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Test: The Plan – Ein „Spiel“?

imageAuf Steam ist seit dem 10. Februar 2014 das Spiel The Plan kostenlos zum Download verfügbar. Das zugehörige Bild zeigt eine Fliege – was soll das denn für ein Spiel sein?, fragen wir uns. Egal, es ist kostenlos, also einfach mal runterladen und ausprobieren. Schließlich bieten viele Indie Games, als welches The Plan kategorisiert wird, innovative und erfrischende Ideen. Die erste Überraschung erwartet uns schon beim Download: Das Spiel ist gerade einmal 55 MB groß. Die zweite in der Steam-Bibliothek: Es gibt nur eine einzige „Errungenschaft“ für dieses Spiel. Spielt The Plan etwa vom Umfang her in der Fliegengewichtsliga? Dies würde  immerhin das Bild erklären.

 

Wir verwerfen diese Vorurteile schnell wieder und starten das Spiel. Ohne jede Ladezeit präsentiert es uns eine große Fliege in Nahaufnahme, die ganz unbeteiligt tut und sich, auf einem moosigen Stein sitzend, putzt. Es erscheinen zwei Schriftzüge: Start und Quit. Optionenvielfalt nennt man das nicht gerade – da entscheiden wir uns halt für Start. Die Schrift verschwindet und…. nichts passiert? Die Fliege sitzt immer noch auf ihrem Stein, macht keine Anstalten, sich zu bewegen, und auch sonst tut sich nichts. Ist das Spiel kaputt?

 

Nein, ist es nicht. Nach dem Motto „Probieren kostet nichts“ schauen wir, ob sich auf weitere Eingaben etwas tut. Tatsächlich: Wir drücken die obere Pfeiltaste und die Fliege erhebt sich von ihrem Stein und schwebt nun in der Luft. Ganz fliegenhaft tut sie das. Nun die linke Pfeiltaste… und die Fliege schwenkt nach links. Die Steuerung wäre also schon einmal klar. Was wir nun mit unserer Fliege tun sollen, allerdings nicht. Wir können sie zweidimensional im Raum bewegen – aber wohin? Und wozu?

 

 

An diesen Fragen wollen wir uns nicht stören und fliegen los. Wenn wir
schon keine ersichtliche Aufgabe haben, können wir uns ja einfach
umschauen. Wir sehen eine trübe, verschwommene Landschaft mit einzelnen
darin platzierten Objekten wie Blättern, Gräsern und Ästen. Filigrane Regentropfen huschen durch das Bild, ein mattes Licht erhellt das Szenario. Neben dem stetigen Brummen unserer Flügel nehmen wir noch andere Geräusche wahr: Vogelgezwitscher und das zarte Zirpen einer Grille verhallen in der Natur, untermalt vom stetig sanften Prasseln des Regens, dazu im Hintergrund das Rauschen eines Baches. Das ist ja schon mal ganz schön! Aber gibt es jetzt auch noch was zu tun für unsere Fliege?

Auf einmal ein klingendes Geräusch – ein Blatt kommt uns von oben entgegengeschossen. Knapp können wir ausweichen. Kurz darauf: Ein hallender Klang und eine Böe von der rechten Seite erfasst unsere Fliege und zieht sie ein gutes Stück mit sich, bis wir sie aus dem Wind befreien können. Unbeirrt fliegen wir weiter.

Die Landschaft im Hintergrund verändert sich fließend. Auf einmal sind wir über den Baumwipfeln angekommen und Musik setzt ein. Je weiter wir nach oben kommen, desto weiter distanziert sich die Kamera von der Fliege, so dass wir mehr und mehr von der Umwelt wahrnehmen können. So bietet sich uns ein schönes Bild. Genüsslich öffnen wir unsere Augen, spitzen die Ohren und genießen die Atmosphäre, während wir weiter nach oben schweben, den warmen Lichtstrahlen entgegen.

 

Auf Baumhöhe

 

Viel weiter wird das Spiel nicht mehr gehen. Die überraschende und sehr amüsante Wendung am Schluss möchte ich jedoch nicht verraten. Worum es in dem Spiel geht, sollte nun klar sein: Die Atmosphäre. Die Atmosphäre ist toll. Man merkt, wie man nach einer Minute dieses Spiels vollkommen relaxed ist, wenn man sich darauf einlassen will. Die Musik, die verschwommenen Schemen des Waldes sowie die Sounds sind faszinierend und schaffen es auch ohne jede Handlung, den Spieler zu fesseln. Dass diese eine Minute bereits etwa 20% der kompletten Spielzeit ausmacht, fällt dabei gar nicht mal so sehr ins Gewicht, weil die Wendung zum Schluss hin sehr viel Platz für Interpretation lässt. So wird schon im zugehörigen Forum über solche diskutiert (bspw. ein Thread namens „Metaphor for God?“).  Diese Wendung ist dabei mehr oder weniger unausweichlich, denn die Spielwelt ist sehr begrenzt, es herrscht minimaler Bewegungsfreiraum auf der horizontalen Ebene. Das Spiel ist fünf Minuten lang, ermöglicht dem Spieler aber zahllose Fantasie-Spielereien und Interpretationen, auf der anderen Seite hingegen kann man sich aber auch einfach zurücklehnen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Ein Vergleich mit dem Spiel Journey fällt hier leicht und ist wirklich nicht unangemessen. Ob man The Plan nun tatsächlich als Spiel bezeichnen will, ist uns in unserem Zustand der vollkommenen Ruhe auch ehrlich gesagt völlig egal.

The Plan
Publisher: Krillbite Studio Releasetermin: 10.02.2014 Preis: Free to Play Plattform:

PC,

Mac, Linux

Dieses
Spiel ist genau richtig für zwischendurch. Zwar fehlen eine Handlung oder eine
Story komplett und es gibt nicht einmal Anweisungen, was man tun muss, auf der
anderen Seite macht genau diese Selbstverständlichkeit das Spiel aus. Es geht
nicht um eine Story, sondern um das Spiel selbst, wobei uns keine Anleitungen
stören sollen. Nach etwa 5 Minuten ist das Spiel dann schon vorbei –
macht nichts, schließlich haben wir nichts dafür bezahlt und die tolle
Atmosphäre lädt uns ein, es direkt noch einmal zu versuchen. So genießen wir es
jedes Mal aufs Neue, diese Fliege zu steuern, obwohl das Spiel immer dasselbe
ist. Eine Story braucht das Spiel derweil überhaupt nicht – diese bildet sich
der Spieler in seinem Kopf, und eben das ist das Faszinierende an dem Spiel.
61
Steuerung: 8/10 Atmosphäre: 9/10 Story: 2/10
Grafik: 7/10 Sound: 9/10

Gameplay: 2/10

    • Stimmungsvolle Atmosphäre
    • Nette grafische Darstellung
    • Originelles Setting und
      „Hauptcharakter“
    • Kostenlos spielbar…
  • …dafür sehr kleiner Spielumfang
  • Der Spieler muss nur durchgehend eine Taste drücken
  • stürzt leider öfters ab
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