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Test: Poltergeist – A Pixelated Horror

imageIn Poltergeist: A Pixelated Horror drehen die Entwickler den Spieß um: Statt einen typischen Helden zu steuern, spielt ihr den Geist eines verbitterten Schlossherrn und versucht ungebetenen Eindringlinge klarzumachen, dass sie in den Gemäuern nicht willkommen sind. Ein durchaus originelles Spielprinzip, doch kann es, in Poltergeists Rätsel-Prinzip gekleidet, auch Gameplay-technisch überzeugen? Das erfahrt ihr in diesem Test.

Das textbasierte Intro erklärt uns schnell die Story hinter Poltergeist: A Pixelated Horror: Nachdem Henry B. Knight im Jahr 1890 ein großzügiges Herrenhaus bauen lässt, stirbt kurz nach dem Umzug seine Frau Marie. Das verkraftet Henry nicht und wird zunehmend paranoider, verlässt sein Haus nicht mehr. Vor seinem Tod kündigt er an, dass er es auch nach seinem Ableben nicht verlassen wird, weil er es nicht wie seine Frau verlieren möchte.

Dem natürlichen Lauf der Dinge folgend, zeigen bald jedoch viele Leute Interesse daran, das Haus zu mieten. Henry B. Knight ist das ganz und gar nicht recht und hier beginnt unsere Aufgabe: Wir müssen als Henry B. Knights Geist dafür sorgen, dass diese Menschen das Haus so schnell wie möglich wieder verlassen.

In solchen Text-Sequenzen wird uns immer wieder die Story erläutert

Poltergeist: A Pixelated Horror ist unterteilt in 60 verschiedene Levels, die wir nacheinander spielen müssen und die quasi unverbunden miteinander stehen. Jedes Level ist grundsätzlich gleich aufgebaut: Wir finden eine bestimmte Anzahl an Räumen mit einer unterschiedlichen Anzahl von Personen mit unterschiedlichen Eigenschaften vor. Die Siegbedingungen ändern sich ebenfalls nie: Wenn alle Menschen aus dem Haus gejagt wurden, gilt das Level als gelöst. Um die Sterblichen tüchtig zu schocken, stehen uns bis zu acht unterschiedliche Fähigkeiten zur Verfügung. Jedoch bestimmt das Spiel für jedes Level neu, welche Fähigkeit wir wie oft einsetzen dürfen. Taktik ist also gefragt, denn haben wir keine Fähigkeiten mehr übrig, können wir das Level auch nicht lösen.


                                                        Die Level-Auswahl sieht durchaus originell aus

Die 60 Levels sind unterteilt in vier Zeitalter: Die klassische Epoche, die 80er-Jahre, die Moderne und das „Büro-Zeitalter“. Jede dieser vier Epochen beherbergt 12 Level und 3 spezielle Boss-Level. Um die Level der nächsten Zeit freizuschalten, müssen wir alle vorherigen Levels geschafft haben. Während wir so voranschreiten, wird das Spiel deutlich schwerer und führt immer wieder neue Spielmechaniken ein, schaltet beispielsweise neue Fähigkeiten frei. Insgesamt entwickelt sich so eine sehr angenehme Lernkurve, wobei manche Levels unpassend einfach oder unverhältnismäßig schwer scheinen.

   
Alle Menschen verjagt: Level gewonnen; alle Fähigkeiten verbraucht und noch Menschen da: Level verloren

Interessant wird Poltergeist: A Pixelated Horror dadurch, dass wir es in jedem Level mit einer anderen Konstellation von Räumen, menschlichen Gegnern und eigenen Fähigkeiten zu tun bekommen. Jeder Mensch startet mit bis zu drei Leben, später im Spiel bekommen wir es mit Hunden und speziellen Gegnern wie Priestern, Magierinnen oder „Ghost Hunters“ (Ghostbusters lassen grüßen!) zu tun. Letztere sind imstande, jeweils einige unserer Fähigkeiten zu blocken und zwingen uns zu einer intensiveren Planung.

Unsere Fähigkeiten reichen von einem simplen Verrücken von Gegenständen bis hin zu einem später freigeschalteten Schwarzen Loch, das alle Gegner einsaugt, andere Fähigkeiten erlauben uns auch, die Position der Menschen zu verändern, was diese nie selbstständig zu tun. Stets zu beachten ist, dass die meisten Fähigkeiten einen bis zwei Punkte „Schaden“ verursachen und oft durch vorhandene Gegenstände limitiert werden. Teilweise werden Gegenstände auch noch von damit beschäftigten Menschen blockiert.

Der typische Aufbau eines Levels – hier noch mit einfachen Gegnern

Kurz: Poltergeist: A Pixelated Horror stellt uns vor diverse Knobeleien, jedes Level ist eine Herausforderung für sich. Selbst wenn ein Level nur aus drei Räumen besteht, kann es zur schier unlösbaren Aufgabe werden, alle ungewünschten Eindringlinge loszuwerden. Das ist die Stärke des Spiels, wächst sich allerdings teilweise zum Problem aus: Nachdem wir eine halbe Stunde lang an einem einzigen Level gesessen haben, es immer wieder neu gestartet und immer wieder neu versucht haben, geht uns das doch langsam, aber sicher auf die Nerven. Eine Hilfe-Funktion wäre hier sehr sinnvoll gewesen. Generell ist Poltergeist eh nicht für stundenlange Sitzungen geeignet: Dazu ist es viel zu frustrierend, dass wir stets „von neu“ anfangen müssen und auch schlicht zu repetitiv. Für die schnelle Rätsel-Herausforderung zwischendurch allerdings genau richtig, ein Level braucht nur wenige Minuten.

Als seien einige Level nicht kompliziert genug, müssen wir am Ende jeder Epoche noch drei Level mit einem Boss absolvieren. Die Bosse lassen sich nur besiegen, indem man jede andere Person im Level verjagt, das kann durchaus knifflig sein, weil die Bosse wie ein Bischof oder eine Geisterjägerin einige Tricks mitbringen und gegen alle Fähigkeiten immun sind. Besonders herausfordernd oder herausstechend sind die Bosskämpfe allerdings nicht.

Für das Finden all dieser grotesken Eastereggs gibt es einen Steam-Erfolg

Wie Poltergeist: A Pixelated Horror aussieht, verrät es an sich schon im Titel. Angetrieben von der Unity Engine zeichnet es pixelig-grobe Innenräume, die durch ihre Farbgestaltung und die leicht comichaften Charaktere mit ihren überzogenen Animationen aber an Charme gewinnen. Mit jedem Zeitalter ändern sich passenderweise Aussehen und Ausstattung der Räume. Die Physik-Spielereien hingegen sehen so billig aus, dass es schon fast wieder lustig ist. Unterlegt von einem sehr passenden Soundtrack und Soundeffekten mit Wiedererkennungswert wird das Spiel von der Kulisse her nicht langweilig. Nach einigen Spielstunden fallen die immer gleichen Charakter-Modelle und die schnell repetitive Musik aber negativ auf, für Abwechslung sorgen immerhin die Bosse.

Poltergeist: A Pixelated Horror
Publisher: Glitchy Pixel Releasetermin: 20.10.2014 Preis: 7,99 Eur Plattform: PC, Mac, Linux, PS Vita
Poltergeist: A Pixelated Horror dreht den Spieß um und macht den Spieler zum „Bösewicht“. Das
Spielprinzip gefällt uns sehr gut und auch das Gameplay ist sehr
ordentlich, die Rätsel sind knifflig und bieten eine faire Lernkurve.
Allerdings sind die Möglichkeiten viel zu schnell erschöpft: Schon nach
kurzer Zeit haben wir alle Fähigkeiten freigeschaltet, viel Neues
passiert in den restlichen Leveln nicht, da kann die Motivation dann
schon mal flöten gehen. Gerade, weil wir, ganz grob gesehen, in jedem
Level immer dasselbe machen, haben wir auf längere Sitzungen nicht so
viel Lust. Für zwischendurch macht Poltergeist aber definitiv Laune, und dafür wurde es schließlich auch entwickelt.
Etwas mehr Langzeitmotivation hätte jedoch nicht geschadet.
72
Grafik: 6/10  Gameplay: 7/10 Spielkonzept: 9/10
Steuerung: 7/10 Sound: 7/10 Umfang: 8/10
  • 60 unterschiedliche Levels in 4 Epochen
  • Cleveres Spielprinzip
  • Faire Lernkurve
  • Immer wieder herausfordernd
  • Immer neue Kombinationen von Gegnern und eigenen Fähigkeiten
  • Simple Steuerung, nur via Maus
  • Gameplay wird nach einiger Zeit monoton
  • Viele Wartepausen, immer gleiche Animationen
  • Spiel schnell überfordert, schon zwei Fähigkeiten gleichzeitig führen zu irreparablen Bugs
  • Keine Hilfe, wenn wir mal nicht weiterkommen
  • Fähigkeiten zu früh alle freigeschaltet, Monotonie
  • Wenig dynamisches Gameplay, immer nur eine Lösung
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