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Test: Bound By Flame – Feurig, aber uninspiriert

imageSchade. Da wäre so viel mehr drin gewesen. So viel mehr in jeder Hinsicht: Mit Bound By Flame greift Entwickler Spider Studios zwar jede Menge Ideen auf und ist stets bemüht um eine große Inszenierung – die Umsetzung variiert jedoch regelmäßig und viel zu schnell zwischen spannend und schwach. Viel zu enttäuschend ist die Story, stellenweise lächerlich die Art, wie sie erzählt wird, viel zu spaßig ist das Kampfsystem und dabei alles andere als einfach. Wir sind ständig hin- und hergerissen, was Bound By Flame denn nun ist: Spiel- oder keinen Blick wert? Was dem RPG rund um den Helden Vulcan (oder Volcan, so ganz klar wird das nicht) zur ersten Klasse fehlt und warum man es dennoch nicht in die Ecke legen sollte, verrät euch dieser Testbericht.

In Bound By Flame steigen wir in eine offensichtlich dem Untergang geweihte Welt ein. Die Story wird uns schnell erklärt: Die Dunklen Eisfürsten, unsterbliche Magier, versuchen seit 150 Jahren, das Land zu übernehmen und stehen mittlerweile kurz davor. Konnten die Menschen erst noch Widerstand bieten, wuchs die beschworene Armee der Totwandler, eine riesige Ansammlung von Untoten, immer weiter und überrollte die Verteidigungen. Nur noch vereinzelt versuchen Menschen und Elfen, sich gegen die Übermacht zu stemmen.

Eine kleine Hoffnung besteht aber doch: Ein Ritual der Roten Weisen, ein Orden von Magiern und Gelehrten, soll die Eisfürsten bezwingen können. Wir steigen mitten im Geschehen ein; als Teil einer kleinen, elitären Söldnergruppe, die sich die Freien Klingen nennt, sollen wir die Roten Weisen während des zeitaufwändigen Rituals vor den heranstürmenden Legionen beschützen.

     
     
Bei der Charaktererstellung wählen wir zwischen männlich/weiblich und mehreren Presets aus

Nachdem wir einige Untote besiegt und das grundlegend simple Kampfsystem verstanden haben, schaffen die Weisen es zwar tatsächlich, das Ritual zu vollenden. Das geht jedoch verdammt schief und ehe wir uns versehen, steckt in unserem Körper ein Feuerdämon. Davon profitieren wir einerseits, andererseits ist das aber auch gar nicht gut: Der Dämon ist in Vulcans Körper eingesperrt und nutzt diesen ab sofort mit. Zeitweise kann er Vulcans Geist zurückdrängen und die Kontrolle übernehmen. Auf der anderen Seite leiht er uns aber auch seine große Macht, wir sind nun bspw. in der Lage, Feuerbälle und -walzen auf die Gegner zu schleudern und unser Schwert entflammen zu lassen. Je mehr wir von dieser Magie anwenden, desto eher verlieren wir jedoch auch unsere Menschlichkeit. Im Endeffekt verfolgen der Dämon und Vulcan zum Glück dieselben Ziele: Die Eisfürsten stürzen und sich nicht mehr denselben Körper teilen müssen.

Damit erschöpft sich die Story bereits, die folgenden „Wendungen“ sind wenig originell. Die Geschichte wird besonders in spannenden Zwischensequenzen erzählt, welche immer wieder erscheinen. Leider ist sie sehr selten wirklich eindrucksvoll. Das liegt vor allem daran, dass die Charaktere überhaupt nicht von ihr beeinflusst zu werden scheinen. Vulcan ist während des Rituals in Flammen aufgegangen und besiegt danach riesige Untote, indem er Kugeln aus Feuer beschwört und mit einem brennenden Schwert zuhaut? – 10 Sekunden später kein Gesprächsthema mehr. Das Ritual, welches die Welt retten sollte, geht schief? – Ach, dann suchen wir uns einfach was anderes.

Die Story wird in stimmungsvollen Zwischensequenzen vorangetrieben

Bound By Flame bombardiert uns mit RPG-Elementen. Kampf, Handwerk, Magie, Skill Trees, Story, Hintergrundinformationen, alles finden wir von Anfang an im Spiel. Und während das Spiel in einigen Aspekten nur Einheitskost bietet , gibt es uns doch einige interessante Mechaniken an die Hand. Zum Beispiel ist es schade, dass sich die Magie nur auf Feuerbälle, flammende Schwerter, unspektakuläre Feuerwalzen und „Wächterflammen“ beschränkt und wir gegen Untote kämpfen müssen, das kennt im Jahr 2014 jeder. Andererseits haben wir keine festgelegte Klasse: Im Spiel können wir jederzeit, auch im Kampf, zwischen den Grundhaltungen Krieger und Waldläufer wechseln. Dabei ändern sich unsere Waffen, unsere Fähigkeiten und unsere Spielweise. Außerdem können wir Magie benutzen, Sprengfallen legen, mit Armbrüsten schießen, Heil- sowie Magietränke benutzen und verschiedene Begleiter herumkommandieren.

Der Schwerpunkt von Bound By Flame liegt definitiv auf dem Kampf. In Schlauchlevels scheucht uns das Spiel durch die Gegend, um hinter jeder Kurve auf Gegner zu treffen. Und die Kämpfe sind wirklich schwer, schon auf der leichtesten Schwierigkeitsstufe ist Sterben vorprogrammiert. Die leichtesten Gegner sind fähig, uns mit wenigen Treffern zu töten, ganz abgesehen von den riesigen Bossmonstern. Also ist unser ganzes Geschick gefordert, drohenden Schaden abzuwenden. Dazu müssen wir wirklich all unsere Möglichkeiten nutzen, denn nur mit Schwerthieben kommen wir nicht weit.

Bound By Flame stellt uns vor herausfordernde Kämpfe

Als Krieger führen wir eine Zweihandwaffe, schlagen langsam, aber feste zu, blocken gegnerische Attacken und können Gegner so hart treten, dass sie die Balance verlieren. Dazu können wir noch langsamere, aufladbare Rundumschläge ausführen. Blocken ist sehr stark, aber auch sehr schwer: In der Block-Stellung können wir zwar die allermeisten gegnerischen Angriffe komplett negieren. Das Blocken wird aber erst effektiv, wenn wir es in der letzten Sekunde vor dem Angriff aktivieren: Dann belohnt uns das Spiel mit einer Zeitlupe, einer Animation und vor allem mit der Möglichkeit zu einem sofortigen Konter-Angriff.

Im Waldläufer-Modus hingegen kämpfen wir behände mit zwei Dolchen. Diese teilen weniger Schaden pro Schlag aus, dafür können wir mit ihnen viel schneller zuschlagen und außerdem statt Rundum-Attacken Angriffsfolgen auslösen. Schon vor dem Kampf können wir uns an den Gegner heranschleichen und ihm einen kritischen Treffer zufügen, falls wir unbemerkt bleiben, was leider nicht so gut klappt. Zwar ist Blocken immer noch möglich, aber nicht so effektiv wie als Krieger. Als Ausgleich steht uns ein ungleich stärkeres Werkzeug zur Verfügung: Ein Ausweichsprung nach hinten, der genau wie Blocken beim richtigen Timing einen Konterangriff ermöglicht. Der Sprung ist daher so stark, weil man mit ihm auch unblockbaren Attacken ausweichen kann, dafür ist er in Gefechten gegen mehrere Gegner nicht so effektiv.

   
   
Mit Zweihänder oder zwei Schwertern? Brennendes Schwert oder Schleichmodus?

Das Besondere an Bound By Flame ist, dass es eben keine Klassen gibt, sondern wir jederzeit zwischen den Modi wechseln können und vor allem müssen – als Waldläufer sind Bosskämpfe eher schaffbar als in der schwerfälligen Krieger-Form. Unabhängig von der Kampfhaltung steht uns durch Manapunkte beschränkte Magie in Form von wenigen Zaubern zur Verfügung, außerdem können wir als Sprengmeister der Freien Klingen Sprengfallen und Bolzen herstellen und benutzen, um Kämpfe einfacher zu machen.
Steigen wir Stufen auf, was schnell passiert, können wir in einem übersichtlichen Skilltree mit je einem Kämpfer-, Waldläufer- und Pyromanen-Bereich zwei Punkte verteilen, um unsere Fähigkeiten zu verbessern und zusätzlich einen Punkt in eine Liste von Attributen setzen, die wir erst der Reihe nach freischalten müssen – um bspw. das Attribut auswählen zu können, das Heiltränke effektiver macht, müssen wir erst eine bestimmte Anzahl an Heiltränken benutzt haben.

   
Links: Fähigkeiten-Baum, Rechts: Attribute

Der Kampf ist das, was uns bei Bound By Flame hält. Zwar ist die Steuerung nicht immer optimal und erinnert an das System aus The Witcher 2, generell sind die Animationen aber toll gelungen und die Gefechte so herausfordernd, dass es auch spannend ist, gegen kleine Monster zu kämpfen. Hier kommt regelmäßig Dark Souls-Atmosphäre auf, zum Glück dürfen wir manuell speichern. Und auch, wenn die Bossmonster ruhig origineller hätten sein können, macht es Spaß, die Untoten zu töten und zwischendurch unsere Ausrüstung zu verbessern, um mithalten zu können. Leider ist jedoch das meiste andere in dem ambitionierten RPG nicht so gut gelungen. Die Grafik ist okay, aber auch nicht mehr – hier merkt man die Konsolenportierung deutlich. Die Charakter haben zwar schöne Modelle, aber ihre Mienen sind so starr wie ihre Schwerter – das ist nicht mehr zeitgemäß und stört die Atmosphäre drastisch.

Hier spricht zum ersten Mal der Dämon aus uns heraus – den Hauptmann scheint es eher kalt zu lassen und auch Vulcan lächelt trotz der Hasstiraden selig vor sich hin

Auch abgesehen von den empathielosen Gesichtern sind die Dialoge ein Element, bei dem sich uns regelmäßig der Magen umdreht. Zwar machen die deutschen Synchronsprecher an für sich gar keinen so schlechten Job. Aber man merkt an jeder Ecke, dass sie definitiv nicht die Szenen gesehen haben, die sie synchronisieren sollen, sondern einfach nur mit dem Text gearbeitet haben.
Abgesehen davon sind die Dialoge belanglos, schlecht inszeniert, viel zu lang und ermöglichen uns nur wenig Einflussnahme. Der Entwickler bemüht sich ständig, sie besonders „glaubhaft“ zu machen, indem die Freien Klingen in jedem zweiten Satz Schimpfwörter einbauen, das wirkt aber so bemüht, dass genau das Gegenteil eintritt. Lächerlich ist auch die Platzierung der Sprüche: Wir sind mitten in einem erbitterten Gefecht gegen vier riesige Spinnen, wenn unsere Begleiterin munter losplappert, wie schön die Natur sei, als könnte sie kein Wässerchen trüben.

Ob der Ausschnitt vielleicht von den starren Gesichtsanimationen ablenken soll?

Alle Charaktere bleiben sehr blass, unsere Begleiter glänzen vor allem durch eine unrealistische KI – die Heilerin Sybil kümmert sich einfach nicht darum, dass sie von drei Monstern angegriffen wird und bleibt konsequent stehen, als würde sie nichts merken, während sie innerhalb von Sekunden stirbt. Gerade für ein RPG ist es schade, dass die Story und die Charaktere etwas zu kurz kommen. Dafür sind das Crafting-, das Kampf- und das Skill-System spaßig und sinnvoll. Besonders das Verbessern von Waffen, indem wir bspw. den Knauf ersetzen, hat es uns angetan. Und auch wenn die Gegenden generisch sind und die Atmosphäre von den einfach nicht guten Dialogen gestört wird, ist selbige annehmbar. Sehr spannend ist die Situation, einen Feuerdämon in sich festsitzen zu haben, auch wenn hier mehr drin gewesen wäre. Auch der Soundtrack ist zu wenig originell und hat kaum Bezug zum Gameplay, fühlt sich stellenweise unpassend an.

Trotz der mittelmäßigen Grafik überzeugt Bound By Flame immer wieder mit atmosphärischen Szenen

Bound By Flame
Publisher: Focus Home Interactive Releasetermin: 09.05.2014 Preis: 39,99€ Plattform: PC
Bound By Flame versucht, vieles so zu machen wie seine Vorbilder. Und auch wenn immer noch gilt „lieber gut kopiert als schlecht kreiert“, ist das RPG einfach keine besonders gute Kopie. Gerade für ein Rollenspiel ist die Story zu schwach. Wir haben zu wenig Einfluss auf die Charakterentwicklung, und gefangen zwischen Schmalspurdialogen bleiben sämtliche Charaktere blass und farblos. Am schlimmsten ist jedoch die Synchronisation, die uns regelmäßig ein Schaudern über den Rücken laufen ließ. Bound by Flame bietet 15 Stunden Spielzeit und ein interessantes Kampfsystem. Vielleicht sollte Spider Studios bald einen zweiten Teil hinterherschieben, der die vielen Fehler ausbügelt – dann hätte dieser wirklich das Zeug zum Rollenspiel-Hit. 65
Story: 5/10 Atmosphäre: 6/10 Grafik: 7/10
Gameplay: 7/10 Sound: 6/10 Steuerung: 8/10
  • Spannende, fordernde Kämpfe
  • Nachvollziehbares Crafting-System
  • Kombination von Krieger, Waldläufer und Magier
  • Passende, leicht comic-hafte Grafik
  • Beeindruckend große Bossmonster…
  • …die wenig originelle Attacken besitzen und einfach nur viele Leben haben
  • Generische Hol-und-Bring-Nebenquests
  • Miserable deutsche Synchronisation
  • Bemühte, uninspirierte Dialoge
  • Feuer-Zauber nur Standardkost
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