Vor dem Spielen lieber einen Kaffee herunterkippen: Hier wird eure gesamte Konzentration gefordert. Mit A City Sleeps bringt der für seine Musik-Spiele Rock Band und Amplitude bekannte Entwickler Harmonix einen neuen Mix aus Shoot’Em’Up und Music Gaming auf den Markt. Während der Großteil des Bildschirms von gegnerischen Geschossen bedeckt ist, feuert uns elektronische Musik an, alles zu geben. Doch wie macht sich die harmonische Bullet Hell?
Wir spielen eine junge Dame namens Poe, Mitglied eines alten Clans namens „The Silk“. Dessen Mitglieder sind sogenannte „Traum-Exorzisten“, sie können in die Albträume ihrer Mitmenschen schlüpfen, um die Dämonen, welche diese Träume verursachen, zu bekämpfen. Diese Dienste werden dringend benötigt: Die Bewohner der Stadt SanLo sind in einen tiefen Schlaf voller böser Träume gefallen. Als Poe müssen wir sie gemeinsam mit unserem Schwert „Heartstrings“ aufwecken. Innerhalb der Träume stellen sich uns jedoch die sogenannten Kami in den Weg, fiese Monster, welche die Albträume hervorrufen.
Klingt nach einer spannenden Geschichte? Ja, aber das war leider schon alles. Die Story dient allein als Rahmen, damit das Gameplay einen Sinn bekommt, sie wird nur in den einzelnen Levelbeschreibungen kurz angeschnitten. Schade eigentlich.
Aber gut, dann liegt der Fokus nun mal auf dem Gameplay. Und das ist fantastisch: In Sidescroller-Manier bewegen wir uns an fein designten Hintergründen vorbei, während wir uns aber frei über den gesamten Bildschirm bewegen können. Das ist nötig, weil uns die wellenweise auftauchenden Gegner mit Projektilen oder Kamikaze-Attacken bombardieren. Getroffen werden können wir zwar nur am Herzen. Trotzdem benötigen wir den gesamten Platz, um Geschossen auszuweichen und uns für Konterangriffe zu positionieren. Mit Heartstrings können wir einerseits selbst Projektile verschießen, andererseits Nahkampfattacken ausführen, wenn die Gegner in Reichweite stehen.
Uns zur Verfügung steht außerdem ein Sprung in eine beliebige Richtung, der das Gameplay sehr dynamisch macht. Darüber hinaus hat Poe Zugriff auf Geister, die sie sich während ihrer Exorzismen untertan gemacht hat, auf die wir während des Spiels Zugriff erhalten. An festgelegten Stellen können wir sie in erscheinende Bruchstücke einfügen und auch jederzeit wechseln, woraufhin sie ihre Wirkung entfalten. Beispielsweise der „Erbarmen“-Geist hält uns durch Heilung länger am Leben, der „Wut“-Geist beschädigt Gegner. Und der „Loyalitäts“-Geist manipuliert Gegner durch Einfrieren. Dabei gibt es quadratische und dreieckige Bruchstücke: Je nachdem, welches wir benutzen, erhält unser Geist einen anderen Effekt. So eröffnen sich im Gameplay diverse Strategien.
Viel wichtiger als die Shoot’Em’Up-Mechanik ist jedoch die Musik. Durchweg unterlegt ein recht ruhiger Soundtrack die Szene. Der Clou ist jedoch, dass jede einzelne Aktion, die wir oder die Gegner ausführen, einen bestimmten Sound nutzt, der sich nahtlos in die Musik einfügt, was im Ganzen wiederum einen beeindruckenden Soundtrack ergibt. Ob wir auf Gegner schießen, ob wir einen Nahkampftreffer ausführen, ob unser Geist eine Heilungswelle verströmt – alles aktiviert einen bestimmten Klang oder eine Klangfolge. So spielt unser Schwert eine Melodie und die Geister fügen sich mit satten Bässen in das Gesamtbild ein.
Für jedes Level gibt es ein anderes Musikstück zu entdecken. Das Problem: Es gibt nur drei Level! Ein Level ist jeweils in drei Stufen unterteilt und endet danach mit einem End-Boss. Kommen wir durch, ohne zu sterben, sind wir mit Leichtigkeit nach 10 Minuten fertig. Zwar gilt es, jedes Level in fünf verschiedenen, freischaltbaren Schwierigkeitsstufen zu durchspielen. Aber es sind trotzdem nur drei Level: Die Monster und die Action bleiben nämlich genau dieselbe, allein werden die Monster stärker oder lernen ein paar neue Kniffe dazu. Oder wir starten in der dritten sowie in der fünften Stufe mit Handicaps wie Doppelschüssen der Gegner oder einer größeren Hitbox.
Es ist komisch, dass Harmonix nur so wenig Inhalt ins Spiel bringt. Zumal es neben den Levels kaum etwas zu tun gibt: Wir schalten zwar neue Geister frei, von denen wir drei gleichzeitig ausrüsten können, und erhalten „Relikte“, die je nach Art Poe oder ihre Geister verbessern. Außerdem können wir in der „Jukebox“ freigeschaltete Lieder anhören. Ansonsten stehen uns aber nur drei besagte Level zur Verfügung, bei denen die einzige Langzeitmotivation darin besteht, sie nacheinander freizuschalten und danach eventuell noch den Highscore zu verbessern.
Dabei wird A City Sleeps unglaublich schnell unglaublich schwer. Wer denkt, nach dem Tutorial gehe es einsteigerfreundlich zur Sache, findet sich bald in der bitteren Realität wieder: Schon nach wenigen Minuten sind die Gegner so schwer, dass immer wieder 80% des Bildschirms mit ihren Geschossen bedeckt sind. Die „Cursed Nightmare“ (Verfluchter Albtraum-)Level grenzen gar an Unschaffbarkeit, besonders für Casual Gamer (Obwohl das Spiel perfekt für eine Runde zwischendurch wäre!). Die Folge ist viel zu schnell Frustration und das Gefühl, dass man das bestimmte Level doch überhaupt nie schaffen wird. Viel zu wenig Handlungsfreiraum haben wir auch im Spiel selbst: Zwar laden wir mit Nahkampfangriffen einen mächtigen Spezialangriff auf und können außerdem mit den erwähnten Geistern diverse Strategien anwenden und ausprobieren. Aber abgesehen davon nimmt sonst nichts Einfluss auf unseren Erfolg, es entscheidet allein spielerisches Können – und vielleicht eine gehörige Portion Glück.
Harmonix weist darauf hin, dass man das Spiel lieber mit einem Controller spielen sollte. Unser Fazit: Ihr müsst es. Probiert es gar nicht mit der Tastatur. Nicht nur gibt euch der Entwickler nicht einmal an, welche Tasten ihr bedienen müsst. Zudem greift ihr mit den Pfeiltasten in die jeweilige Richtung an, womit ihr überhaupt nicht in jeden Bereich schießen könnt, was bei einigen Bossen zum Problem wird. Warum dürfen wir nicht einfach mit der Maus schießen, fragen wir uns? So drücken wir jedenfalls zu Spielbeginn 5 Minuten lang auf der Tastatur herum, um herauszufinden, welche Tasten denn nun welche Aktion auslösen.
Nicht nur musikalisch ist A City Sleeps ein Genuss. Auch visuell werdet ihr entzückt sein, ein wunderbarer Art Style erwartet euch. Komisch, dass der Entwickler genau null Einstellungsmöglichkeiten zulässt: Nicht einmal Vsync ist möglich. Besitzer von High-End-GPUs werden sich über ihre summenden Grafikkarten bei mehr als 1000 FPS freuen… Das ist aber irgendwann eh nicht mehr wahrnehmbar, denn A City Sleeps erfordert vollste Konzentration, um nicht innerhalb von Sekunden zu sterben.
| A City Sleeps | |||||||||||||
| Publisher: Harmonix Music Systems | Releasetermin: | 16.10.2014 | Preis: | 14,99 Eur | Plattform: | PC | |||||||
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