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rEcki: „Ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Community“

imageWenn eine Legende wie David ‚CHEF-KOCH‘ Nagel wieder die Maus in die Hand nimmt, dann sorgt das fast schon automatisch für eine Menge Aufmerksam und eine gesteigerte Erwartungshaltung an das neue Team, in dem der Routinier fortan spielen wird. Für Lucas ‚rEcki‘ Reckermann ist das kein Problem. Im Interview mit escene.de spricht der 26-Jährige über sein neues Team bei ESC Gaming, inwiefern die Spieler von einem erfahrenen Mann wie CHEF-KOCH profitieren können und erläutert seine Sicht auf die aktuelle Situation in der deutschen CS:GO-Szene, die den hohen Erwartungen im internationalen Vergleich oftmals hinterherhinkt und durch Cheatvorfälle immer wieder erschüttert wird.


»Keiner mit Ambitionen stellt ein Team auf die Beine, um im unteren Mittelfeld mitzumischen«


escene.de: Hallo Lucas. Worauf habt ihr bei der Zusammenstellung eures Team besonderen Wert gelegt? Auf dem ersten Blick scheint euer Lineup eine Mischung aus alten Hasen und einigen noch unbekannteren Spielern zu sein.

Lucas ‚rEcki‘ Reckermann: Hallo erstmal. Dann mal direkt zur ersten Frage. Besonderen Wert auf etwas gelegt haben wir jetzt nicht wirklich, ich fange mal von vorne an. Ich habe die letzten 6 Monate zusammen mit Nico bei SFTO gespielt, das Team damals war sehr spontan und mehr aus der Not geboren.  Soll heißen, man kannte sich nicht und es wurde nicht ausgiebig getestet, sondern sich schnell entschlossen den Versuch zu wagen. Nach einigen internen Problemen hat sich für mich in der Endphase bei SFTO schnell herauskristallisiert, dass ich mit keinem aus dem Lineup in Zukunft weiter planen werde. Mit der Ausnahme von Nico, welcher sich für mich als einer der talentiertesten deutschen Spielern entpuppte. In der Zeit bei SFTO haben wir trotz der Overall eher schlechten bzw. nicht zufriedenstellenden Leistung einige Slots für diverse Ligen erspielt. Da ich und Nico immer noch die selben Ambitionen verfolgen, haben wir uns ca. 8 Wochen lang den Kopf über ein mögliches Lineup für das nächste Jahr zerbrochen und auch einige Spieler getestet oder testen wollen. Der ein oder andere hat dann leider durch Unpünktlichkeit, andere aus Zeitmangel, den engeren Kreis verlassen.

Als wir dann Mitte Dezember schon fast die Segel streichen wollten und nicht mehr mit einem ordentlichen Lineup gerechnet haben, kam dann „CHEF-KOCH“ auf mich zu, mit dem ich schon seit Jahren ein Team machen wollte, sofern es seine Zeit zulässt. Mit in seinem Gepäck war voOV, welchen ich von meiner Zeit aus dem un-named Mix-Team bereits kannte. Plötzlich waren wir doch zu viert und wir haben wieder Hoffnung geschöpft, schlussendlich doch ein „geiles“ Lineup für 2016 zu stellen.

Zu guter Letzt gab es da noch cover, welchen ich schon vor knapp 2 Jahren auf der Frag-Land LAN „bewundern“ durfte, zu der Zeit war ich selber noch alles andere als drin im neuen Spiel und er hat sozusagen sein Team gecarried, was mich erst einmal stutzig machte. Habe mir da schon gesagt, dass er ein Kandidat wäre, mit dem ich irgendwann vielleicht mal ein Team machen würde. Der Kontakt war aber nie so wirklich da und er war zuletzt inaktiv. Doch dann fiel mir auf, dass er die letzten 6 Wochen sehr viel gespielt hat, ich schrieb ihn an und er erzählte mir von seinen Ambitionen und da war es um mich geschehen. Denn einen Spieler zu finden, der die gleiche Energie und Ambitionen teilt und den Willen mitbringt, viel für das Erreichen gesteckter Ziele zu tun, ist heutzutage schwer. Naja, langer rede kurzer Sinn, da hatten wir dann kurz vor Jahresende schlussendlich doch ein Lineup für das kommende „hammer“ e-Sports-Jahr 2016.


»CHEF-KOCH ist die Motivationskanone schlechthin«

Mit David ‚CHEF-KOCH‘ Nagel habt ihr eine deutsche CS-Legende im Team, die eine Vielzahl an großen Erfolgen zu verzeichnen hat. Wie sehr hilft so ein erfahrener Spieler und was kann man von ihm lernen?
David ist ein Spieler, der im Laufe seiner e-Sport-Karriere so ziemlich alles erreicht hat, was er erreichen wollte. Er könnte eigentlich zufrieden, und wie sein Nachnahme schon sagt, die Maus an den „Nagel“ hängen (Witz komm raus). Hätte er allerdings die letzten 5-7 Jahre mehr Zeit gehabt, hätte es für ihn keinen Grund gegeben inaktiv zu gehen und er wäre weiterhin einer der besten deutschen Spieler geblieben. Jetzt stellt man sich die Frage, ob man so einen Spieler wieder ausgraben muss und ob es etwas bringt. Ich jedenfalls bin vollster Überzeugung, dass er immer noch sehr wertvoll für ein Team sein kann/ist, denn ich weiß, dass er entweder ganz oder gar nicht spielt. Soll bedeuten, wenn er einmal zusagt, dann steckt er auch all seine Energie in ein Projekt.

Ich bin der Meinung, dass wir uns wirklich glücklich schätzen können, dass wir ihn in unseren Reihen haben und das hat er auch bereits in den ersten Tagen bewiesen. Er hat eine einzigartige Herangehensweise, weiß ganz genau wie man sich als Team verbessert, wie man richtig trainiert und worauf das Augenmerk liegen muss. Und das geniale dabei ist einfach seine Persönlichkeit, er hat eine ruhige aber kritische Art. Außerdem war er in all seinen Teams einfach die Motivationskanone schlechthin und das verspreche ich mir natürlich auch bei uns von ihm. Klar ist natürlich auch, dass David allein unser Team nicht auf ein Topniveau bringen kann, vor allem weil er vielleicht spielerisch selbst an sich arbeiten muss. Aber wenn wir alle an einem Strang ziehen und uns wirklich aufs Wesentliche konzentrieren, kann er uns als Team helfen, schnell auf ein höheres Level zu kommen.

Und man sieht ja auch bei anderen Teams in Europa (mouz, mTw z.B.) oder jetzt sogar an fRoD bei compLexity, dass die Nachfrage an alten Hasen nach wie vor besteht. Natürlich sollte man nicht 5 ro$tige Spieler holen. Ich denke, die Mischung aus jungen motivierten und wissbegierigen sowie alten erfahrenen Spielern (Teacher) kann der Schlüssel zum Erfolg sein.

David ‚CHEF-KOCH‘ Nagel (rechts) greift für ESC nach seiner Inaktivität wieder zur Maus

Ihr werdet zukünftig das Trikot von ESC Gaming Tragen, einer Organisation, die in der Vergangenheit große CS-Teams beheimatet hat, zuletzt jedoch den Abgang des polnischen Teams um Jacek ‚MINISE‘ Jeziak vermelden musste. Laut des Teams gab es Probleme bei der Kommunikation mit dem Management. Wie habt ihr eure ersten Tage bei ESC erlebt und warum fiel die Wahl ausgerechnet auf die Pulheimer Organisation?
Mit ESC Gaming verbinde ich viele schönen Momente, tolle Menschen und Teilnahmen an nationalen sowie internationalen Events. Hier war es, wo das Kapitel e-Sports für mich 2008 als junger Spieler das erste Mal seine Früchte getragen hat. Es wurde sich zu meiner Zeit als 1.6 Profispieler um alles gekümmert und wir konnten uns ausschließlich aufs Training und offizielle Spiele konzentrieren. Wir hattten den besten Support den man sich neben ALTERNATE und Mousesports in  Deutschland vorstellen konnte. Da ich gerne an diese Zeit zurück denke, und es meinen Projekten der letzten 2 Jahre an Ernsthaftigkeit und Engagement fehlte, bin ich umso glücklicher über die Chance, erneut ein Team bei ESC stellen zu dürfen. Der Kontakt mit ESC war alles andere als schwierig wieder herzustellen, weswegen ich gerade auch die Stellungnahme vom ehemaligen polnischen ESC-Team rund um minise nicht verstehen bzw nachvollziehen kann.

Ich kann nur sagen, dass ich gerade jetzt in den ersten Tagen der Zusammenarbeit schon Tendenzen zu früher feststellen kann und dementsprechend schon jetzt zufrieden in die Zukunft bei ESC blicke. Ich habe mich ja bereits vor Jahren bei meiner ersten Etappe bei ESC Gaming rundum wohl und umsorgt gefühlt. Für mich ist das Team rund um ESC.LIMIT nach wie vor sehr kompetent und pflichtbewusst im Umgang mit ihren Spielern und Sponsoren im e-Sport. Für unser Team der perfekte Nährboden für einen Weg in die richtige Richtung.


»Das ist einfach ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Community«

Du bist ja bereits seit vielen Jahren in der Szene dabei. Wie siehst du die derzeitige Entwicklung der deutschen CS-Szene? Ist das Niveau schlechter geworden oder im Vergleich zu früher gestiegen?
Zu der Frage möchte ich diesmal Versuchen nicht ganz so weit auszuholen, was mir, wie ihr in den ersten Fragen sehen könnt, immer schwer fällt! Ich kann nur sagen, dass sich die deutsche Szene erst einmal extrem zurückentwickelt hat, was unter anderem mit der Inaktivität 90% aller deutschen e-Sport Größen nach 1.6 liegt und der somit fehlenden Kompetenz. Die Szene ist dabei sich wieder in die richtige Richtung zu mausern, aber das braucht einfach Zeit. Was nicht bedeuten soll, dass ich alle Teams und Spieler in Deutschland jetzt haten/schlecht machen will, ganz im Gegenteil. Trotz allem haben sich im letzten Jahr Spieler und Teams gefunden, die auf dem aufsteigenden Ast sind und auf dem Weg sind, Deutschland würdig zu repräsentieren. Nennenswert sind hier natürlich Spieler wie tabseN, tahsiN von PENTA oder nex denis & Spiidi von mousesports. Außerdem sehe ich da noch das Team von KILLERFISH sowie Planetkey mit Spielern wie J0hnny. Also der Zug für Deutschland ist noch nicht abgefahren, aber leider haben wir immer wieder mit Niederschlägen zu Kämpfen, wie die Geschichte rund um smn oder aktuell xenn & ayken. Das ist einfach eine traurige Entwicklung, was uns Deutsche auch in ein sehr schlechtes Licht rückt.

Traurig macht mich zudem, dass solche Leute weiterhin zu Preisgeldturnieren eingeladen/zugelassen werden und sogar abkassieren. Das ist einfach ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Community und ich weiß nicht wo das noch hinführen soll. Also um noch mal auf den Kern der Frage zurück zu kommen, bin ich der Meinung, dass das Niveau im internationalen Vergleich gesunken ist, sprich deutsche Teams haben es schwer mit der Weltelite mitzuhalten, was aber auch einfach daran liegt, dass die top 6-8 der Welt extrem gut bezahlt sind und somit auch sehr sehr viel Zeit investieren um ihr Niveau zu halten oder zu steigern. Da kann Deutschland momentan leider nicht mithalten, was wohl auch noch ein Überbleibsel der „Killerspiel“-Debatte ist. Ich denke, Sponsoren haben in den letzten Jahren einfach versucht, mehr die Finger von der Szene zu lassen, aus Angst vor einem Shitstorm. Ich denke und hoffe allerdings, dass sich das im kommenden Jahr noch mal zum positiven Wendet.

Wie schätzt du dein neues Team im Vergleich zur Konkurrenz in Deutschland ein und auf welche Turniere und Ligen werdet ihr euren Hauptfokus 2016 legen?
Eine Einschätzung möchte ich gerade jetzt zu Anfang des Teams ungerne abgeben, da ich mich in der Vergangenheit schon immer gern aus dem Fenster gelehnt hab was das angeht, was meist fälschlicherweise als Arroganz bzw. Überheblichkeit empfunden wurde und meiner Beliebtheit in der Szene eher schlechtes als gutes getan hat. Ich kann nur sagen, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und jeder Mensch kann alles erreichen. Ich war immer schon ein sehr selbstbewusster und optimistischer Mensch, weswegen ich gern meine Ziele vor allem als Spieler hochgesteckt habe. Ich denke keiner mit Ambitionen stellt ein Team auf die Beine, um im unteren Mittelfeld mitzumischen.

Natürlich hängt das von uns allen ab, und wir können und wollen uns nicht ausruhen. Bis dahin möchte ich lieber mit Leistung/Ergebnissen als mit Sprüchen glänzen. Unseren Fokus legen wir in erster Linie auf die CEVO Main, StarLadder ProSeries sowie der ESL Major League. Außerdem möchten wir uns natürlich auch national mit der Konkurrenz messen, weswegen wir versuchen werden, an so vielen ESL Meisterschafts-Cups teilzunehmen wie möglich. Auch das hängt natürlich wieder von uns ab

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Die Finals in Madrid fanden vor gut gefüllten Zuschauerrängen statt (Foto: facebook.com/reckiNation)

Deine letzte Station war x6tence, ein spanisches Team. Gibt es da Unterschiede im Vergleich zu deutschen Teams und Organisationen? Was kannst du uns allgemein zum E-Sports in Spanien und dessen Entwicklung sagen?
Unterschiede gab es in den beiden Szenen natürlich immer schon erhebliche, allerdings ist das alles seit CS:GO im Wandel. Team x6tence war allerdings immer schon das Vorzeigebeispiel, dass es auch in Spanien möglich ist guten Support zu bekommen, vergleichbar mit mousesports. Allerdings bis vor kurzem eine Ausnahme. Mitlerweile gibt es Clubs wie Sand am Meer und alle entwickeln sich weiter und bekommen Sponsoren. Ich habe allerdings lediglich ausgeholfen bei x6tence, wie auch schon 2010. Das Team war leider schon zerbrochen und es ging nurnoch um Schadensbegrenzung, leider haben wir in der Meisterschaft der LVP.es nur den zweiten Platz hinter „gBots“ belegen können.

Die Finals in Madrid aber haben mir auch einen neuen Eindruck der spanischen Szene gegeben, die Veranstalter haben eine spitzen Arbeit geleistet und das Event fand inmitten der größten Videospielmesse Spaniens statt. Es gab riesen Bühnen mit Tribünen, viele Fans und Messebesucher. Wir mussten Autogramme geben und auf Fotos mit den Anhängern unserer jeweiligen Clubs posieren. Es war für mich ein einmaliges Erlebnis und ich bin auch sehr dankbar diese Erfahrung mitnehmen zu können. Also Spanien ist wirklich im Wandel. Ich denke, kommendes Jahr wird es noch größer, die deutschen Finals konnten schon dieses Jahr nicht mehr mithalten. Allein das ist schon eine große Überraschung. Liegt aber daran, dass sich die ESL mehr auf internationale Events konzentriert und da eine super Arbeit leistet.

Vielen Dank für das Interview, Lucas. Die letzten Worte gehören natürlich dir.
Nichts zu danken, ich danke euch für die Möglichkeit. Jetzt habe ich schon soviel geschrieben, ich fasse mich diesmal wirklich kurz. Versprochen! Ich wünsche euch und allen Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bei ESC und unseren Sponsoren möchte ich mich hier noch mal im Namen des ganzen Teams bedanken. Und eine Bitte an die Community hau ich gleich noch mit raus: Habt Geduld mit uns und hatet uns nicht zu hart! Wir fangen im neuen Jahr erst an, Erfahrungsmäßig kann man sagen, ein Team braucht seine 6-8 Wochen um eine erste Bilanz zu ziehen und Tendenzen in die eine oder andere Richtung zu sehen. Und unterstützt im allgemeinen die deutschen Teams mehr, sie haben es verdient. Oder macht es besser, da haben wir auch nichts gegen. Auf geht’s Deutschland, 2016 ist unser Jahr 😉

„ICH HABE FERTIG“  PS.: schaut mal auf meinem Stream vorbei twitch.tv/reckiNation
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