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Test: Enemy Front – Weltkriegs-Moorhuhn in der CryEngine oder doch mehr als das?

imageGerade dachten wir, das Thema Weltkrieg in Videospielen sei endlich überstanden, da bringt der polnische Entwickler CI Games den Shooter Enemy Front auf den Markt. Warum nun schon wieder dieses Szenario? Mit Enemy Front möchte CI Games durch besonders gutes Gameplay und Grafik das ausgenudelte Setting doch zu einem guten Spiel machen. Ob dieses wagemutige Projekt Erfolg verspricht, klärt unser Test.

In Enemy Front spielen wir den amerikanischen Journalisten Robert Hawkins, mit dem wir in Frankreich, Deutschland, Polen und Norwegen die Nazis bekämpfen. Und damit ist die Story dann auch bereits erschöpft. Notdürftig zusammengehalten von einer Rahmenhandlung, in der wir bereits tatkräftig die Widerstandsbewegung mit unserer Feuerkraft unterstützen, spielen wir uns in Rückblenden durch die Entwicklung Hawkins‘ vom Schreiberling zum Kriegs-Helden. Bietet Enemy Front also endlich einen interessanten und spannenden Weltkriegs-Shooter? Leider nein.

Enemy Front brilliert visuell mit weitläufigen Landschaften…

Was eigentlich durchaus interessant hätte sein können, verkommt dann jedoch eher zu einer Farce. Während der Regime-Kritiker Hawkins eigentlich versucht, mit seinem Fotografen in die Schweiz zu fliehen, wird die Kontaktperson der beiden von den Nazis verschleppt. Und weil unser Kollege sich vor Angst fast in die Hosen macht, salopp gesagt, ziehen wir alleine los, um sie zu befreien. Dabei metzeln wir uns mit einer Pistole durch hunderte ausgebildete, voll ausgerüstete Soldaten, infiltrieren gegnerische Lager und assassinieren ranghohe deutsche Offiziere. Ist Hawkins eine Art Super-Journalist?

…liebevoll-detaillierten Innenräumen…

Die Realitätsferne von Enemy Front ist tödlich für die Atmosphäre. Im gesamten Verlauf des Spiels meucheln wir sicherlich hunderte, tausende Nazis – dabei spielen wir einen Journalisten! Von der ersten Minute an macht das keinen Sinn, zumal wir schon zu Beginn so stark sind wie am Ende, von Entwicklung keine Spur. Weltkriegs-Atmosphäre ist das nicht. Statt Angst, Bedrückung oder Respekt zu fühlen, spielen wir einen anscheinend vom Planeten Krypton kommenden Zeitungsschreiber, der es auch mal im Dutzend mit feindlichen Soldaten aufnimmt.

…und engen, dunklen Kanalisationen.

Genau so zweifelhaft wie die Atmosphäre sind die Motive von Hawkins: Statt sich in die Schweiz abzusetzen, entschließt er sich, über den Krieg zu berichten, um auf die Titelseiten zu kommen. Letztendlich ballern wir aber einfach nur Nazis über den Haufen; statt den Widerstandskämpfern zu folgen und aus dem Hintergrund den Krieg einzufangen, laufen wir bei Sturmangriffen vorneweg und sind anscheinend der einzige Kämpfer, der ansatzweise kämpfen kann. Wohl darum scheinen wir für unseren Anführer der wichtigste Mann zu sein und müssen alle Aufgaben für ihn erledigen, vom Besorgen von Sprengstoff bis zum Stürmen einer Kirche. Wirklich Sinn macht das nicht.

In Skriptsequenzen geht es teilweise richtig ordentlich zur Sache

Enemy Front zeigt dann aber beim Gameplay endlich seine positive Seite: Ganz wie es der Entwickler im Voraus versprach, entscheiden wir uns in den Missionen, entweder an Gegnern vorbeizuschleichen, sie der Reihe nach leise im Nahkampf zu erledigen, eine Geisel zu nehmen oder auch einfach unter Dauerfeuer feindliche Befestigungen zu stürmen. Schleichen klappt tatsächlich ganz ordentlich, ist aber aufgrund der hohen Dichte an Gegnern sehr schwer. Zum geheimen Vorgehen stehen uns zwei Hilfsmittel zur Verfügung: Mit dem Fernglas können wir aus der Ferne Gegner markieren, die wir dann durch Mauern hindurch sehen und wir können Steine werfen, um Gegner abzulenken – letzteres ist leider dermaßen hakelig und unkontrollierbar, dass wir lieber darauf verzichtet haben, weil es regelmäßig zu unserem Tod führte.

Durch das Fernglas beobachten und markieren wir Gegner aus sicherer Entfernung

Während die meisten Level zwar nicht besonders groß sind, aber doch diverse Wege bieten, stoßen wir auch immer wieder auf Schlauchlevel, in denen wir gezwungen werden, uns erbitterte Feuergefechte mit den Gegnern zu liefern. Dazu gesellen sich dann noch obligatorische Moorhuhn-Passagen am Maschinengewehr oder mit dem Scharfschützengewehr – explodierende rote Fässer inklusive.

   
Die obligatorischen Maschinengewehr- und Sniper-Missionen dürfen natürlich nicht fehlen

Die Schleich-Mechanik funktioniert zwar, ist aber letzten Endes einfach unausgereift: Wir haben keinerlei Vorteil, wenn wir uns an den Gegnern vorbeischleichen, außer dass wir Munition sparen, die aber sowieso an gefühlt jeder Straßenecke liegt. Und schon früh im Spiel bemerken wir, dass selbst auf dem höchsten Schwierigkeits grad die Gegner im Kampf absolut kein Problem darstellen. Also schnappen wir uns unsere Maschinenpistole, laufen in die Levels rein und mähen alles nieder, ohne jemals ernsthaft in Gefahr zu geraten. So sparen wir uns das anstrengende Schleichen und haben keinerlei Nachteil dadurch. Kurz: Enemy Front verkommt schnell zum anspruchslosen Moorhuhn-Shooter. Und das macht absolut keinen Spaß.

Durch solche Schlupflöcher können wir uns immer wieder an Gegnern vorbeischleichen

Der Grund dafür ist die als mehr als doofe KI. Die Nazi-Soldaten schaffen es nicht, ordentlich Deckung zu suchen, damit wir sie jederzeit abschießen können. Sie arbeiten nicht zusammen, sondern stürmen jeder einzeln zu meist vorgegebenen Deckungs-Punkten, völlig egal, was um sie herum passiert. Sie treffen nicht einmal, wenn wir zwei Meter vor ihnen stehen (obwohl wir sowieso fünf Schüsse aushalten und uns nach Sekunden komplett regenerieren) und verlieren komplett den Überblick, sobald wir kurz in Deckung gehen. Laufen wir einfach hinter die gegnerischen Reihen, versteht die KI dies meist nicht einmal und ist unfähig, sich neue Deckung zu suchen oder unser Feuer zu erwidern.

Feuer, Explosionen und Rauch sehen teilweise leider nicht gut aus

Weltkriegs-Atmosphäre geht anders, liebe Entwickler! Die ist bedrohlich und beklemmend. Dank der Cry Engine 3 sieht Enemy Front trotz teilweise verwaschener Texturen zwar unglaublich gut aus und zaubert auf der einen Seite idyllische, weitläufige Landschaften und auf der anderen Seite enge Gassen zwischen brennenden Häusern oder von Nazis bevölkerte Burg-Ruinen. Aber dass wir einen Journalisten spielen, der theoretisch von unendlich vielen Kugeln getroffen werden könnte, und in fünf Feinde hineinrennen können, ohne dafür bestraft zu werden, macht aus Enemy Front gerade einmal einen Mittelklasse-Shooter. Das ist schade, denn gute Ansätze sind überall erkennbar – leider wurden diese nicht konsequent ausgearbeitet und so bleibt Enemy Front größtenteils abwechslungslos, blass und bemüht.

Enemy Front
Publisher: City Interactive Releasetermin: 13.06.2014 Preis: 29,99 Eur Plattform: PC
So hätte Deutschland also damals den Krieg gewinnen können. Eine Armee aus fünf Journalisten hätte absolut ausgereicht! Zumindest, wenn man nach der Enemy Front-Logik urteilt. Doch ganz im Ernst: Enemy Front zeigt gute Ansätze, wird an manchen Stellen sogar richtig toll – und ist doch nur wieder ein Standard-Shooter, noch dazu im zigfach durchgekauten Weltkriegs-Szenario. Da kann auch die schöne Grafik nicht drüber hinwegtäuschen: Das Spiel ist noch nicht ganz ausgereift, an vielen Stellen dümpelt es vor sich hin und kann sich nie ganz entscheiden, was es denn nun sein will. 60
Story: 3/10 Atmosphäre: 5/10 Grafik: 8/10
Gameplay: 6/10 Sound: 7/10 Steuerung: 7/10
  • Super Grafik, Schauplätze gut eingefangen
  • Meist gutes Leveldesign, das dem Spieler die Wahl der Vorgehensweise lässt
  • Untermalende Musik
  • Relativ abwechslungsreiche Missionen
  • Hauptcharakter viel zu stark
  • KI-Soldaten viel zu anspruchslos
  • Miserable und schlecht umgesetzte Story
  • Extrem schlecht gesetzte, nerivge, teilweise gar unfaire Speicherpunkte
  • Schleich-Mechanik unausgereift, bietet keinen Vorteil
  • Einfach keine Weltkriegs-Atmosphäre
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