Connect with us

Hi, what are you looking for?

Gaming

Weder Fisch, noch Fleisch – Warface in der Review

imageCrytek-Chef Cevat Yerli sagte einmal in einem Interview mit der Gamestar, dass Triple-A-Spiele es schwer haben werden nach dem Release von Warface. Der Free 2 Play-Shooter erschien bereits im Oktober 2013 und stach da nicht sonderlich aus der Masse hervor. Viele kleine und einige große Updates später, erkunden wir in dieser Review ob CEO von Crytek mit seiner Aussage Recht behalten sollte.  

Über das Unternehmen Crytek wurde im letzten Jahr eine Menge unerfreulicher Informationen bekannt, bspw. als die Firma nur knapp vor dem finanziellen Aus stand. In Folge dessen gab es viele Schlagzeilen rund um das deutsche Unternehmen. So verlor Crytek UK ihre Führungskräfte, die Marke Homefront wurde an Deep Silver verkauft und angeblich sogar der hauseigene Grafik-Motor an Amazon. Bei der Frage nach dem Warum, wurde seitens Crytek immer wieder der Begriff Free 2 Play in den Mund genommen, auf diese Sparte sich der Entwickler vermehrt konzentrieren wolle. Ein Zögling aus dieser Sparte ist der kostenlose Multiplayer-Shooter Warface, den wir uns einmal genauer angesehen haben. 

Triple-Irgendwas

Bereits zu seinem Release im Oktober 2013 konnte der Shooter nicht allzu vielen Spielern das Geld aus der Tasche locken. Zu gewöhnlich war der Titel, zu sehr Freemium der Ingame-Shop und irgendwie war alles nur halbgar und seelenlos. Mittlerweile haben wir allerdings dass Jahr 2015 und einiges soll sich ja nach dem Release getan haben. Zudem ist Warface auch auf Steam verfügbar und kann da kostenlos heruntergeladen werden. Bevor man allerdings in die Schusswechsel starten kann, benötigt man noch einen kostenlosen Account bei der Online Plattform Gface. Davon haben wir ja noch nicht genug. 

image

Bevor wir spielen können, benötigen wir einen kostenlosen Account bei Gface

Call of Counterfield

Warface ist ein klassischer Vertreter der gängigen Shooter wie Battlefield, Counter-Strike und Call of Duty. Und tatsächlich wirkt der Titel gerade wie eine große Gulaschsuppe mit diesen drei Titeln als Hauptzutat. Da hätten wir zum einen die überwiegend kleineren Karten, die ein konfrontationsreiches Gameplay fördern. Hier liegt der Fokus klar auf Infanterie-Gefechten, Fahrzeuge gibt es durchweg keine. Was allerdings an Battlefield erinnert, sind die vier unterschiedlichen Klassen. Bekanntermaßen haben wir hier die Wahl zwischen Sanitäter, Scharfschütze, Schütze oder Ingenieur. Die machen allesamt genau dass, was wir so schon von ihnen erwarten würden. Das bedeutet: der Ingenieur repariert Rüstungen und platziert Minen, der Schütze ballert sich nen Wolf und verteilt nebenbei noch Munition und der Sanitäter geht näher ran, da er nur Schrotflinten als Primär-Waffe nutzen kann. Ein wenig unverständlich, dass sich gerade der Dok unter den Team-Mates, nur aus mittlerer bis dichter Distanz verteidigen kann. Das heilen und Wiederbeleben von Team-Mitgliedern ist sinngemäß eigentlich seine Hauptaufgabe. Im aktiven Spielverlauf finden sich aber auf den Servern zur Zeit nie wirklich viele Sanitäter. Und haben wir dann doch welche auf unserer Seite, scheinen die ihren Arzt-Ausrüstung vergessen zu haben.

image

Im kurzen Tutorial werden wir mit der intuitiven Steuerung vertraut gemacht

Zu guter Letzt wäre da noch der Sniper, der auf den uninspirierten Karten viele gute Positionen findet um sich den Hintern oder ein anderes Körperteil platt zu liegen. Während wir also mit allen anderen Klassen zumindest theoretisch mehrere Möglichkeiten haben, Erfahrungspunkte zu verdienen, kann der Sniper nur durch sein Fernrohr gucken und versuchen Gegner aus der Entfernung auszuschalten.

Was jedoch alle Klassen können, ist Rutschen aus dem Lauf. Diese Funktion sorgt für ein flottes Kampftempo, auch wenn es manchmal unfreiwillig komisch aussieht, wenn ein Mate aus dem Stand zu rutschen anfängt. Dennoch hat diese Bewegung eine gewisse Daseinsberechtigung und birgt tatsächlich Einsatzmöglichkeiten. Überhaupt ist das eigentliche Gameplay sogar recht intuitiv und schnell erlernt. Danach gehen die Schießereien recht gut von der Hand. Also ja, man kann mit Warface durchaus seinen Spaß haben. Allerdings sollte man keine außergewöhnlichen Alleinstellungsmerkmale oder Innovationen erwarten, denn die gibt bis auf die übergroßen Hit-Marker nicht. 

image  image 

Links: Einen Sani suchen wir meist vergebens – Rechts: Waffenaufsätze können wir jederzeit ingame anpassen


Das kenn‘ ich schon, das mag ich nicht

Auch im Bereich der Spiel-Modi wurde sich, ohne irgendwelche Experimente, auf den absoluten Genre-Standard konzentriert. Team-Deathmatch, Sturm, Zerstörung und Jeder gegen Jeden könnten nicht besser den Einheitsbrei präsentieren. Zudem ist der Jeder gegen Jeden-Modus seit Release 2013 nicht spürbar verbessert worden. Noch immer sind die Spawnpunkte festgelegt und Spieler, die wissen wo der nächste Depp erscheinen wird, legen sich zielsicher auf die Lauer und erzielen einen Abschuss nach dem anderen. Das unbeliebte Campen wird hier also gerade zu gefördert. Spaß hingegeben macht der aus Counter-Strike bekannte Bomb-Mode, denn dieser macht die einzelnen Klassen tatsächlich brauchbar, wodurch sich diese nicht so obsolet anfühlen, wie in den anderen Modi. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir nach einem Tod auch bis zum Runden-Ende tot bleiben und dadurch das Heilen von Team-Mitgliedern und Reparieren von Ausrüstung hier immens wichtig wird, um zu gewinnen.

Wem das Ganze PvP nicht so liegt, kann sich auch gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten den bedepperten KI-Kontrahenten in einem Koop-Modus stellen. Hier sind wir stellenweise sogar aufeinander angewiesen, wenn wir bspw. erhöhte Hindernisse via Räuberleiter überwinden müssen. Allerdings sorgt die KI und das Spielziel dafür, dass auch hier schnell die Luft raus ist. Denn jede Runde spielt sich gleich. Wir ballern gegen grenzdebile KI-Soldaten (die Schwierigkeitsstufe regelt nur die Anzahl der Lebenspunkte der Gegner) und müssen lediglich das Ende einer schlauchigen Karte erreichen. Schnarch…

image

Ein Blick auf die Spiel-Modi bietet auch nur Altbekanntes

Cry Enginge 3 ohne Muskeln

Auch auf technischer Seite, hätte man angesichts der prominenten und erwiesenermaßen leistungsstarken Cry Engine 3, viel mehr aus dem Titel holen können. Zwar ist das grafische Darstellung der Scharmützel auf den ersten Blick solide, bei näherer Betrachtung wird man aber das Gefühl nicht los, dass in Warface Entwicklungsgelder gestrichen oder gar nicht erst freigegeben wurden. Umgebungs- und Charakter-Texturen sind matschig und lieblos, zudem scheint Kantenglättung auch überbewertet zu sein. Alles wirkt aufgesetzt, vieles unstimmig und einiges sogar richtig hässlich. Für einen Free 2 Play-Titel sieht Warface zwar solide aus, allerdings sind wir von Crytek und der potenten Engine besseres gewöhnt.   

image  image 
Links: Der Kollege ist eigentlich tot und müsste liegen, mag er aber nicht – Rechts: Die Karten sind meist eher trist und wenig sinnvoll designt

Wo war gleich meine Knarre?

Da Warface schließlich ein kostenloses Spiel ist, darf auch der obligatorische Ingame-Shop mit dazugehöriger Währung nicht fehlen. Und davon gibts in Warface gleich drei Stück. Dennoch brauch man um mithalten zu können, theoretisch nicht einen Cent ausgeben, denn viele der Waffen und Ausrüstungsteile kann man freispielen. So verdienen wir mit der Zeit Warface-Dollar, für die wir im Shop neue Schießprügel kaufen können. Andere Waffen wiederum lassen sich nur für begrenzte Zeit mieten. Was die Freude aber ein wenig trübt, ist das Schadensmodell der Waffen. Diese gehen nämlich mit der Zeit kaputt und müssen ebenfalls für Warface-Dollar teuer repariert werden. Gegen bares Geld gibt es zum Beispiel Wiederbelebungsmünzen für den Koop-Modus oder VIP-Booster, die unsere erhaltenden Erfahrungspunkte pushen und wir somit schneller im Rang aufsteigen können. Aber auch das ist fair und die Balance leidet dadurch nicht.

image

Löblich: Für unseren Charakter gibt es einer Vielzahl von Anpassungsmöglichkeiten… 

Ausschließlich im Koop gibt es dann die dritte Währung, die sogenannten Crowns. Damit kaufen wir uns spürbar stärkere Waffen und Gadgets, und haben somit einen wirklichen Vorteil gegenüber anderen Spielern. Allerdings spielen wir ja Koop, da fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Wer sich allerdings im Shop austoben will, muss sich erstmal zurecht finden. Denn auch zwei Jahre nach der Erst-Veröffentlichung, sieht es hier im wahrsten Sinne des Wortes aus wie auf dem Schlachtfeld. Wer explizit einen Gegenstand sucht, klickt sich nur wild und planlos durch Untermenüs vorbei an Händlersperren und verschiedenen Währungen. Wenn Crytek hier tatsächlich mal viel Geld mit verdienen wollte, müsste allein der Shop ganz anders aussehen.  

image

… für die wir uns allerdings durch den arg chaotischen Shop kämpfen müssen

Warface
Publisher: Crytek GmbH Releasetermin: 21. Oktober 2013 Preis: F2P Plattform: PC
Warface ist wie ein One Night Stand ohne Orgasmus. Zwar kann man eine kurze Weile Spaß damit haben, vor dem Höhepunkt ist allerdings schon wieder die Luft raus. Der geneigte PC-Spieler trifft hier auf einen Shooter des absoluten Mittelmaßes, der zwar im Koop und im PvP ein oder zwei Abende lang Spaß machen kann, der dann aber danach in Vergessenheit gerät. Dem Spiel fehlt es einfach an Seele und eigenen Ideen. Nahezu alles haben wir irgendwo schon mal gesehen. Die Waffen, die Klassen, die Spielmodi – Nichts davon wurde mit besonders viel Sorgfalt oder gar Liebe implementiert. Statt dessen schaute man auf die Konkurrenz und vermischte bekannte Elemente zu einem Shooter-Einheitsbrei den man am besten mit „Gut gewollt und wenig gekonnt“ beschreiben kann. Um bei meiner One Night Stand-Metapher zu bleiben: Für eine Nacht nehme ich Warface gerne mit nach Hause, frühstücken möchte ich dann aber lieber wieder alleine.   70
Grafik: 7/10 Sound: 6/10 Gameplay: 7/10
Balance: 6/10 Langzeitmotivation: 4/10  Umfang: 5/10
  • PvE und PvP-Modus
  • flottes Gameplay
  • für F2P solide Grafik
  • Mittelmaß 
  • Lieblos und unausgegoren 
  • chaotischer Ingame-Shop

 

Click to comment

You must be logged in to post a comment Login

Leave a Reply

Empfohlene Beiträge

League of Legends

Der koreanische Star-ADC Lee „Gumayusi“ Min-hyung verlässt nach sieben Jahren überraschend die Organisation T1 – eine Nachricht, die die gesamte League-of-Legends-Community kalt erwischt hat....

VALORANT

Die traurigen Gerüchte der letzten Monate haben sich bestätigt: Talon Esports verlässt sowohl League of Legends als auch VALORANT, nachdem die Organisation offen zugeben...

Counter-Strike

FURIA setzt seine beeindruckende Siegesserie fort: Mit einem klaren 3:1-Erfolg über Falcons im großen Finale der BLAST Rivals 2025 Season 2 sichern sich die...

Counter-Strike

Kurz vor dem Start des StarLadder Budapest Major 2025 hat Twitch für dringend benötigte Klarheit gesorgt: Creator dürfen das Turnier ohne Risiko co-streamen, obwohl...

Gaming

Die Nominierungen für die The Game Awards 2025 stehen fest – und ein Spiel sticht dabei besonders hervor: Das französische RPG Clair Obscur: Expedition...

E-Sports

Die Esports Awards 2025 sind vorbei – und das Jubiläumsjahr brachte gleich mehrere Überraschungen. Wichtig: Dieses Event ist nicht mit den Esports Decade Awards...

Hardware

Beim Counter-Strike 2 Major in Budapest stand nicht nur hochklassiger Wettbewerb im Fokus, sondern auch die Frage, welches Equipment auf der größten Bühne des...

Allgemein

Friendslop Games sind der neue Gaming-Trend 2026: Statt Grind, Meta und Leistungsdruck stehen Chaos, Humor und gemeinsames Spielen im Fokus. Titel wie Lethal Company,...