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Murderdoll im Interview: Was Marketing angeht, waren die Mädels das Beste, was wir je gemacht haben

Die Nachricht zur Fusion zwischen den SNOGARD Dragons und Red Dead eSports kam unerwartet und für viele überraschend, hatte man doch von den Drachen bereits seit Monaten nicht mehr viel gehört. Doch Nils ‚Murderdoll‘ Brauer, Gründer der SNOGARD Dragons, ging schon immer seine eigenen Wege. Bestes Beispiel: Die in vielerlei Hinsicht „spektakuläre“ Verpflichtung des ersten Female-Teams für die deutsche ESL Pro Series. Man ging in Season 15 hoffnungslos unter, keine Frage, doch Nils Brauer steht hinter seiner Entscheidung und erklärt im ausführlichen Interview gegenüber escene.de, wieso die fünf Mädels für die Drachen ein Segen waren und was derzeit falsch läuft, im deutschen E-Sport.

Interview mit Nils ‚Murderdoll‘ Brauer, Gründer der SNOGARD Dragons

escene.de: Hallo Nils, am vergangenen Samstag wurde bekannt, dass ihr mit Red Dead eSports fusioniert. Wie kam der Kontakt mit Red Dead zustande?

Nils ‚Murderdoll‘ Brauer: Der Kontakt kam von Seiten Red Deads zu Stande. Sie hatten gute Teams aber nicht unbedingt die finanziellen Mittel um diese zu halten. Und da es um uns einfach auch ruhig war, haben sie einfach angefragt, ob wir nicht Lust hätten gemeinsam einen RE-Start zu wagen. Es ist ja nicht so, dass man sich nicht untereinander kennt. Bei uns passte es gerade ganz gut und die Gespräche liefen super, also haben wir gemeinsam besprochen, dass wir diesen Schritt wagen!

Woran lag es, dass es so still um die Dragons wurde?

Eigentlich war es nie wirklich still um uns. Das ganze hat vor allem auch mit den Dingen zu tun, die ich in meinem Statement schon geschrieben habe. Die deutsche EPS Szene ist einfach nicht mehr das, was sie mal war. Die Leute haben Vorstellungen jenseits von Gut und Böse und reicht man Ihnen einen kleinen Finger, wollen sie nicht gleich die ganze Hand, sondern eher zwei ganze Arme. Klar haben wir mit CM Storm, AMD und SNOGARD Partner hinter uns, die mit Sicherheit nicht schlecht dastehen und auch bestimmt den ein oder anderen Euro zahlen könnten, aber es geht nur noch um Geld. Keiner hat mehr Lust mit Spaß an die Sache ranzugehen, jeder sieht nur noch Profit, Profit, Profit und das wird die ganze Sache auf Dauer komplett kaputt machen.

Natürlich soll niemand umsonst spielen und wir sind auch gern bereit, gute Leistung zu honorieren, aber wenn es gleich von Anfang an nur um das Geld geht, machen wir einfach dicht. Das brauchen wir nicht und wir haben zum Glück die Rückendeckung unserer Partner und allen voran SNOGARD. Es gibt sicherlich Ausnahmen und ich denke, das hat man in letzter Zeit auch gesehen bei den Teams die wir hatten, weil dort meistens die gleichen Leute verkehrten, weil wir uns auf diese einfach verlassen konnten. Aber zurück zum Thema. Wir haben einfach abgewartet und analysiert was wir tun und werden nun die nächsten Schritte tätigen. Abschreiben sollte man uns nicht, soviel steht mal fest, sonst hätten Christoph und ich diesen Re-Start nicht gemacht! Dafür haben wir durch unser RL bedingt einfach zu viel zu tun, aber wir haben Spaß an der Sache und bei Red Dead sind auch noch Jungs dabei, die Spaß daran haben, die sogar bereit sind Eigenanteile zu bringen um Ziele zu erreichen. Solche Leute braucht der E-Sport wieder, vor allem in Deutschland!

Christoph ‚Rage‘ Crom (Projektleitung der SNOGRAD Dragons, Anm. d. Red.) sagte im Statement, dass euch die Ansichten der drei Red Dead-Verantwortlichen direkt überzeugten. Kannst du uns etwas mehr über die gemeinsamen Ziele und Ansichten verraten, die letztendlich zur Fusion geführt haben?

Zunächst mal wollten wir als SNOGARD Dragons bei unserem Comeback auf jeden Fall mit LoL zurückkommen, von daher passte es ganz gut, dass Red Dead ein solches Team hatte und wohl in diesem Bereich auch in die EPS aufsteigen wird. Zudem haben wir quasi alle die gleiche Meinung zu dem, was ich oben schon geschrieben habe. Nur fordern, fordern, fordern bringt nichts und stößt zumindest bei uns auf Gegenwehr! Und zu guter Letzt haben wir jede Menge gute Ideen, die wir gemeinsam verwirklichen wollen. Evtl. sogar mit einem Youngster Team. 🙂

Für viele Fans sicherlich überraschend, war Entscheidung, das CS:GO-Team nicht zu übernehmen, trotz der guten Leistungen in der EPS. Konntet ihr euch speziell mit dem ehemaligen Red Dead-Team finanziell nicht einig werden oder sind deutsche Teams generell unrentabel?

Das meiste dazu habe ich oben schon gesagt. Ich will das auch nicht weiter ausführen. Die meisten werden wissen, was ich meine und ich hoffe, dass mir so manch ein anderer Projektleiter, Clanleader, Team-Manager oder wie man sich auch immer nennen mag, in dieser Sache zustimmt. Christoph und ich machen jetzt seit über vier Jahren die Dragons und haben davor auch schon mehrere Jahre EPS Teams betreut und immer wieder diese Gespräche geführt. Zusammenfassend sage ich einfach nur eines: Wenn das so weitergeht, geht es nicht mehr lange!

Im Statement hast du ebenfalls ganz klare Kritik an der Electronic Sports League geäußert. Was macht die Liga aus deiner Sicht so uninteressant und was müsste sich ändern, damit die „Gaming Bundesliga“ wieder wichtig für deutsche Organisationen wird?

Ich glaube das ganze klingt doch etwas härter als ich es gemeint habe. Fakt ist: Die Preisgelder werden bezahlt, aber mit laaaaaaaaaaaaaaaanger Verspätung und das nervt. Ich meine, wir haben nie etwas von diesen Geldern gesehen und es ist uns auch egal, weil die Spieler das Spiel spielen und somit dafür belohnt werden sollen, aber dass es teilweise 2-3 Seasons zurückliegt, geht gar nicht. Die ESL tritt überall so professionell auf, aber ist in diesen Dingen fast noch schlimmer als so mancher Clan. Zudem finde ich in manchen Situationen die Regeln, wie z.B. die 60% Regel, total bescheuert. Klar ist diese Regel pro Teams, damit die Clans mit den Accounts nicht machen können, was sie wollen, aber es gibt auch Beispiele, wo die Regel einfach total unangebracht ist. Ich für meinen Teil habe mich mit crtmn diesbezüglich schon oft genug „gestritten“ und heiß diskutiert, aber lassen wir das. Die Liga ist gut und es gibt nun mal keine andere, die ihr in irgendeiner Weise das Wasser reichen kann in Deutschland.

Zur ASGL kann man einfach noch nichts sagen, dafür ist es noch zu früh, aber von der ESL würde ich mir wünschen, dass sie viel öfter mal auf die Teams und Clans zugehen und nicht immer sagen „DAS IST SO und SO WIRD ES GEMACHT“… „FLEXIBILITÄT“, heißt das Zauberwort. Braucht jeder Mensch, ist wichtig in jedem Job heutzutage und wenn man professionell, als Liga, bis ins Detail sein will, dann gehört das auch in den E-Sport!

Tragen Clans und Berichterstatter eine Mitschuld an den Problemen der ESL Pro Series oder siehst du hier nur die ESL in der Pflicht?

Die Schuld ist sicherlich auf beiden Seiten zu finden. Ich räume der ESL allerdings den größeren Teil ein. Das alte Modell von damals, 16 Teams, iFNGs fast jeden Freitag; das waren geile Zeiten. Da hatte ich selber richtig Bock auf jede Saison als Manager. Man konnte sich immer austauschen etc. Leute kennenlernen, wichtige und unwichtige Gespräche führen und vor allem geilen E-Sport genießen. Diese ganze Caster, Streaming, ESL TV Kacke nervt ohne Ende. Weil es einfach zuviel davon gibt! Dann flamen wieder die Einen, wie scheiße der Mod ist und wie scheiße der Stream und was weiß ich nicht alles. Flamen kann jeder, vernünftige Ideen haben nur die Wenigsten. Und JA, auch ich flame!!! Für die EPS reicht ESL-TV mit zwei guten Mods für jedes Game und fertig. Und am Wochenende müssen die iFNGs wieder her! Back 2 the Roots ESL!!!! Früher war es geil und spannend. Heute gibt es zu viel von allem. Vor allem Berichterstattern… 🙂 Ich weiß gar nicht auf welchen Seiten ich mich noch alles anmelden soll. 😉

In eurer Bekanntmachung zur Fusion mit Red Dead, war auch von „gewagten Aktionen“ in der Vergangenheit zu lesen. Gerade die CS-Fans werden damit wahrscheinlich die Verpflichtung des Female-Teams für die 15. EPS Saison in Verbindung bringen. Zumindest innerhalb der Community sorgte das auch lange nach der Saison noch für Kopfschütteln. War das aus deiner Sicht im Nachhinein ein Fehler oder würdest du die Entscheidung nochmal genauso treffen?

Vorab: JA, das würden WIR wieder genau so machen. Genau das hat mit dem zu tun, was ich oben schon geschrieben habe. Wir hatten damals auch wieder so ein Problem.  Unser damaliges Team kam mit Forderungen um die Ecke, die wir einfach nicht erfüllen konnten und wollten. Was macht man dann als erstes? genau, man guckt nach etwas kleineren Teams und/oder 1st Div Teams. Von diesen kamen aber quasi genau die gleichen Forderungen, was uns sehr nachdenklich gemacht hat. Und damals hatten wir schon beschlossen (übrigens mit den Verantwortlichen unserer Partner), dass uns die EPS eigentlich egal ist. Wir machen ab jetzt Dinge, die noch keiner gemacht hat, egal ob erfolgreich oder nicht. Und was Marketing etc. angeht, waren die Mädels das Beste, was wir je gemacht haben. Interviews in Gamingzeitschriften, Radiointerviews etc. In den paar Monaten wo wir alles verloren haben, was es zu verlieren gibt, haben wir mehr erreicht, als mit jedem Jungenteam zuvor. Denn überlegt doch mal, was ist E-Sport für Sponsoren und Partner? Richtig! Werbung und genau die hatten wir damit! Alles andere wäre Bonus gewesen.

Das heißt nicht, dass wir gerne verlieren, nein, aber es heißt, dass wir andere Dinge in den Vordergrund stellen. Erfolg kommt mit der Zeit, wenn man dem Ganzen auch Zeit, sprich Geduld, gibt. Sei es als Team oder als einzelner Spieler. Wie heißt es so schön: Geben ist seliger denn nehmen? Würden das 80% im E-Sport so sehen, wären wir in Deutschland noch weiter vorne! Wir haben mit den Mädels, welche damals als Female Team für uns gespielt haben, im TS gesessen und ehrlich darüber geredet. Wir haben darüber geredet, wie peinlich es sein kann und wie die Community reagieren wird und den Mädels war es einfach auch egal. Wir alle, also auch die Mädels, waren 100% davon überzeugt, dass wir hier etwas tun, was die Massen bewegen wird. Und vor allem weil die Mädels uns sehr dankbar dafür waren und weil sie Bock drauf hatten und jede Menge Spaß an der Sache. 0-0-15 ??? Scheiß egal, das war von Anfang an das Motto. An dieser Stelle nochmal 1000 Dank an alle, die dabei waren und an all das, was wir erlebt haben.

Werfen wir wieder einen Blick in die Zukunft. Wie sehen eure Ziele für die kommenden Monate aus?

Das wird noch nicht verraten. Wir arbeiten jetzt hinter den Kulissen natürlich an einigen Dingen, wie z.B. Vorbereitung für die LoL EPS, welche wir auch hoffentlich mit dem Team erreichen werden, evtl. eine neue Homepage und vor allem müssen wir, wie soll es auch anders sein, im Bereich CS:GO Fuß fassen. Ob es national oder international sein wird, wird man sehen :-). Was Offline Events angeht, werden wir mit unserem Partner CM Storm auf der ein oder anderen Messe vertreten sein und evtl. mal wieder eine schöne Aktion auf der ein oder anderen LAN machen 🙂 Seid einfach gespannt!

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Nils. Möchtest du noch etwas loswerden?

Zunächst mal DANKE an all unsere Sponsoren und Partner. Die letzten Wochen und Monate waren zwar ruhig, aber wir haben viel geplant und werden das zusammen umsetzen. Zudem Danke an die Jungs von Red Dead für die neuen Möglichkeiten! Ich freue mich auf das Jahr 2013, denn es wird definitiv ein Jahr der Drachen werden. Wir haben einiges in Planung und sind voller Elan nochmal richtig anzugreifen! AUF GEHTS DRACHEN FLIEGEN UND SIEGEN!

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