Stress, Hektik und manchmal auch ein wenig Angst – Das erwartet uns im neuen Multiplayer-Shooter Evolve von Left 4 Dead-Entwickler Turtle Rock Studios. Seit dem 10. Februar ist der Shooter nun erhältlich und polarisierte schon im Vorfeld durch die auffallende DLC-Politik. Wir haben uns die Verkaufsversion geschnappt und berichten hier von unseren Erfahrungen.
Ausgepackt und losgezockt? Mitnichten, direkt zu Release erwartet uns erstmal ein 3 GB großer Day-One-Patch, der noch einige Kinderkrankheiten ausbügeln sollte. Ohne diesen scheint es wohl nicht mehr zu gehen. Nichtsdestotrotz konnten wir uns pünktlich zu Release auf den Planeten Shear begeben und Jagd auf Monster und Mensch machen.
Überrascht
Wenn jemand noch nicht wissen sollte, um was es in Evolve geht, fasse ich das Ganze mal grob zusammen: Evolve ist ein sogenannter asymmetrischer Mehrspieler-Shooter. Bekannte Genre-Vertreter bauen auf zahlenmäßig ausgeglichene Teams, wohingegen die asymmetrischen die Teams wild durcheinander würfeln. Zahlenmäßig und auch im Bereich Ausrüstung gibt es hier große Unterschiede. Andere aktuelle Beispiele sind zum Beispiel Nosgoth oder Depth.
Der Grundgedanke für Evolve war laut Aussage der Turtle Rock Studios der Kampf einer von Menschen gesteuerten Gruppe gegen einen Boss, der ebenfalls von einem menschlichen Mitspieler gesteuert wird. Soweit ist die Idee nicht unbedingt neu, aber dennoch erfrischend anders, gemessen an dem, was uns der Entwickler mit dem fertigen Spiel auftischt. Nach dem Anspielen der Big Alpha und später der Beta war ich skeptisch, was die Langzeitmotivation angeht und den Verkaufspreis eines Vollpreistitel rechtfertigt. Diese Skepsis ist nun verschwunden. Evolve als Multiplayer-Shooter ist momentan einzigartig auf dem Markt.
Ein Monster, sie zu knechten
Die Grundpfeiler bilden also die Kämpfe zwischen Menschen und einem Monster. Unnötig zu erwähnen, dass bei diesem Grund-Gameplay auch ein Menge schief gehen kann. Gerade im Hinblick auf Balance ist von den Entwicklern Fingerspitzengefühl gefordert. Denn alles, was ein solches Gameplay unausbalanciert erscheinen lässt, könnte für den Titel den Tod bedeuten. Doch zum Glück haben die Turtle Rock Studios mit der Verlagerung der Veröffentlichung im Februar 2015 richtig gehandelt, um solche Krankheiten auszumerzen.
Dass das Katz-und-Maus-Spiel vernünftig funktioniert, liegt also zum einen am Design der Jäger und zum anderen an den Monstern. Zum Start schafften es drei dieser Ungetüme ins fertige Spiel. Mit dem Goliath, dem Kraken und dem Geist stehen uns drei völlig unterschiedliche Bluthochdruckverursacher zur Verfügung. Ein weiteres Monster, der Behemoth, wurde schon angekündigt und ist Teil des Pre-Order-Bonus. Dazu aber später mehr.
Schon beim Ansehen der Monster-Trailer wird ersichtlich, dass das Grundkonzept aller bisherigen Monster grundverschieden ist. Der Goliath ist der dicke Brocken, der genauso viel einsteckt wie er austeilt. Mit mächtigen Ramm-Attacken und einem Feueratem kann er zudem auch auf mittlerer Distanz ordentlich zulangen. Bis man aber mit dem Jäger-Team auf Tuchfühlung gehen sollte, empfiehlt es sich, erstmal auf Tauchstation zu gehen und in der befremdlichen Umfeld zu schleichen. Auf Stufe 1 sind wir dem Jäger-Team noch klar unterlegen und sollten uns auf keine offene Konfrontation einlassen. Stattdessen versuchen wir uns möglichst geräuscharm fortzubewegen und genug Tiere zu finden. Diese benötigen wir nämlich, um uns einen Schutzpanzer anzufuttern und zur nächsten Stufe zu evolvieren. Die Jagd auf Tiere ist also für Spieler der Ungetüme essentiell. Mittels Geruchssinn können wir zudem unsere Umgebung durch eine Art Radar besser sichtbar machen und wittern Tiere sowie Menschen, um diesen dann aus dem Weg zu gehen oder in einen Hinterhalt zu locken.
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Auf Stufe 2 verändern wir uns nicht nur äußerlich. Bei Stufenaufstieg können wir drei Punkte auf vier Talente verteilen, um diese damit zu verbessern. Im Falle des Goliath wären das dann der Felswurf, ein Feueratem, der Schmettersprung und die Rammattacke. Auch unser Lebensbalken steigt um eine beträchtliche Größe an. Allerdings ist darauf zu achten, dass es in Evolve keine automatische Lebensregeneration gibt. Haben wir uns an den Jägern übernommen und mussten fliehen, bieten uns nur der Schildpanzer und temporäre Power-ups, die durch das Töten von besonderen Wildtieren erlangt werden können, eine erneuerbare Verteidigung. Futtern wir uns dann schließlich bis zu Evolutionsstufe 3 hoch, dreht sich mitunter das ganze Grundgerüst von Evolve. Die Jäger werden zu Gejagten. Mit wenigen Angriffen ist es uns nun möglich, einen Jäger aus dem Leben zu kegeln. Erwischen wir einen Menschling abseits seiner Gruppe, bedeutet dies meist den Tod der bedauernswerten Kreatur. Zudem ist es uns aber in der dritten Stufe möglich, ein zentrales Strom-Relais zu zerstören, was uns ebenfalls den Sieg bringt. Allerdings ist es meist einfacher, sich die Jäger vorzunehmen, da wir ein gefühltes Jahrhundert auf das Relais einprügeln müssen, bis es zerstört ist. Allerdings bietet sich hier die Möglichkeit, eine vermeintliche Niederlage doch noch abzuwenden. Ist man bereits schwer angeschlagen, können geschickte Spieler die Jägertruppe gezielt von der Fährte abbringen und sich hinterrücks wieder zum Relais schleichen.
Lernkurve
Wem der Goliath nun aber rein äußerlich nicht zusagt, muss ihn trotzdem spielen. Warum? Weil die anderen Monster erst freigeschaltet werden müssen. Dies erreichen wir durch Erfüllen von festgelegten Aufgaben wie „Füge mit dem Schmettersprung 6000 Schaden zu“. Am Ende jeder Runde gibt es Punkte in den Kategorien. Nachdem die Vorgaben erfüllt wurden, ist ein neues Monster, oder im Fall der Jäger ein neuer Charakter, freigeschaltet. Auf die Jäger-Truppe werde ich weiter unten noch genauer eingehen.
Somit müssen wir erstmal eine gehörige Weile spielen bis wir das präferierte Biest freischalten. Das mag einigen vielleicht auf den ersten Blick nicht gefallen, erweist sich aber im Grundgedanken als richtige Entscheidung. Während sich die Jäger von jedem, der schon einmal einen First-Person-Shooter gespielt hat, halbwegs gut steuern lassen, erfordern die Ungeheuer ein wenig mehr Einarbeitungszeit welche sich im Hinblick auf die unterschiedliche Konzeptionierung und Spielweise exponentiell erhöht. Somit werden Spieler, die die Monster bevorzugen, automatisch auf die richtige Bahn gelenkt, um das Überleben auf dem Planeten Shear zu lernen. Klar kann das als Eingriff in die spielerische Freiheit gewertet werden, jedoch werden wir so zumindest nicht mit einer Überzahl an Spielmöglichkeiten überhäuft, sondern entdecken nach und nach mehr Möglichkeiten. Des Weiteren bildet das Freischalten weiterer Spielinhalte den hauptsächlichen Motivationsschub bei Evolve.
Wie schon erwähnt ist der Goliath das erste Monstrum, mit dem wir die Jäger aufs Korn nehmen. Als nächste Freischaltung wartet dann der Kraken, der mit seiner Fähigkeit des Levitierens den Menschen die Verfolgung erschweren kann, da so kaum Spuren hinterlassen werden. Zudem weiß er sich mit Blitzschlägen, Banshee-Minen und einem Wirbel-Schuss zu wehren. Der dritte im Bunde wäre der Geist. Dieser setzt in Punkto Spielstil auf Täuschung und Tarnung, erschafft einen Doppelgänger von sich und haut im Nahkampf außerordentlich hart zu. Durch seine wahnsinnig schnellen Bewegungen tut man sich zudem auch schwer, das Biest vernünftig ins Visier zu nehmen.
Jägermeister
Dem Monster gegenüber stehen die Jäger, die von Anfang versuchen sollten, ihm auf den Fersen zu bleiben. Dabei gilt es vor allen Dingen, seine Umgebung im Auge zu behalten. Auffällig leuchtende Fußspuren verraten den Laufweg des Monsters, aufgeschreckte Vogelschwärme geben die aktuelle Position preis und umgekippte Bäume sowie Tier-Kadaver geben ebenfalls Hinweise auf den Standort des Monstrums. Kommt es zum Kampf, wird es hektisch. Gerade Einsteiger sehen nur noch Blitze und grelle Farben. Da braucht es Erfahrung, um die stressigen Gefechte zu überblicken.
Das Team der Jäger ist in vier unterschiedliche Klassen aufgeteilt, die alle eine andere Aufgabe im Spiel übernehmen, aber zeitgleich alle unerlässlich für den erfolgreichen Jagdausflug sind. So ist gerade in der Anfangsphase die Trapper-Klasse gefragt, um die Fährte des Monsters aufzunehmen und zu verfolgen. Spielt man den Charakter Maggie, hat man sogar das Alien-Hündchen Daisy dabei, welches die Spuren des Monsters verfolgt und uns somit zu ihm führt. Des Weiteren belebt es ausser Gefecht gesetzte Kameraden zuverlässig im Kampf wieder. Läuft man dann einem Monster über den Weg, setzt man die klassenumfassende mobile Arena ein, um den übergroßen Stressmacher in einem Areal einzufangen. Klassenumfassend bedeutet bei Evolve, dass zwar jeder (freispielbare) Charakter einer Klasse unterschiedliche Ausrüstung hat, es aber eine Fähigkeit gibt, die bei allen gleich ist. Haben wir also die mobile Arena errichtet, gilt es nun entweder mittels Harpunenhaken das Monster weiter einzuschränken oder selber Schaden zuzufügen.
Nun schlägt die große Stunde des Assaults. Der ist der Haudrauf der Truppe und ist dafür zuständig, dem flüchtigen Vieh ordentlich Schaden zuzufügen. Der erste wählbare Assault ist Markov, der mit dem Blitzgewehr, einem Sturmgewehr und Minen zu Werke geht. Um seiner Hauptaufgabe nachgehen zu können, muss sich der Assault aber regelmäßig recht dicht an das Monster herantrauen. Damit er das überlebt, gibt es die Klassenfähigkeit eines Schutzschildes. Witziges Detail: Alle drei Assault-Charaktere, namentlich Markov, Hyde und Parnell, scheinen Probleme mit den Augen zu haben. So tragen die beiden Erstgenannten jeweils eine Augenklappe, während Parnell eine Dauer-Sonnenbrille auf hat.
Damit der Assault im Kampf nicht gleich den Löffel abgibt, schreitet der Medic zur Tat. Ausgerüstet mit der Medgun peppelt der erste Medic-Character Val ihre Kameraden wieder auf oder verlangsamt das Monster mit Tranquilizer, welches das Monster temporär sogar auf der Karte sichtbar macht. Zudem kann sie mit ihrem Scharfschützengewehr den Schutzpanzer des Monsters deutlich schneller als ihre Kollegen dezimieren und sorgt somit dafür, dass das Ungetüm mehr Schaden erleidet.
Das Quartett komplett macht der Supporter. Je nach Charakterwahl unterstützt der Supporter das restliche Team mit einem Schildgenerator, bietet Schadensverstärker oder lässt einen vernichtenden Orbitalschlag in Form von Raketeneinschlägen niedergehen. Der einzige nicht-menschliche Charakter, Bucket, kann zudem stationäre Wächter-Kanonen aufbauen.
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T.E.A.M. – Toll, ein anderer macht’s!
Wer in Evolve nach dem obigen Leitspruch agiert, wird ziemlich schnell merken, dass damit kein Blumentopf zu gewinnen ist. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der Klassen sind allesamt gut aufeinander abgestimmt und offenbaren bei näherer Betrachtung mannigfaltige Möglichkeiten, um den Job als Monster-Kammerjäger auf Shear bestmöglich auszuüben. So macht der Orbitalschlag von Supporter Hank nur dann wirklich Sinn, wenn das Monster durch Maggies Harpunenhaken festgehalten wird und im Idealfall durch Val’s Betäubungsschüsse zusätzlich verlangsamt wird. Ein einzelner Jäger ist für das Monster bestenfalls das Frühstück, also sollte ein jeder für den anderen einspringen. Nicht nur der Medic kann gefallene Konsorten wiederbeleben, das kann jeder Jäger und sollte es auch tun, sobald ein Team-Mitglied außer Gefecht gesetzt wurde. Schafft man das nämlich innerhalb eines Zeitlimits nicht, stirbt derjenige und darf 2 Minuten als Spectator am Geschehen teilnehmen und Fingernägel knabbernd darauf warten, wieder eingesetzt zu werden. Und 2 Minuten sind bei Evolve eine verdammt lange Zeit. Ein geübter Monster-Spieler wischt in dieser Zeit mit dem gesamten Jäger-Team den Boden auf.
Hier entfaltet Evolve seine ganze Dramatik. Die letzten 30 Sekunden, bevor der rettende Transporter die zuvor getöteten Team-Kameraden abwirft, erscheinen dem verbleibenden Jäger wie eine Ewigkeit, während er panisch-schwitzend versucht, sich in Sicherheit zubringen. Ihm auf den Fersen der Stufe 3-Goliath, der in letzter Evolutionsinstanz nicht nur turmhoch ist, sondern sich auch äußerst agil fortbewegt. Ungestüm walzt er spielend sämtliche Vegetation nieder und der Spieler spürt förmlich den heißen Feueratem hinter sich, während er auf den Timer starrt, damit dieser endlich die Null anzeigt. Wow – Das ist Spannung vom Feinsten und Dramaturgie in Höchstform.
Perks für jede Gelegenheit
Wie die unterschiedlichen Konfrontationen ausgehen, hängt in erster Linie natürlich von allerlei Faktoren wie Team-Koordination, Skill oder Ausrüstung ab, wird aber auch von Perks maßgeblich beeinflusst. Vor jeder Runde wählen wir eine Verbesserung aus, die sich bei den Jägern bspw. in einer schnelleren Jetpack-Aufladung und bei den Monstern in erhöhtem Schaden oder verstärktem Geruchssinn resultieren. Mit jeder Spielerstufe, die wir aufsteigen, erhalten wir ein Perk dazu.
Dynamische Perks sorgen dann im Spiel für eine temporäre Verstärkung. So gibt es bestimmte Wildtiere, die man erlegen kann, um sich die vorübergehende zu schnappen. Aber Vorsicht – die Verbesserung ist für jeden zugänglich. Habt ihr also als Jäger ein solches Wildtier erlegt, versäumt aber euch den Vorteil zu sichern, kann das Monster sich diesen Vorteil unter den Nagel reißen und sich dann über erhöhte Bewegungsgeschwindigkeit, Gesundheitsregeneration oder andere Boni freuen.
Diese ganzen Faktoren machen es schwierig, die aktuelle Balance zu bewerten. Im Test gab extrem langwierige und spannende Runden, in der sich Monster und Jäger nichts schenkten und auf einem Level zu sein schienen. Ebenso gab es aber auch Runden, die nach 2 Minuten zu Ende waren, weil sich das Jäger-Team entweder einzeln erwischen ließ oder sich das Monster extrem dumm anstellte. Das Ganze ist deswegen von Belangen, weil es sich bei Evolve um einen forcierten Mehrspieler-Shooter ankommt und gerade das Balancing in asymmetrischen Spielen entscheidend für den Fortbestand des Spiels ist. Bei knapp 10 Spielstunden kamen wir auf ein gefühlt ausgeglichenes Verhältnis zwischen gewonnenen und verlorenen Runden, geht also aktuell weitestgehend in Ordnung. Lediglich ein gut gespielter Geist war bisher nicht wirklich tot zu bekommen und schaffte es stellenweise schon auf Stufe 1, unser Team auszulöschen.
Scheinhafte Abwechslung
Hauptgrund für meine Skepsis nach der Alpha- und Beta-Phase war die fraghafte Langzeitmotivation, die mir am meisten Sorgen bereitete. So ist die Grundidee zwar eine erfrischende Abwechslung im Shooter-Einheitsbrei, doch wie lange mag das zu begeistern? Um diesem Problem Herr zu werden, implementierten die Turtel Rock Studios mehrere Spielmodi in Evolve, die zwar allesamt grob dasselbe Ziel vor Augen haben, den Fokus hin und wieder aber auf andere Dinge richten sollen.
Die Kerndisziplin stellt der Modus Jagd dar, in dem ganz klassisch ein Team das andere (Monster) vernichten muss. Da das auf Dauer aber ein wenig eintönig wäre, begriffen zum Glück auch die Entwickler und bescherten uns bspw. den Nest Modus. In diesem gilt es die Eier der Kreatur zu vernichten. Nein, hier müsst ihr nicht dem Monster zwischen die Beine zielen… Auf der Karte sind 6 Monster-Embrios in Eiform verteilt, die man zerstören muss, damit das hässliche Etwas keine Nachkommen mit in den Kampf bringt. Diese sind zunächst durch eine dicke Schalte geschützt, was das Zerstören gar nicht so einfach macht. Das Monster hingegen versucht, seine Sippschaft auszubrüten, um mit Unterstützung gegen das Kämpferteam vorgehen zu können.
Dann gäbe es noch den Modus Verteidigung, der am meisten dem Jagd-Modus ähnelt. Während das dauerzornige Ungeheuer das Jäger-Team auslöschen will, müssen die humanoiden Kontrahenten eine Energiequelle schützen. Der letzte Modus, Rettung, ist sozusagen das Jäger-Pendant zum Nest-Modus. Auf der Karte sind Überlebende verteilt, die man erst reanimieren und dann zum Abholpunkt eskortieren muss.
Die Idee meherer Spielmodi unter den obersten Gameplay-Mechnismen zu vereinen, ist löblich, leider wirken manche davon ein wenig aufgesetzt und fügen sich nicht so nahtlos in die Gesamtstruktur ein. Woran das liegen mag, lässt sich nur schwer beurteilen. Aktuell laufen die meisten der Modi jedoch auf das gegenseitige Finden und Töten hinaus. Eine Besonderheit stellt dagegen der Evakuierungsmodus dar. In dieser knapp einstündigen Mini-Kampagne durchläuft man mehrer Karten mit wechselnden Spielmodi. Der Clou daran: Je nachdem wer die vorherige Begegnung gewinnt, muss in der nächsten Runde mit Beeinträchtigungen klar kommen bzw. erhält Vorteile. Ein Beispiel: Gewinnt das Monster die erste Runde, haben es die Jäger in der darauf folgenden Runde mit giftigen Nebelwolken zu tun oder müssen sich mit einem vermehrten Wildtieraufgebot herumschlagen. Das Monster hat dadurch mehr potenzielle Beute und kann schnell „evolvieren“. Gewinnen die Menschen, sind bspw. auf der nächsten Karte automatische Geschütztürme verteilt. Diese dynamische Entwicklung motiviert unerwartet stark und hat mit einer durchschnittlichen Länge von einer Stunde den perfekten Umfang für eine „verlängerte Runde“ zwischendurch.
Alle Spielmodi und Variationen spielen sich auf dem Planeten Shear ab, was einen großen Kritikpunkt an Evolve aufwirft. Die unterschiedlichen Karten erzeugen nur den Schein von Variation. Angegeben ist eine Menge von 12 unterschiedlichen Maps, welche sich aber in der Praxis kaum voneinander unterscheiden. Hätte ich diese Info nicht, könnte ich nur schätzen, wie viele Karten es gibt. Zu einseitig sind die Aneinanderreihungen von Elementen wie Waldgebiet, Höhlen, Vorposten und Ruinen. Hier wären in kommenden DLCs neue Planeten, die vielleicht einer anderen Klimazone angehören wünschenswert. Nichtsdestotrotz fühlt man sich auf Shear direkt in eine fremde Vegetation versetzt. Überall fremdartige Pflanzen und Tiere die mit ihren Ausrufen und Design die Atmossphäre toll unterstreichen. Fleischfressende Pflanzen, kleine und große Tiere – all das stellt für die Menschen eine Gefahr da. Der menschenfeindliche Planet wird damit glaubhaft untermauert und strahlt eine eigensinnige Bedrohlichkeit aus. Bitte zukünftig mehr davon, nur mit mehr Abwechslung.
Was mir sehr gefallen hat, ist die vertikale Ausrichtung der Maps. Hier bleibt man nicht auf dem Boden der Tatsachen, sondern nutzt den Raum dadurch aus, dass sich Monster wie auch Jäger horizontal wie auch vertikal fortbewegen können und müssen. Viele Felswände und nahezu alle Gebäude lassen sich erklimmen. Während der Goliath bspw. ein wahrer Kletterprofi ist, hat das Jäger-Team Jetpacks auf den Rücken geschnallt und erreicht somit auf Knopfdruck höher gelegene Gebiete. Allerdings ist der Einsatz des Fluggeräts beschränkt. Zwar lädt sich die Energie für das Jetpack wieder automatisch auf, eine gutes Aushalten damit ist trotzdem nötig, um nicht im entscheidenen Moment in einen Felsspalt zu stürzen und damit die Verfolgung des Monsters auf Kosten wertvoller Zeit zu unterbrechen oder im Kampf nicht mobil genug zu sein.
Einzelgänger
Zuerst wollte ich den Evolve-Test in Einzelspieler und Multiplayer trennen. Nach 2 Stunden im Single-Player hab ich diese Pläne dann verworfen. Hat man seine Internetrechung nicht bezahlt oder ist aus sonstigen Gründen offline, bietet Evolve zwar auch einen Solo-Player, jedoch reicht dieser nicht an die Kernausrichtung Multiplayer heran. Aber das ist kein Kritik-Punkt. Der Einzelspieler eignet sich hervorragend dafür, die einzelnen Klassen und insbesondere die Monster anzutesten und ein Gefühl für sie zu entwickeln. Auch dank der Bots, die angenehm clever agieren, lohnt es sich, in einem Solo-Ausflug das Spiel und die Gegebenheiten zu erkunden. Zudem werden eure verdienten Erfahrungspunkte in den Multiplayer-Modus mit übernommen und umgekehrt. Habt ihr also ein neues Monster freigespielt, braucht ihr euch nicht direkt online den Hintern versohlen zu lassen, sondern könnt das Vieh im Soloplayer erst einmal lernen. Und von Zeit zu Zeit ist das auch nötig, denn Evolve ist in der Grundform zwar recht intuitiv, erfordert aber zunehmende Lernbereitschaft, um erfolgreich zu bleiben. Und ehrlich gesagt habe ich eine derartige Vielschichtigkeit partout nicht erwartet. Mit zunehmender Spieldauer sind die Auseinandersetzungen von Elementen taktischer Natur geprägt und man lernt, dass Zusammenarbeit hier mehr bedeutet, als sich gegenseitig Deckung zu geben.
Wer gänzlich neu bei Evolve einsteigt, sollte sich zudem die verschiedenen Tutorialvideos ansehen. Ja schon klar, Gamer von heute brauchen das nicht… aus den Videos jedoch lassen sich jedoch viele hilfreiche Tipps ziehen, die das Spielgeschehen zu eurem Vorteil verbessern.
Und hübsch ist er auch noch
Angefeuert von der aktuellen CryEngine gibt sich Evolve ebenfalls kaum einen Makel. Der Grafik-Motor erzeugt ein ebenso rundum stimmiges wie technisch solides Gesamtbild. Detaillierte Charakter-Modelle bei den Jägern wie auch den Monstern, scharfe Landschaftstexturen sowie ansehnliche Spezial-Effekte runden das Spiel-Erlebnis ab. Aktuelle CPUs und Grafikkarten schaffen problemlos Auflösungen von über 1080p. Wer allerdings auf 60fps spielen möchte, muss eine Systemdatei editieren. Im Spiel selbst lässt sich das Fps-Cap leider nicht umstellen oder aufheben.
Des Weiteren bieten die Wettereffekte wie Neben und Regen neben spielverändernden Auswirkungen ebenfalls was fürs Auge und sind naturgetreu dargestellt.
Ebenfalls der Atmosphäre dienlich sind die Soundeffekte. Die Jäger versprühen einen tollen Raubein-Charme, genau so stellt man sich ein intergalaktisches Jägerkommando vor. Vor dem Absprung ins Zielgebiet wird sich da zum Beispiel über das bevorstehenden Abendessen oder andere Kinkerlitzchen unterhalten. Auch die Flora und Fauna von Shear wirken sehr lebendig und verdanken dies der tollen Geräusche, die insbesondere die Tierwelt von sich gibt. Zudem ist im Bereich Audio ein weiterer Gameplaykniff versteckt. So lässt sich das Monster anhand der Töne, die es von sich gibt, auch recht gut orten, was dem taktischen Anspruch nochmal mehr Tiefe verleiht. Einzig die Musikuntermalung gibt anlass zur Kritik – dese ist weitestgehend belanglos und wenn ich so überlege, kann ich mich an keine einziges Riff aus dem Soundtrack erinnern. Auf der anderen Seite wären laute und rockige Soundtracks dem Spielfluss aber nur hinderlich und würden das Geschehen auf Kosten der Spannung in ein Arcade-lastiges verwandeln.
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DLC anyone?
Jaja, was musste Evolve im Vorfeld an Kritik hinsichtlich der DLC-Politik einstecken – Und das auch zu Recht. Das Spiel wird als Vollpreistitel vertrieben und der Publisher bietet wie üblich eine Zahl an Vorbestellerboni an, um Käufer im Vorfeld zu locken. Wer sich also Evolve vorbestellt hat, erhält Zugang zum (noch nicht veröffentlichten) vierten Monster, dem Behemot. Zu weit, so gut. Wer allerdings erst zum oder nach dem Release in die spaßige Monsterhatz mit einsteigt, kann sich bei Erscheinen den Behemoth für übertriebende 15 Euro kaufen. Das ist nicht nur maßlos überteuert sondern sendet auch Signale der Panik. So kann man sich gut vorstellen, dass der Publisher allein mit diesem „Angebot“ sicherstellen will, dass Evolve auch ja genug einspielt.
Weiterer Streitpunkt ist der Season Pass. Allgemein bekannt ist die Bedeutung des Season Pass, dass einem mit dem Erwerb desselbigen der gesamte zukünftige Spielinhalt bereitsteht. Das ist kein fest verankertes Gesetz, aber in Allgemeinen wurde der Begriff durch eben diese Bedeutung geprägt. Bei Evolve ist das anders. Der Hunting Season Pass enthält neben drei Monsterskins einen neuen spielbaren Charakter für jede Jäger-Klasse, die noch in diesem Frühjahr erscheinen sollen. Separat sind diese danach für jeweils 7,49€ zu erwerben. Die Preispolitik ist für mich nur unverständlich. Fast 8 Euro für einen neuen spielbaren Charakter grenzt an Dreistigkeit und hat zurecht viele Fans im Vorfeld erzürnt.
Der dritte Punkt ist der Ingame-Shop. Dieser bietet zum aktuellen Zeitpunkt nur kosmetische Anpassungen, aber 3 Euro für eine Skin? Ernsthaft? Würde ich mich in einem Free2Play oder Pay2Play-Game befinden, würde ich diese Politik ja nachvollziehen können. Aber immerhin lege ich 50-70 Euro, je nach System, für Evolve auf den Tisch. Und auch hier erwähne ich, dass Evolve solche Preise nicht nötig hat, liebes 2K Games-Team.
Allerdings gibt es auch positive Seiten. So werden zukünftige Karten kostenlos ins Spiel implementiert und stellen so sicher, dass auch Nicht-Käufer der Erweiterung mit den Käufern zusammen spielen können. Wie ich finde, eine elegante Lösung, zumal das Vertreter wie Battlefield seit jeher anders machen. Lehne ich da den Kauf der Erweiterungen ab, kann ich mit meinen Freunden nur auf den Standard-Karten des Spiels Spaß haben, von neuen Waffen mal ganz zu schweigen. Entwarnung kann allerdings in dem Punkt gegeben werden, dass die Befürchtung im Raum stand, dass schon fertige Inhalte aus dem Spiel genommen wurde, um sie danach als DLC zu verkaufen. Die uns vorliegende Verkaufs-Version machte zu wirkliche keiner Zeit den Eindruck, als würde etwas fehlen oder sei sie auf irgendeine andere Art unfertig.
Halten wir also fest: Die zukünftigen zahlungspflichtigen Spielinhalte sind hoffnungslos überteuert. Auch im Bereich der Skins, ist der Preis meines Erachtens nach zu hoch angesetzt. Jedoch wird erst die Zukunft zeigen, ob die Preise der zusätzlichen Charaktere und Monster gerechtfertigt sind. Auch hat Evolve das Bombardement der Kritik für die DLC-Politik nur bedingt verdient, da künftige Karten gratis angeboten werden. Da siehts bei anderen Titeln noch viel düsterer aus. Wer eine offizielle Erklärung der DLC-Inhalte lesen möchte, wird auf der offiziellen Homepage fündig.
Und sonst so?
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich anfangs von Evolve weitaus weniger erwartet habe, als mir in der Verkaufsversion geboten wird. Allein das Wagnis, ein bisher kaum benutztes Spielprinzip als Kernpunkt zu deklarieren, verdient in Zeiten von den immer gleichen Nachfolgern ein dickes Lob. Evolve wagt ein Experiment, das sogar funktioniert und muss dafür gewürdigt werden.
Des Weiteren spielt sich der Titel immer direkt und intuitiv und offenbart auch nach längerer Spielzeit noch weiterführende Elemente und lädt zum erneuten Ausprobieren ein. Die zugegebenermaßen sehr chaotischen Kämpfe bergen aber ein auf den ersten Blick nicht sichtbares taktisches Potenzial, das spaßige Abende mit Freunden garantiert. Sofern man denn welche hat. Im Multiplayer mit Kollegen entfaltet Evolve erst seine komplette Wirkung und die Freischaltung von neuen Charakteren und Boni motiviert ungemein.
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Kritikpunkte sind die eindeutig die abwechslungsarmen Karten. Zwar sind diese obendrein nicht besonders groß, aber angesichts des Spielprinzips fällt das gar nicht auf. Jedoch wünsche ich mir hier für die Zukunft deutlich unterschiedlichere Thematiserungen eine ausserirdischen Vegeation. Auch das Spielprinzip enthält das negative Potenzial, trotz verschiedener Spielmodi und Freischaltungen, auf Dauer zu ermüden. Denn im Grunde laufen die Runden immer nach einem Versteckspielprinzip ab. Das sorgt zwar fast immer für Spannung, jedoch wird sich erst in einigen Wochen oder Monaten zeigen, wie lange Evolve den Spieler zu fesseln vermag.
| Evolve | |||||||||||||
| Publisher: | 2k Games | Releasetermin: | 10.02.2015 | Preis: | 50-70€ | Plattform: | PC, Xbox One, PS4 | ||||||
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