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Test/Review: Warhammer 40.000: Regicide – Verschenktes Potential

imageWarhammer 40.000: Regicide vereint klassisches Schach und rundenbasierte Taktikkämpfe in einem erfrischenden Spielprinzip miteinander. Zusammen mit brutalen, eindrucksvollen Animationen und einer umfangreichen Kampagne, bestehend aus 50 Missionen, scheint es sich doch hier um einen recht vielversprechenden Titel zu handeln. Leider falsch – warum genau verraten wir in diesem Test.  

Old but gold – was taktische Tiefe angeht, kann sich das klassische Schach hier zu den besten Vertretern zählen. Warum das also nicht aufgreifen und in eine actiongeladenere Umgebung wie in die Welt von Warhammer packen?  

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Blutiges Brettspiel

Warhammer 40.000: Regicide tut genau das – fügt dem grundlegenden Spielprinzip von Schach aber noch eine eigene Note hinzu. Hier gibt es neben dem gewohnten Ziehen und Schlagen von Spielfiguren noch die Möglichkeiten, auch deren unterschiedliche Fähigkeiten gegen den Feind einzusetzen. Im Gefecht auf dem Schachfeld kommt daher nach der Zugphase die Actionsphase, in der dem Spieler bis zu fünf Actionspunkte, je nachdem wie viele er in seiner Runde verwenden möchte, zur Verfügung stehen, die er nach Bedarf in Fähigkeiten seiner Figuren investieren kann, um gegnerische Einheiten zusätzlich zu schwächen. Die einfachen Baueren können hier beispielsweise ihre Feuerwaffe gebrauchen und so aus der Entfernung angreifen oder der Turm kann sich selbst ein Schild verleihen, mit dem er vor dem nächsten Angriff geschützt ist.

Insgesamt bringt dieses Spielprinzip eine zusätzliche Ebene an taktischer Vorgehensweise mit sich, da man in einigen Fällen nur durch Fernkampfangriffe oder Fähigkeiten wichtige feindliche Figuren aus dem Spiel nehmen kann. Zusammen mit den brutalen aber doch eindrucksvollen Tötungsanimationen und passenden Sounds kann sich dieses Grundsystem durchaus sehen lassen und bringt frischen Wind in das klassische Schach. Dennoch ist beim Design der eigentlichen Spielfiguren zu kritisieren, dass diese sich auf den ersten Blick zu ähnlich sehen und man so bei einem kurzen Überblick über die Aufstellung seiner Einheiten beispielsweise gerne mal den Springer mit einem Bauern verwechselt – für ein auf Taktik aufgebautes Spiel sehr ungünstig.

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Eintönige Storymissionen und peinliche Übersetzungsfehler

Bei der Kampagne kommt dann leider schon nach den ersten fünf Missionen schleichende Langeweile auf, schlicht und einfach weil die Geschichte um die Invasion einer Orkarmee auf einen Planeten, bei der man während dem Kampf gegen diese Armee aus Grünhäuten ein seltsames Signal empfängt, das schlussendlich dazu führt, dass man sich als Kommandant der rot gepanzerten Bloodangels nur noch größerem Ärger gegenübersieht, viel zu eintönig inszeniert ist. In vertonten Textfeldern werden uns vor Missionsbeginn die Ziele für ein erfolgreiches Weiterkommen angezeigt, dann geht es auch schon aufs Schlachtfeld. Dort sehen wir uns meistens einer bestimmten Aufstellung von Gegnern gegenüber, die teilweise auch unfair in der Überzahl sind oder viel stärkere Figuren besitzen als wir selbst. Zum Glück ist die KI in ihrer Spielweise äußerst wechselhaft und so kann es sein, dass sich der gegnerische Läufer todesmutig auf einen unserer Bauern stürzt, während wir die so unnötig geöffnete Deckung nutzen, um von hinten heraus abzuräumen. Glücklicherweise lautet nicht jede Mission „Töte alles und jeden“, sondern verlangt beispielsweise auch, dass wir eine bestimmte gegnerische Figur mit einer Fähigkeit außer Gefecht setzen oder uns mit dem Springer an einen bestimmten Punkt bewegen. Sonderlich spaßig ist das ganze jedoch nicht, zusammen mit der öde präsentierten Story sind die 50 Missionen zwar umfangreich, können sich aber auch stark in die Länge ziehen.

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Ein weiterer Patzer sind die teilweise peinlichen Übersetzungsfehler des Spiels oder gar nicht vorhandene Übersetzungen. Trifft zum Beispiel der Angriff einer Einheit nicht, dann wird „Ferfehlt“ eingeblendet, was leider nicht gerade selten vorkommt. Oder im Tutorial übersetzte Texte passen nicht vollständig in die dafür vorgesehenen Boxen und brechen somit mitten im Satz ab. Solche Fehler sind während dem Spielen immer wieder aufgefallen und haben für Stirnrunzeln gesorgt.

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Unzählige Frustmomente 

Während den eigentlichen Kämpfen ist es leider nicht nur bei einem Stirnrunzeln geblieben: Wo die bereits erwähnten unfairen Figurenverteilungen schon für Frust sorgen, stößt das Trefferprinzip in der Aktionsphase auf Unverständnis. Denn ob einige Fähigkeiten hier treffen hängt schlicht und einfach vom Zufall ab. Mit 64% Wahrscheinlichkeit findet der Bauer aus der Ferne sein Ziel, im Nahkampf sind es 90%. Das ist jedoch komplett unsinnig, wenn man bedenkt, dass es sich hier um ein Taktikspiel mit dem Grundprinzip von Schach handelt und der Zufall dort absolut nichts verloren hat, wenn es darum geht, ob der Gegner jetzt eine Figur weniger auf dem Feld hat oder nicht. Nicht selten gab es die Situation, dass drei Bauern nacheinander das Feuer auf eine gegnerische Einheit eröffneten, alle drei aber „Ferfehlten“, einfach weil der Zufall es so wollte und so der zuerst völlig kopflos erscheinende Zug des Kontrahenten erfolgreich war. Das bedeutet im Endeffekt aber auch, dass einige Spielzüge komplett nach hinten losgehen können und sehr viel an möglicher taktischer Tiefe einfach zunichte gemacht werden – hier wurde das Potential eines kompletten Spielprinzips untergraben.

Auch im Mehrspielermodus geht dadurch extrem viel Potential verloren, immerhin will man seinen Gegner ja durch vorausschauendes Platzieren der Figuren schlagen und nicht, weil man einfach mehr Glück hat. Immerhin hält sich das alles soweit in Grenzen, dass wenn man sich im Skirmish-Modus (ein einfaches Duell mit der normalen Schachaufstellung gegen KI oder menschlichen Gegner) überwiegend auf das Ziehen von Figuren konzentriert, als das Benutzen von Fähigkeiten. Da ist der klassische Modus im Gegensatz zu Regicide eigentlich am besten gelungen, denn dort gibt es keine zusätzlichen Fähigkeiten und ist somit ein ganz gewöhnliches Schachspiel im Warhammer-Look. Ohne Zufall. Mit richtiger Taktik.

Warhammer 40.000: Regicide
Publisher: Hammerfall Publishing Releasetermin: 08.09.2015 Preis: 14,99 € Plattform: PC
Schade, Schach gepaart mit rundenbasiertem Shooter ist eine gute Idee, wenn man diese dann auch richtig umsetzt. Leider geht das bei einem Zufallsprinzip nur bis zu einem gewissen Grad und hört spätestens dann auf, wenn man sich komplizierteren und ausgefeilteren Spielzügen widmen will. Hier wird richtig Potential verschenkt – zusammen mit einer nicht gerade packend erzählten Story und peinlichen Übersetzungsfehlern entsteht hier nicht gerade ein gelungenes Gesamtkonzept. Einzig der Warhammer-Style zusammen mit den guten Animationen können hier wirklich positiv für Regicide ins Gewicht fallen. Für Genre-Fans ist das Spiel einen Blick wert, gerade der Skrimish-Modus kann für zwischendurch unterhaltsam sein, Schach-Veteranen sollten hier aber lieber zwei mal nachdenken. 65
Umfang: 7/10 Story: 3/10 Grafik: 8/10
Sound: 7/10 Atmosphäre: 8/10 Gameplay: 2/10
  • Eindrucksvolle Animationen
  • Passender Warhammer-Look
  • Interessante Grundidee…
  • Langweilig inszenierte Story
  • Peinliche Übersetzungsfehler
  • …die durch das Zufallsprinzip größtenteils wieder ausgehebelt wird
  • Figuren sehen sich zu ähnlich
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