Wie vergleicht sich E-Sport mit der Online-Pokerindustrie?

12.02.2020 00:34

Auf den ersten Blick scheinen Online Poker und E-Sport nichts Gemeinsames zu haben, keinen gemeinsamen Nenner, anhand dessen man die beiden Branchen vergleichen könnte. Doch bei genauerer Ansicht ändert sich das schnell. Was haben die beiden gemeinsam und welche Branche macht auf Dauer den größeren Umsatz?

Was sind E-Sports?

E-Sports ist der Begriff für wettbewerbsintensive Videospiele, die normalerweise in Turnieren gespielt werden. Bei diesen Turnieren treten die besten Spieler bestimmter Spiele aus dem ganzen Land und manchmal aus der ganzen Welt gegeneinander an – vor einer großen Menge jubelnder Zuschauer.

Nicht selten sind die Teilnehmer professionelle Spieler – das heißt, sie spielen um ihren Lebensunterhalt und finanzieren ihren Lebensstil mit Preisgeldern, Sponsoring-Deals und der Monetarisierung ihrer Präsenz in den sozialen Medien. So wie professionelle Pokerspieler, immer auf der Suche nach dem lohnendsten Pokerturnier. Bekannte Spiele des E-Sports sind League of Legends und Dota 2.

Der große gemeinsame Nenner ist das Internet: Was Poker und E-Sport gemeinsam haben und was geradezu als Paradebeispiel für eine Fallstudie dienen könnte ist dies: Beide wurden durch das Internet groß gemacht.

Die 90er – LAN- Partys und Chris Moneymaker

In den neunziger Jahren wurde Hardware immer erschwinglicher und leistungsfähiger, der Personal Computer für Privathaushalte und damit auch für die Spielebranche interessant. Bald schon fanden die ersten großen LAN-Partys statt, auf denen die Spieler miteinander konkurrieren konnten.

Es gab schon bald kein Halten mehr für “Cyber Sports”. Je mehr die Welt miteinander über Netzwerke verbunden war, je schneller die Datenautobahn wird, desto mehr Möglichkeiten eröffneten sich und die Spieledesigner empfingen die neuen geschäftlichen Möglichkeiten mit offenen Armen.

Wo war Online Poker in den 90ern?

1998 wurde die erste Pokerwebseite angeboten, auf der Spieler mit echtem Geld spielen konnten, Planet Poker. Wenngleich Planet Poker nicht mehr existiert, so war die Webseite doch wegweisend für die vielen Online Pokeranbieter, die folgen sollten.

Was der Branche einen echten Schub gab, war einziger Spieler: Moneymaker!

Chris Moneymaker war noch in den 90ern ein unbekannter Buchhalter, der in seiner Freizeit gerne Poker spielte. Zunehmend tat er das online, denn seit den späten 90ern wurden immer mehr Pokerhallen von Online Casinos angeboten. Moneymaker spielte viel in kostenlosen Satelliten Turnieren. In 2003 spielte er sich in den Satelliten hoch und gewann einen Platz bei der World Series of Poker, der ihn ohne seine Gewinnserie einen Buy In von 10.000 $ gekostet hätte. Er gewann das Turnier, in welchem er gegen einige der größten Namen im Poker antrat, und nahm ein Preisgeld von 2,5 Millionen $ mit nach Hause.

Dies war ein Ereignis, das die Pokerlandschaft völlig veränderte und insbesondere Texas Hold’em zu seinem heutigen Beliebtheitsstatus verhalf. Das Ereignis wurde live im Fernsehen übertragen. Der Gewinn Moneymakers, die Tatsache, dass er sich über Satelliten-Turniere mit einem Einsatz von insgesamt nur 39 $ in ein Turnier mit Millionen $ an Preisgeld hochgespielt hatte, löste eine Flut von neuen Online-Pokerspielern aus – Online Poker erlebte einen Riesen-Boom.

Was trennt E-Sports und Online Poker?

Nun, da ist zunächst die Geldfrage. So viel die beiden Branchen auch gemeinsam haben, so trennt sie doch eine große Kluft. Für Poker kann sich nicht jeder begeistern, auch wenn Moneymaker eine Welle auslöste, die viele überhaupt erst zum Poker brachte. Poker Events ziehen Pokerbegeisterte an, fast ausschließlich auch jeder selber ein Pokerspieler. Dies setzt den finanziellen Bewegungen der Branche eine ganz natürliche Grenze.

Für Ereignisse jedoch, wie die Turniere der E-Sportler, kann sich die große Masse begeistern. Da werden problemlos Menschen zum großen Fan, die ansonsten weder mit Wettkampf noch mit Video Games auch nur das Geringste am Hut haben. Da zieht uns der Herdentrieb hinein, Massenbegeisterung ist immer die größte Attraktion. Man siehe allein die Fußball WM, wo Millionen deutscher Anhänger begeistert vor den Bildschirmen herumhüpfen und auf einen Sieg für Deutschland wetten, obwohl sie außerhalb solcher Events noch nicht einmal die Bundesliga verfolgen und wenig bis keine Ahnung von Fußball haben.

Die Massen sind gefangen, Turniere wie “The International”, das zuletzt im chinesischen Shanghai stattfand, mit einem Preisgeld von 33 Millionen $, locken Millionen von Zuschauern, Online und Offline an. Hier gibt es keine Grenze nach oben. Deshalb hat E-Sport auch die Aussicht auf eine exponentielle Steigerung des monetären Werts der Branche und alles was dazugehört, von Video Games bis Live Streams der Wettkämpfer und billiger Merchandise.

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