, die das Ganze tatsächlich verteidigen. Die sagen, dass halt nicht jeder die Zeit hat auf regulärem Weg alles freizuschalten.
Leute, seid ihr bescheuert? Das ist nicht „nett“ euch anzubieten, dass ihr Geld zahlen könnt, um das Spiel nicht spielen zu müssen. Dafür gibt es eben solche oben erwähnten Cheat Codes. Dann designt das Spiel so, dass man nicht so verdammt viel Zeit investieren muss, um an seine Waffen zu kommen. Und ich verspreche euch, wenn wir da nichts dagegen tun, wenn wir diese Firmen, Spiele und Mechaniken nicht boykottieren, dann wird es da nicht aufhören. Das ist erst der Anfang.
Ich habe euch oben doch von der Paywall erzählt. Die ist der nächste Schritt. Dann spielt ihr euer Dead Space 5 und stellt plötzlich fest, dass ihr für den nächsten Endgegner eine neue Waffe braucht. Die könnt ihr freischalten, wenn ihr zwei Stunden lang durch dieselben Korridore lauft, um ein bisschen Geld zu farmen… oooooooder für nur 2,50€ könnt ihr sofort durch die Tür, um euch ihm zu stellen. Aber ist doch „nett“ von ihnen, dass sie die Möglichkeit geben, nicht so sinnlos grinden zu müssen.
Microtransactions sind keine Gefallen. Sie waren es nicht und sie werden es nie sein.
Und jetzt arbeitet EA schon an Konzepten für Free to Start Games für die Konsolen. Und ich kann euch versprechen, wenn EA das sagt, dann wird da nichts Gutes bei erscheinen. Irgendwann werden die Spiele dann halt doch einen Euro kosten, oder 5 oder 20. Aber dann habt ihr euch daran gewöhnt. Dann ist das normal. Mit DLC haben sie doch das gleiche gemacht. Angefangen hat es mit der guten Idee, geendet hat es bei der konsumentenverachtenden Abzocke. Und jetzt beginnt es bereits mit der konsumentenverachtenden Abzocke, da wird das mit Sicherheit nicht mit einer guten Idee enden..
Deswegen sage ich es euch nochmal. Wehrt euch, wählt mit eurem Geldbeutel und schenkt ihnen kein Geld! Ihr habt die Zukunft der Spieleindustrie in der Hand. Verkackt es nicht.
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