Valorant – Der nächste große Esport-Hit?

22.05.2020 12:48

Seit der Esport ein starkes Wachstum zu verzeichnen begann, hat es in der Ego-Shooter-Szene keine große – bzw. eigentlich überhaupt keine – Konkurrenz für Counter-Strike gegeben. Manche denken vielleicht an Call of Duty, aber wirklich erfolgreich war das Videospiel nur auf den Konsolen, denn für das Spielen am Computer gab es nie einen großen Zulauf. Auch Overwatch hat versucht, sich in der Szene zu etablieren. Da sich das Gameplay aber eher auf Fähigkeiten sowie den Arcade-Modus konzentriert, unterscheidet es sich damit zu stark von Counter-Strike und seinem puristischen Shooter-Gameplay. Aus diesem Grund hat das Spiel nicht das Publikum anziehen können, das man sich erhofft hatte.

Riot Games, der Entwickler von League of Legends, möchte jetzt die Szene mit einem neuen Konkurrenten aufheizen, und zwar in Form des Titels Valorant. In gewisser Weise hat das Videospiel den gleichen Weg wie Overwatch eingeschlagen, indem bestimmte Charaktere eingeführt wurden, oder in diesem Fall Agenten, die einzigartige Fähigkeiten besitzen. Gleichzeitig wurden aber auch Veränderungen vorgenommen, die an Counter-Strike erinnern – ein starker Fokus liegt auf den Waffen und es gibt ein wirtschaftsbasiertes Kaufsystem. Dadurch wird dem Spiel ein taktisches Element hinzugefügt, da ein Team von Runde zu Runde gemeinsam wirtschaftlich agieren muss.

Es bleibt abzuwarten, ob Valorant in die Fußstapfen von Counter-Strike treten wird und das Glücksspiel mit Skins, das Skin-Gambling, in das Spiel integriert wird. Dabei handelt es sich um den Vorgang, bei dem das Glücksspiel im Casino-Stil in ein traditionelles Videospiel eingebunden wird. Aufgrund der Covid-19-Ausgangsbeschränkungen in Deutschland haben Poker, Bingo und eine ganze Reihe an Online-Casinospielen stark an Beliebtheit gewonnen. Immer häufiger wird von dieser Tätigkeit zum Skin-Gambling in Spielen gewechselt, vor allem in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs sowie aufgrund der Tatsache, dass die Menschen mehr Zeit Zuhause verbringen müssen. Roulette, Blackjack und Online-Spielautomaten scheinen die beliebtesten Ergänzungen zu sein.

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(Bild von Dot Esports)

Valorant befindet sich aktuell noch in der Beta-Phase, wobei nach einer Verzögerung aufgrund des Coronavirus darauf abgezielt wird, das Spiel im Sommer 2020 zu veröffentlichen. Dank der großen Reichweite, die durch beliebte Streamer auf Plattformen wie Twitch erreicht wird, steigt die Bekanntheit des Spiels. Ein Wachstum kann man sicherlich schon erkennen – so sind bereits eine Reihe von Spielern von Overwatch und Counter-Strike zu neuen Teams herübergewechselt, in der Erwartung, dass sich das Spiel weiterhin entwickeln wird. Zu diesen Teams gehört auch eines, das bereits ein kleines Community-Turnier gewonnen hat. Genauer gesagt handelt es sich um das T1 x Nerd Street Invitational-Turnier, bei welchem das kanadische Team Gen.G als Sieger ein Preisgeld von $ 20.000 erspielen konnte. Während die Beta-Phase andauert, werden wahrscheinlich weitere von der Community organisierte Veranstaltungen aus dem Boden gestampft sowie auch fortlaufend neue Teams gebildet.

Es stellt sich nun jedoch die Frage, ob das Spiel angesichts der Konkurrenz die Gelegenheit beim Schopf packen und sich der Rolle eines größeren Esports annehmen kann. Die Overwatch-Liga hat sich in letzter Zeit schwer getan und konnte im Westen nicht mehr die Zuschauerzahlen anziehen, die früher möglich waren. Counter-Strike geht derweil seinen eigenen Weg und hat diesen zementiert, da es zurzeit beliebter ist denn je. Als führendes Spiel im Shooter-Genre, und zwar seit fast zwei Jahrzehnten, wird es keine leichte Aufgabe sein, in diese Fußstapfen zu treten.

Obwohl Valorant aufgrund der Öffentlichkeitsarbeit schnell an Erstinteresse gewonnen hat, wurde von einigen Seiten bereits auf Mängel hingewiesen. Fragen rund um die Balance, nämlich aufgrund des Kartendesigns und der Fähigkeiten der Agenten, sind bereits aufgeworfen worden. Es gibt hier noch viel Raum für Verbesserungen, da mit der Veröffentlichung mehr Karten verfügbar gemacht werden und bis dahin noch Zeit für die Entwicklung sowie Änderungen aufgewendet wird. Es ist jedoch sicherlich ein Bereich, den die Entwickler meistern müssen, um dem Spiel Erfolg zu bescheren. Ein schlechter Start könnte hier der entscheidende Faktor sein, der über den Erfolg bzw. Misserfolg des Spiels entscheidet.


Der Zeitpunkt der Veröffentlichung ist jedoch sehr gut gewählt, da der Esport weiterhin unaufhörlich wächst. Rasant überholt er auch die traditionellen Sportarten, da andere Industrienormen bereits zum Wachstum beitragen. Eine wachsende Wett- und Glücksspielszene hat etwa ein Gefühl der Vertrautheit geweckt, das im größeren Rahmen vielleicht missverstanden wird. Es ist natürlich vorteilhaft, dass der Entwickler Riot Games eine lange Tradition mit sehr hohen Produktionswerten durch League of Legends aufweist, sowie eine bereits entwickelte Infrastruktur hat, um eine starke Basis für das Videospiel zu schaffen. Wenn das Unternehmen in der Lage ist, aus der Formel, die League of Legends vom kleinen MOBA zum Industriegiganten katapultiert hat, Kapital zu schlagen, dann ist es äußerst wahrscheinlich, dass Valorant dem gleichen Schema folgen und zu einem der größeren Titel heranwachsen kann. Eine Tatsache stimmt einfach: Der Wettbewerb ist immer gut für die Entwicklung und das Wachstum von Videospielen.

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Redaktion escene.de

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