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Test: The Evil Within – Das Comeback des Shinji Mikami

imageThe Evil Within wurde seit der Ankündigung im April 2013 von Fans sowie Presse heiß erwartet. Schließlich will niemand geringeres als der Kopf hinter Resident Evil, Shinji Mikami, das Survial-Horror-Genre wieder zu seinen Wurzeln führen. Ob er das geschafft hat und der Titel uns in seinen Bann ziehen konnte, erfahrt im folgenden Test-Artikel.


Die Hände zittern. Der Schweiß rinnt mir ins Auge. Dieser eine Schuss muss sitzen. Ich hole ein letztes mal tief Luft, halte den Atem an, ziele… und drücke ab. Der Armbrustbolzen saust mit einem kalten Zischen durch die Luft und findet sein Ziel direkt im Kopf des unheimlichen Wesens. Geschafft, der Weg in die Zuflucht gewährende Scheune scheint frei.

Doch kaum dort angekommen, durchbricht ein markerschütternder Schrei, welcher auch als Gurgeln durchgehen kann, die auftauchende Ruhe. Eine unsagbar hässliche, wie auch vor Kraft strotzende Kreatur mit einer Art schwarzen Maske befreit sich aus seinen Ketten, greift zu einer Kettensäge und geht ohne Vorwarnung auf mich los. Panisch suche ich nach den Explosiv-Bolzen. „Die müssen gegen ein solches Vieh doch helfen!“, denke ich mir und versuche taub vom blanken Entsetzen die Armbrust zu laden. Das schaffe ich gerade noch, aber für einen geglückten Treffer muss ich stehen bleiben. Ich lege an und drücke im selben Augenblick ab. Der Bolzen mit Sprengkopf bleibt im rotgrauen Fleisch meines Widersachers stecken. Doch ich komme nicht schnell genug weg. Die Druckwelle der Explosion reißt mich von den Beinen, presst mir die Luft aus den Lungen und lässt mich benommen zurück. 

Das letzte, was ich dachte, war, dass die Explosion meinen Feind vernichtet haben müsste und realisiere daraufhin, wie sich seine Kettensäge ihren roten Weg durch meinen Torso gräbt.

Herzlich Willkommen in The Evil Within.

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                                                      Der Anfang ist ganz und gar klischeehaft

Die ganze Welt des Horrors

Das Genre des Survival Horrors befand sich seit längerem in der Krise. Action wurde von den Entwicklern gegenüber dem klassischen Horror bevorzugt. Lediglich Indie-Entwickler belieferten Horror-Fans noch mit Nachschub, Spiele wie Amnesia und Outlast stehen bei der Community hoch im Kurs. Shinki Mikami, Kopf hinter Resident Evil, wollte aber wieder zurück zu den Wurzeln. Entsprechend hoch waren die Erwartungen, als The Evil Within im April 2013 offiziell angekündigt wurde. 

Und so verpasst der werte Herr Mikami keine Chance, sich ein wenig selbst zu rezitieren. The Evil Within ist ein grotesker Psychotrip inklusive Silent Hill-Rollstuhl. Das Spiel bietet eine nahezu surreale Reise voller heftiger Gewaltszenen und „WTF“-Momenten. Dabei beginnt unser Horror-Trip auch ganz gewohnhafte Art und Weise.

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                              Die Flucht vor dem Fleischer, oder was auch immer uns da verfolgt

Die Story ist eine treibende Kraft in The Evil Within, weshalb wir im Test diese auch nur kurz anreißen. Schließlich wollen wir jedem selbst überlassen, herauszufinden, was denn nun eigentlich passiert ist, wo wir uns befinden und was zur Hölle uns denn immer verfolgt. Und so genau weiß man das eigentlich zu keinem Zeitpunkt im Spiel. Wir steuern den Polizisten Sebastian Castellanos und sollen ein paar Morde in einer (oh, du schönes Klischee) Nervenheilanstalt untersuchen. Ehe wir allerdings aktiv mit den Ermittlungen beginnen können, kriegen wir von einer mysteriösen Gestalt ein paar auf den Denkapparat und befinden uns daraufhin, von der Decke baumelnd, in einer Vorratskammer. Eine Vorratskammer für menschliche Körperteile, wie uns bei einem detaillierteren Blick auffällt.

Die Aufgabe scheint klar: Erst einmal müssen wir es schaffen vor dem Schlächter zu entkommen, der, nebenbei erwähnt, groteskerweise Bach hört. Das gelingt uns auch irgendwie und schon fliehen wir vorbei an einer mit Sägeblättern ausgestatteten Walze und rutschen in einer Suppe aus Blut und Gedärmen einen Kanal hinab, nur um uns dann in einem Auffangbecken für menschlichen Abfall wiederzufinden. Die ersten 30 Minuten von The Evil Within könnten glatt eine Homage an die SAW-Filmreihe sein.

Realität oder Wahnsinn

Nachdem uns die waghalsige Flucht aus der Anstalt geglückt ist, müssen wir zusehen, wie unsere Welt zusammenbricht. Im wortwörtlichen Sinne. Bei der Flucht in einem Krankenwagen zerbröselt die ganze Stadt hinter uns, Gebäude stürzen ein und erneut stellen wir uns die allgegenwärtige Frage: What the Fuck? Denn nach einem Crash erwachen wir in einer Zelle und werden von einer ansehnlichen Krankenschwester empfangen. Aber schnell wird uns klar, dass wir uns in einer Art Zwischen- oder Traumwelt befinden. Kurz darauf wachen wir erneut auf. Diesmal in dem Wrack des Krankenwagens, wir befinden uns irgendwo in einem Wald.

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                        Lange wissen wir nicht, was eigentlich in der Welt von The Evil Within passiert

Nun sind wir auf uns allein gestellt. Und auch das meinen wir so, wie wir es sagen. Das Spiel gibt uns nur ein paar Tipps an die Hand, umsetzen müssen wir diese ganz allein. Schnell wird klar: Ballerorgien wie in einem Resident Evil 6 wird es hier nicht geben. Munition ist verdammt rar gesäht und über jede gefundene Revolverkugel freuen wir uns, wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Eine Karte oder gar eine Minimap existiert schlichtweg nicht. Wir sollen unseren Weg selbst finden. Zwar bietet The Evil Within keine weitläufigen Gebiete und spielt sich überwiegend in schlauchartigen Levels ab, auffallen tut uns das aber nie. Wir sind gut damit beraten, alles nach Munition, Gehirnglibber (Erklärung später) und anderen nützlichen Items abzusuchen. Denn selbst die zombieartigen Ruhelosen, die Standardgegner im Spiel, sind kein Kanonenfutter.

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                      Auch die Standardgegner sind nicht einfach, gerade wenn sie gehäuft auftreten

Fordernd, aber nie unfair

In den abwechslungsreichen Levels haben Freizeitrambos keine Chance. Nur wer sich vorsichtig und vorausschauend bewegt und die Geräusche in der Umgebung wahrnimmt, kommt mit einer deutlich geringeren Sterberate durch die Levels. Zum Beispiel gibt uns das Spiel neben den Standard-Ballermännern wie Revolver, Schrotflinte und der Qual-Armbrust die Möglichkeit, uns mit Fallen unserer Widersacher zu entledigen. Wer aufmerksam voranschreitet, entdeckt viele Mechanismen, die uns, aber auch unseren Gegnern Schaden zufügen bzw. töten. Gerade auf einem höheren Schwierigkeitsgrad ist es ratsam, diese Fallen auch zu benutzen. So lässt sich wertvolle Munition für Bossgegner oder Events sparen. Denn hin und wieder begegnen wir auch hartnäckigen Feinden, wie im dritten Kapitel einem kettensägenschwingenden Muskelberg.

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                                   Die unterschiedlichen Bosskämpfe sind stellenweise sehr knifflig

Aber auch Wellen von Gegnern gilt es manchmal zu überwinden. In beiden Fällen ist unerlässlich, genug Munition dabei zu haben. Eine weitere Möglichkeit, Munition zu sparen, sind die Takedowns. So können wir schleichen und aus sicherer Entferung die Laufwege unserer Feinde studieren, um dann im richtigen Moment den Ruhelosen von hinten ein Messer in den Kopf zu stoßen. Ebenso finden sich Flaschen, die wir werfen können, um die Gegner abzulenken. Zwar gibt es auch einen Nahkampf, aber der ist von Angesicht zu Angesicht nur im Notfall anzuwenden, da die Gegner sehr hart austeilen. Häufig lohnt es sich sogar Kämpfen komplett aus dem Weg zu gehen. Gegen eine bestimmte Laura zu kämpfen macht zum Beispiel gar keinen Sinn, da diese auf dem herkömmlichen Weg nicht zu besiegen ist. Im Vorfeld wünschen wir schon mal viel Spaß, wenn ihr dieser „Dame“ begegnet. 

Gehirnsuppe

Um unseren Cop Sebastien Castellanos gegen die dunklen Mächte zu stärken, finden wir in den Levels verteilten grünen Schleim, im Spiel Gel genannt. Mit diesem werten wir Attribute wie Leben, Munitionsvorrat, Schaden der Waffen und andere nützliche Dinge auf. Dies kann man aber nur in den fair verteilten Speicherpunkten. Die wiederum sind über spezielle Spiegel zu erreichen, welche uns auf die anfangs erwähnte Krankenstation befördern. Ebenfalls treffen wir dort erneut auf besagte, lasziv-erotische Krankenschwester. Diese verfrachtet uns auf eine an einen elektrischen Stuhl erinnernde Apparatur und anschließend können wir das gesammelte Gel dann gegen Statusverbesserungen eintauschen. Aber Vorsicht, die trügerische Sicherheit in der Krankenstation ist mehr Schein als Sein…

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                   An einer merkwürdigen Apparatur können wir Protagonist Castellanos verbessern

Des Weiteren kann man entdeckte Fallen auch kurzerhand entschärfen und fachmännisch zerlegen. Mit den gewonnen Teilen lassen sich dann Bolzen für unsere Qualen-Armbrust mit einem simplen Crafting-Mechanismus herstellen. Neben Explosiv- und Blendbolzen gibt es auch einen äußerst hilfreichen Kältebolzen, der sogar unsichtbare Gegner aufdecken und temporär einfrieren kann. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil in den teils hektischen Kämpfen.

Grusel oder Psycho?

Führt uns Shinji Mikami mit The Evil Within denn nun wieder zum klassischen Horror alá Resident Evil? Die Antwort ist jein. Richtig gegruselt hab ich mich in The Evil Within zwar nicht, aber gehörige Schreckmomente gab es zur Genüge. Gerade die durchweg angespannte Atmosphäre überträgt sich in Sekundenschnelle auf den Spieler. Ausgelöst durch das stimmige Spiel zwischen Licht und Schatten fühlen wir uns nahezu nirgends sicher und erwarten an einigen Stellen Jumpscares, die dann aber ganz woanders auftauchen. Das gefällt dem Horror-Fan von heute richtig gut. Gerade bei Spielern mit latent-seichtem Magen baut sich dank der häufig enthaltenen Gore-Effekte und der blutig-schön gestalteten Umgebung schnell ein wahrer Albtraum auf. 

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                                                      Na, an was erinnert euch diese Szene?

Shinki Mikami sagte einst, dass die Menschen heute härter seien als früher und dass es schwerer sei, die Spieler zu erschrecken. Nun, ganz Unrecht hat er damit nicht. Denn durch Spiele wie Outlast oder Dead Space gewöhnt man sich schnell an die Mechanismen, um möglichst unterschwellig Horror zu erzeugen. So wurden in The Evil Within einige fragwürdige Gameplay-Entscheidungen zugunsten des Horror-Gefühls getroffen. So weigert sich unser Protagonist tunlichst, zwei Kugeln Muniton aufzuheben, wenn das anfängliche Maximum von 10 Patronen erreicht ist. Des Weiteren wirft Castellanos nach erfolgreichem Bosskampf eine Kettensäge einfach weg, anstatt diese für weitere Kämpfe zu behalten. Und gefundene Gegenstände wie die Axt oder Fackeln sind nach einem Schlag auf den Zombie-Schädel schon unbrauchbar. Das fällt zwar anfangs negativ auf, ist aber bezüglich der Atmosphäre die richtige Entscheidung gewesen. 

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                                Verstecken ist keinesfalls feige, sondern immer eine gute Option

Keine NextGen-Technik

Die nicht wirklich moderne grafische Präsentation des Spiels lässt sich aufgrund der tollen Atmosphäre und der sehr guten Spielbarkeit recht einfach verschmerzen. Zwar ist die Steuerung unseres Protagonisten vergleichsweise träge, die Übertragung der Eingaben auf die Spielfigur ist aber angenehm direkt. Nur in hektischen Kämpfen vermisst man des Öfteren eine Ausweichfunktion.

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                      Das Spiel zwischen Licht und Schatten vermittelt eine dichte Atmosphäre

Zugunsten einer deutlich cineastischeren Präsentation müssen einige Abstriche in Sachen Grafik hingenommen werden. Zum Beispiel sind die Kinobalken nicht in den Optionen abschaltbar und verkleinern den dargestellten Bereich. Zumindest kann man diese in der PC-Version mithilfe der Konsole abschalten. Ebenfalls wird durch die Bildkörnung ein nicht unwesentlicher Teil der filmhaften Atmosphäre erzeugt. Betrachten wir allerdings technische Eigenschaften wie Texturen näher, fallen wenig Details und teils sehr matschige Darstellungen unangenehm auf. Dadurch wird aber auch ein rauer, dreckiger Look erzeugt, der mitsamt der guten Soundeffekte gut zum Setting des Spiels passt. Gerade aber auf dem PC oder den NextGen-Konsolen wäre technisch noch einiges mehr drin gewesen.

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                 Bei näherer Betrachtung erscheinen die Texturen leider arg verwaschen und matschig

The Evil Within
Publisher: Bethesda Releasetermin: 14.10.2014 Preis: 50-60€ Plattform: Xbox 360, PS3, Xbox One, PS4, PC
Zusammengefasst steckt in The Evil Within so ziemlich alles, was es im
Horror-Genre gibt. Eine Nervenanstalt, Experimente für ein höheres
Ziel, Dinge, die aus Bildern kommen, Dinge, die in Bildern verschwinden,
Mutanten, Herrenhäuser, verrenkte Frauen mit schwarzen Haaren vor dem
Gesicht, Scharen von Insekten, Dörfer mit komischen Einheimischen.
Keller voll Blut und Gedärm. Aber auch immer viel, viel Spaß. Wer Splattereffekte vertragen kann und auf Horror steht, fühlt sich hier gut aufgehoben. Die Atmosphäre ist von Anfang bis Ende bedrückend und unbehaglich. Zumdem fühlt man sich aufgrund der fordernden Gegner und gewissen Design-Entscheidungen auch nie unterfordert. Sebastian Costellanos wird niemals zum alles tötenden Mutantenkiller. The Evil Within bleibt bis zum Schluss gut inszenierter Survival Horror. Eine neue Horror-Offenbarung ist es aber leider nicht.
88
Atmosphäre: 9/10 Gameplay: 8/10 Story: 8/10
Grafik: 7/10 Sound: 7/10 Umfang: 8/10
  • Tolle Atmosphäre
  • Punktuelle Musik
  • Schwerer, aber fairer Schwierigkeitsgrad
  • Gute, direkte Steuerung – auch mit Maus und Tastatur
  • 15 Kapitel
  • Gutes Leveldesign
  • Nur Kampagnenmodus
  • Technik wirkt veraltet
  • Zu einfache Rätsel
  • Kameraprobleme
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