Man nehme ein wenig Sci-Fi, würze das mit einer deftigen Alien-Rasse, verfeinere das Gemisch anschließend mit einer Prise Borderlands und gebe ein dosiertes F2P-Modell dazu. Fertig ist der MMO-Shooter Firefall. Seit 2011 war der Titel in der Beta. Das von den Red 5 Studios entwickelte Free2Play-Spiel hatte also an und für sich genug Zeit, sich ordentlich zu verbessern. Ob die Zeit sinnvoll genutzt wurde, erfahrt ihr in diesem Test.
Nette Aussicht von hier oben. Nach dem Abwurf über das Dschungel-Gebiet haben wir aber nicht viel Zeit, uns die schöne Umgebung anzusehen. Überall um uns herum erhellen Plasma-Geschosse und Explosionen den Nachthimmel über Brasilien. Nein, das geschilderte Szenario ist nicht die Weltmeisterschaftsfeier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, sondern die ersten Minuten im F2P-Shooter Firefall.
Rasanter Einstieg…
Während des Flugs Richtung Strand erfahren wir über Funk alles Wissenswerte über die bevorstehende Schlacht. Zumindest, wenn wir mitlesen. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht. Zumindest wurden die gesprochenen Texte übersetzt. Nach der einigermaßen sanften Landung an einem Strand erhalten wir die nächsten Instruktionen und staunen erst einmal nicht schlecht. Wir geraten mitten in eine riesige Schlacht mit den geheimnisvollen Chosen. Dies ist die Alien-Rasse, die wir in Firefall bekämpfen. Aber der Reihe nach.
Alles beginnt mit einem Riesen-Raumschiff namens Arclight. Dieses Meisterwerk menschlicher Ingenieurskunst soll mittels eines neuartigen Sprungantriebs ohne Zeitverlust zu weit entfernten Galaxien vorstoßen. Man kann es sich denken: Das Ganze geht gehörig nach hinten los. Durch die Raum-Krümmung reißt der Sprungantrieb ein Loch in das Raum-Zeit-Gefüge und lockt neben allerhand Alien-Insekten auch das sogenannte Melding in unsere Galaxie. So wird das Energiefeld, das seit dem Unfall nahezu die gesamte Welt umfasst, genannt. Wir sind einer der heroischen Söldner, die dem Ganzen Einhalt gebieten soll.
…schnelle Ernüchterung
Die als Tutorial fungierende erste Schlacht macht schon mal Lust auf mehr, das kann man nicht leugnen. Der Strand, an dem wir landen, ist unheimlich stimmig in Szene gesetzt und wir fühlen uns mitunter wie in einer Szene aus Starship Troopers. Überall krabbelt mutiertes Käfergerümpel aus dem Boden und will uns an die Cyber-Rüstung. Links und rechts neben uns versuchen Söldner verzweifelt die Stellungen gegen die anrückende Übermacht zu halten. Ginge es doch nur so weiter.
Nach einem Kampf gegen ein angreifendes Raumschiff werden wir an der Copacabana abgeworfen. Dies dient als Einstiegspunkt im Kampf gegen die Chosen. Ab diesem Zeitpunkt haben wir auch genug Zeit, um uns die malerischen Hintergrund-Landschaften in Firefall anzusehen. Denn bis auf die Quests ist in dem „umkämpften“ Gebiet leider reichlich wenig los. Im Laufe der folgenden Story-Quest müssen wir unter Zeitdruck Ersatzteile für ein kaputtes Fluggerät bergen und werden dabei von überdimensionierten Käfern angegriffen. Ja, doch, hier kommt ein wenig Spannung auf. Nach Abgabe dieser Quest hätten wir dann gern gewusst, wie es weiter geht. Doch aus irgendeinem Grund zieht Firefall hier am Bremshebel. Die nächste Story-Quest gibt’s erst mit Level 10. Warum? Sagt uns niemand. Also suchen wir das schwarze Brett auf und begnügen uns mit Hiwi-Aufgaben.
Mit dem Jetpack Richtung Sonne
Unserer Erstausbildung haben wir also abgeschlossen. Na gut, denken wir uns. Leveln wir ein wenig hoch, dann geht’s bestimmt schnell weiter. Mit dem Adjektiv „schnell“ wird das aber leider nichts. Zum einen können wir nur eine Quest gleichzeitig am schwarzen Brett starten und zum anderen verplempern wir die restliche Spielzeit mit den nervig langen Laufwegen zu den Questgebieten. So verbringen wir die meiste Zeit damit, den Sand der Copacabana mit unseren Füßen umzugraben. Oder wir benutzen unser Jetpack, um ein wenig zu fliegen. Das macht mitunter Freude, lässt uns aber immer nur einen Augenblick lang in die Luft steigen und lädt sich dann wieder automatisch auf. Abhilfe schaffen hier Fahrzeuge wie Buggys und Bikes. Diese sind nach einem Gebrauch allerdings wieder futsch und müssen neu erworben werden. Wollen wir permanent eine Reiseerleichterung unter dem Allerwertesten haben, müssen wir uns bis Level 25 gedulden. Oder wir kaufen uns ein Gefährt für läppische 15 Euro im Shop.
Kommen wir vor Langeweile auf dem Weg zu einer Quest nicht um, erledigen Selbige das für uns. Inhaltlich bestehen die Nebenquests nämlich meist aus dem Verteidigen eines abgestürzten Gerätes gegen diverse Gegnerwellen. Abwechslung sieht definitv anders aus, Red 5! Erst Recht im Jahr 2014. Auch von den im Vorfeld großspurig angekündigten öffentlichen Events ist am virtuellen Strand von Rio nicht viel zu sehen. Diese finden, wenn überhaupt, nur im Umkreis von Städten oder Stützpunkten statt und reihen sich vom Spannungsgrad her direkt bei den Nebenquests ein. Obendrauf kommt noch die selten blöde Gegner-KI (ok, wir kämpfen gegen Bugs) und ein fast fehlendes Trefferfeedback. Lediglich die im Borderlands-Stil aufploppenden Schadenszahlen suggerieren uns einen Treffer.
Gut gedacht, schlecht umgesetzt
Dabei hat das actionorientierte Kampfgeschehen durchaus gute Ansätze. Die angesprochenen Jetpacks bringen eine willkommene Kampfdynamik ins Getümmel und auch die fünf verschiedenen Klassen spielen sich durch ihre abwechslungsreichen Skills durchaus flott. Die fünf Klassen werden in Firefall durch verschiedene Rüstungen dargestellt, die wir am Anfang des Spiels wählen. So gibt es Zerstörer, Stürmer, Biotech, Pionier und Aufklärer. Doch auch hier macht sich schnell Ernüchterung breit. Zwar ist es möglich die Basis-Typen der Rüstungen jeder Zeit zu wechseln. Mit einer neuen Rüstung beginnen wir aber wieder auf Level 1. Sind wir also ein Zerstörer auf Level 10 und wollen uns mal den Biotech ansehen, müssen wir wieder gegen Gewürm der Stufe 1 und 2 kämpfen, um im Level mitzuhalten. So etwas motiviert nun gar nicht.
Zwar gibt es freischaltbare Waffen und Rüstungen, jedoch sind diese meilenweit von „originell“ entfernt. Vom stilistischen Vorbild eines Borderlands ist hier ebenfalls nicht einmal im Ansatz etwas zu sehen. Und sollten wir nach endlosem Gequeste dann doch mal eine neue Rüstung finden, muss diese wieder durch langatmige Nebenquests hochgespielt werden. Spätestens hier klickt man im Spielmenü auf „Abmelden“.
Hach, dieses pöse Free2Play!
Für sich genommen kann man alles im Spiel durch alleiniges Zocken freischalten. Den Online-Shop können wir auf Grund von überteuertem Design-Blödsinn eigentlich getrost ignorieren. Wer sich trotzdem Frisuren und Hüte für je 4 Euro kauft, muss das Spiel schon fast lieben. Viel schlimmer sind aber die schon erwähnten fahrbaren Untersätze, die nicht unter 15 Euro zu haben sind. Wahlweise können wir jedoch unsere Ausrüstung auch selber herstellen. Nichts leichter als das, denkt sich der Weltmeister-Crafter von Morgen und pflanzt seinen Ressourcenbohrer in der nächstbesten Pampa. Um 100% der an diesem Ort verfügbaren Ressourcen zu ernten, müssen wir uns nur gegen heranstürmendes Chosen-Volk verteidigen, die durch die Bohrungen an die Oberfläche gelockt werden. Und versuchen, dabei wach zu bleiben.
Borderlands meets Esports
Vor dem Beta-Start 2011 war Firefall eigentlich als neue Esports-Referenz geplant. Durch andauernde Umstrukturierung kam jedoch alles ganz anders. Eine Zeit lang gab es witziger Weise nicht mal einen PvP-Modus. Dieser wurde zwar wieder integriert, findet sich aber auch nur auf einer großen Karte wieder. Von mehreren Spielmodi und anderen Maps ist keine Spur. Red 5 führt die programmierte Originalität aber konsequent weiter. Der PvP Modi ist auch nichts anderes als ein Eroberungs-Modus, der zu dem auf der viel zu großen Karte, durch zu wenig Spieler, so gut wie nie an Fahrt aufnimmt.
Auch in grafischer Hinsicht wurde viel gewollt, aber nur wenig kann im Endeffekt überzeugen. Im starken Kontrast zu den teils wunderschönen Hintergründen der Copacabana stehen die detailarmen Charaktere. So gut wie alle Spielfiguren in Firefall wirken blass und klobig animiert. Unsere High-Tech-Rüstung erinnert mehr an einen Blecheimer als an futuristische Kampfanzüge. Dabei ist der comichafte Gesamtlook gar nicht verkehrt. Fern erinnert das Grafikdesign an eine Cell-Shading-Optik gepaart mit realistisch anmutenden Effekten wie Funkenflug und Explosionen. Ebenfalls zwiegespalten ist die akustische Untermalung. Die Hintergrundmusik weiß meist zu gefallen und passt größtenteils zu dem, was auf dem Bildschirm passiert. Kläglich versagen tut wiederum die Soundkulisse der Effekte. Plasmagewehre klingen wie Wasserpistolen und Maschinengewehre wirken wie Nadelwerfer.
| Firefall | |||||||||||||
| Publisher: | Red 5 Studios | Releasetermin: | 30.07.2014 | Preis: | Free 2 Play | Plattform: | PC | ||||||
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