Supergiant Games präsentiert sich mit seinem zweiten Indie-Titel namens „Transistor“. Das Spiel besticht vor allem durch seine wunderschönen, handgezeichneten Bildern und einmal mehr beweisen die Macher des zuvor gefeierten „Bastion“ in diesem Genre unglaubliches Geschick im Umgang mit Atmosphäre und Gameplay. Diesmal übernimmt das Studio neben der Entwicklung auch die Rolle des Publishers, die zuvor Warner Bros. Interactive innehatte. Mit Bastion als Vorlage gibt es viele Fans, die sehnsüchtig auf ein weiteres Werk der Spieleschmiede gehofft hatten, dafür waren deren Erwartungen an das vergleichsweise kleine Entwicklerstudio auch entsprechend hoch gesteckt.
Die zehnköpfige Mannschaft hat dieses Mal ein Spiel geliefert, das sich
in Sachen Schönheit und Atmosphäre hinter keinem Blockbuster verstecken
muss, leider gibt es dennoch ein paar Makel, die den Glanz des sonst so
einzigartigen Spieles trüben.
Vom grundlegenden Aufbau orientiert sich Supergiant Games erkennbar an Bastion, aber mit einem guten Rezept lässt sich bekanntermaßen mehr als ein Gericht zaubern. So auch hier: Der Entwickler hält sich nicht lange mit öden Tutorials oder Einstiegsleveln auf, sondern schickt den Spieler direkt ins eigentliche Geschehen. Auf große Erklärungen wird weitgehend verzichtet, zuerst einmal geht es darum, vor etwas zu fliehen, das sich „Der Prozess“ nennt. Als rothaarige Schönheit „Red“ streifen wir durch die verlassenen Straßen der Stadt Cloudbank. An ihrer Seite befindet sich der „Transistor“, ein großes Breitschwert, das Red aus dem Körper eines ermordeten jungen Mannes zog, dessen Geist sich scheinbar innerhalb des Schwertes eingenistet hat und seiner Freundin nun mit Rat und Tat zur Seite steht. Dabei verleiht Logan Cunningham, der sich zuvor in Bastion als großartiger Erzähler hervorgetan hatte, diesem namenlosen Mann seine unglaubliche Stimme.
Zwischen Red und dem jungen Mann gibt es scheinbar eine enge Beziehung, wie weit diese reicht oder welchen Namen er trägt, offenbart sich dem Spieler nicht. Red erfährt schließlich, dass ihr Begleiter zuvor Opfer eines Anschlags durch den „Prozess“ wurde. Bis auf das sprechende Schwert und die Terminals, die als Speicherpunkte fungieren, gibt es keine Informationsquelle zu den Geschehnissen vor dem Tod des Mannes. Dahingehend lässt uns die Handlung ein wenig im Stich und etliche Fragen bleiben ungeklärt.
Das Schleierhafte trägt allerdings auch zu der wunderbar nebligen und düsteren Atmosphäre von Cloudbank bei, dessen Gassen und Plätze wie leer gefegt sind – bis auf die Suchtrupps des Prozesses, die Red dicht auf den Fersen sind. Dabei gestaltet sich der Kampf gegen diese modern angehauchten Roboter als herausfordernd. Anders als bei Bastion verfügt Red über keine brauchbare Ausweichbewegung, um schnell gegnerischen Geschossen oder Angriffen aus dem Weg zu gehen. Dafür besitzt sie die Fähigkeit, ihre Umgebung zu verlangsamen und im Zeitraffer einen zuvor bestimmten Bewegungsablauf, bestehend aus dem Einsatz von Angriffen oder Ausweichmanövern, durchzuführen. Dazu steht Red ein begrenztes Maß an Bewegungspunkten zu, sind diese aufgebraucht, muss sie die Zeit wieder normal weiterlaufen lassen. In Sachen Fähigkeiten bietet Transistor ein kleines Maß an vorhandenen Skills, jedoch eine große Vielfalt an Einsatz-Kombinationen.
Jeder Angriff verfügt in Verbindung mit einer anderen Attacke über einen verstärkenden Zweiteffekt – so kann man bspw. durch das Hinzufügen eines Unsichtbarkeitszaubers zu einem klassischen Angriff den Schaden bei Meuchelangriffen verstärken. In dieser Hinsicht bietet das sehr übersichtliche gehaltene Fähigkeiten-Menü große Variationsmöglichkeiten. Leider sind die meisten Kämpfe relativ kurzweilig, weshalb das volle Potenzial der verschiedenen Strategien und Kombinationsmöglichkeiten nicht ausgenutzt wird. Erst beim zweiten Durchgang, in dem die Gegner aufgrund von individuell hinzufügbaren „Begrenzern“ verstärkt werden können, wird es richtig anspruchsvoll. Bei der Steuerung von Red ist es teilweise etwas schwer, im Eifer des Gefechts die vielen Tasten im richtigen Moment zu drücken und nicht gleichzeitig in die Arme eines Feindes zu laufen, dort bietet das Gamepad ein besseres Handling.
Worin sich Transistor hingegen überhaupt nicht schwer tut, ist die Atmosphäre in Verbindung mit der wundervollen Gestaltung der Welt von Cloudbank. Was die Schöpfer von Bastion schon dort perfektioniert haben, wird hier nur noch übertroffen: Die verlassenen und im Neonlicht einer heruntergekommenen Stadt der Zukunft leuchtenden Straßen sind in atemberaubenden Bildern eingefangen und verlieren in keiner Spielphase ihren Zauber. Die Mixtur aus verschiedenen Architekturepochen mit einem Zukunftsszenario einer Cyber-Stadt fügt sich wunderbar in das Gesamtbild von Cloudbank ein. Die handgezeichneten Stadtbilder lassen sich mit „kunstvoll“ nicht besser beschreiben.
Zusätzlich zu den umwerfenden Bildern verleiht die Musik, die von Darren Korb komponiert wurde, dem Spiel den letzten Schliff. Wie auch schon in Bastion zeigt er sein herausragendes Talent beim Spinnen von wunderbaren Klangfäden, die Transistor noch einen Hauch Melancholie beimengen und die Atmosphäre damit perfekt machen. Ohne Zweifel ist der Soundtrack zu Transistor ein wahres Meisterwerk und steht vielen großen orchestralen Darbietungen in nichts nach. Die Mischung aus Dub und Trip-Hop und klassischen Instrumenten wie Gitarre und Geige untermalt jede noch so unscheinbare Szene. In Zusammenarbeit mit Ashley Barrett, die als Sängerin wunderschöne Melodien über die Lippen von Red bringt oder einfach nur gedankenversunken vor sich hin summt, bildet diese Komposition eine Ausnahme im Bereich des Indie-Genres.
| Transistor | |||||||||||||
| Publisher: | Supergiant Games | Releasetermin: | 20.05.2014 | Preis: | 18,99 Euro | Plattform: Playstation 4, PC | |||||||
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