Wie Heart of the Swarm StarCraft 2 gerettet hat

19.05.2013 22:02

Noch vor der Veröffentlichung des ersten StarCraft 2 Addons, Heart of the Swarm, hatten Profispieler, Kommentatoren und Zuschauer die Befürchtung, dass es keine Verbesserung zu Wings of Liberty geben würde. Die neuen Einheiten schienen teils sinnlos konzipiert, andere Einheiten waren übermächtig und auch die Beta sah zu Beginn eher mäßig aus. Der Warhound war viel zu mächtig und das Konzept der Einheit machte keinen Sinn. Und so vergingen die ersten Wochen der Beta und Blizzard musste viel Kritik einstecken. Profispieler haben sich während der Beta mit dem Twitter Hashtag #SaveHotS für Änderungen an den Einheiten ausgesprochen, so wie auf generelle Probleme in StarCraft 2 hingewiesen. Ein großes Problem, welches die Spieler immer wieder äußerten, war die Übermächtigkeit des Flächenschadens, da Einheiten in StarCraft 2 dazu neigen in Klumpen zu laufen. Nun sind etwas mehr als zwei Monate vergangen und wir werfen einen Blick auf den Stand von StarCraft 2 und die Fehler, die Blizzard im neuen Addon ausgebügelt hat.

Während man sich in der Anfangsphase, wie oben beschrieben, immer wieder über
die Einheiten beschwert hatte, hat Blizzard Änderungen an den verschiedensten
Mechaniken vorgenommen. So wurde die Widow Mine während der Beta mehrfach
geändert. Eine Zeit lang funktionierte sie wie eine Kanone der Protoss, zu
einer anderen Zeit machte sie nur Schaden auf eine Einheit. Doch die Lösung, die
Blizzard nun gefunden hat, scheint optimal. Auch die Medivacs mit ihrem
Speedboost wirken gar nicht mehr so übermächtig, wie noch zu Beginn des
Addons. Die Spieler haben sich angepasst und kommen nun deutlich besser damit
zurecht. Auch dort gibt es bereits Vorschläge, wie man es etwas abschwächen
könnte, doch im Gegensatz zu Wings of Liberty reagiert Blizzard nicht überstürzt auf jede Kritik, sondern lässt die Spieler selbst einen Weg finden, mit eventuellen
Problemen umzugehen. Ich möchte damit nicht sagen, dass Medivacs mit Speedboost
nicht sehr mächtig sind, doch sie bringen einen gewissen Reiz in das Spiel und
die Patches und Updates zu Zeiten von Wings of Liberty, haben das ganze Spiel
kaputt gemacht. Die Einheit, auf die ein besonderes Auge geworfen werden muss,
ist sicherlich der Hellbat, doch auch hier agiert Blizzard gut und sammelt
Vorschläge, anstatt direkt eine Veränderung an der Einheit durchzuführen. Das
Schlimmste, das Blizzard tun kann, ist den Hellbat so abzuschwächen, dass er
komplett nutzlos wird. Diesen Schritt ist Blizzard zu den Wings of Liberty
Zeiten zu oft gegangen, wenn man sich beispielsweise den Reaper ansieht.

Im Gegensatz zu Wings of Liberty bietet Heart of the Swarm durch die neuen und
veränderten Einheiten eine deutlich größere Varianz an Strategien. Man hat nun
als Protoss die Möglichkeit eine frühe dritte Basis zu nehmen, dank der Kanone
des Mothership Cores. Und jede Einheit der jeweiligen Rasse ist nützlich. Die
Möglichkeiten jeder Rasse machen Heart of the Swarm deutlich interessanter für
Spieler und Zuschauer. Schaut man sich ein Spiel mit Profis aus Korea an, sieht
man welche Möglichkeiten des Multitaskings das neue Addon bietet. Selbst
Hydralisken, welche zu Wings of Liberty Zeiten belächelt wurden, sind nun gegen
Protoss, Terraner und Zerg nutzbar. Auch Reaper werden nun in jedem Matchup
eingesetzt und dadurch gibt es deutlich mehr Möglichkeiten, den Gegner bereits
früh im Spiel zu stressen. Auch scheint es derzeit keine übermächtige Einheitenzusammenstellung
zu geben. Wie schlimm waren die Zeiten, als man in jedem Zerg Matchup nur noch
Broodlord & Infestor gesehen hat. Diese Zeiten sind vorbei und auch wenn es
sicherlich Punkte gibt, die noch angepasst werden müssen, ist die Balance nicht
vergleichbar mit Wings of Liberty.

image

“Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei.”

Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Balance einigermaßen ausgeglichen ist, ist, dass sich jeder Profi von jeder Rasse, über die anderen Rassen beschwert. Es
geht also in keine klare Richtung, denn jeder Profi hat etwas zu meckern.
Früher ging es ausschließlich um Broodlord & Infestor. Es wird sich über Hellbats,
Oracles, Tempest, Widow Mines, Swarm Hosts und Vipers beschwert, doch sieht man
sich die Spiele der Profis an, kann man ihre Niederlage oft eher an klaren
Fehlern, als an fehlender Balance festmachen. Ein festes Metagame hat sich nach
zwei Monaten noch nicht gefunden und in weiteren ein bis zwei Monaten wird das
Spiel vermutlich wieder anders aussehen, sollte Blizzard nicht in die Balance
eingreifen.

Ein weiterer Pluspunkt für Heart of the Swarm ist die Zuschauerfreundlichkeit. Zu den
Intel Extreme Masters Global Finals auf der CeBIT hat man noch gezweifelt, ob
das Addon nun wirklich ein Erfolg wird. Die Zuschauerreihen waren an den ersten
Tagen leer und auch die Zuschauerzahlen auf den Streams hielten sich noch
zurück. Doch je öfter man das neue Addon gesehen hat, desto besser hat es einem
gefallen. Auch die Spieler auf der IEM waren anfangs noch sehr kritisch,
konnten aber am Ende der CeBIT mit einem positiven Gefühl nach Hause fahren,
denn sie wussten, dass das neue Addon wirklich gut wird. Ein Wochenende nach
dem Release stand die MLG Dallas an und diese sollte der erste Höhepunkt für
das noch frische Spiel werden. Am ersten Tage freute man sich bereits früh über
50.000 Zuschauer und zum Finale des Turniers sollten es ganze 130.000 Zuschauer
sein, die das Finale live verfolgen. Doch die Kritiker waren auch mit diesen
Zuschauerzahlen nicht zufrieden und behaupteten, diese Zahlen würden nur durch
die Euphorie des neuen Spiels zu Stande kommen. Dass das nicht der Fall ist zeigte die DreamHack Open Stockholm Anfang Mai. Auch hier versammelten sich zum
Finale wieder weit über 100.000 Zuschauer vor den Streams und sogar im
schwedischen Fernsehen wurde die DreamHack übertragen.

Heart of the Swarm ist genau zum richtigen Zeitpunkt erschienen, zwar hätte es
auch einige Monate früher kommen können, doch wichtige Veränderungen an den
Einheiten machen das Spielgefühl nun runder. Wie ich bereits oben erwähnt
habe, möchte ich keinesfalls alles schönreden, doch Blizzard ist nicht nur
einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, sondern gleich mehrere.
Überfrühte Patches gehören der Vergangenheit an und die Änderungen an jeder
Rasse bringen mehr Varianz in das Spiel. Hätte man sich als Spieler und
Zuschauer noch ein weiteres Jahr Wings of Liberty anschauen müssen, wäre
StarCraft 2 nach und nach gestorben. Und so realistisch muss man sein, Blizzard
hat grade noch einmal die Kurve gekriegt, später hätte das Addon nicht
erscheinen dürfen. Doch so wie es derzeit aussieht, muss man sich, was
Zuschauerzahlen angeht, nicht mehr vor anderen Esport Spielegiganten
verstecken. Das Spiel macht einfach deutlich mehr Spaß als früher. In jeder
Hinsicht.

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Redaktion escene.de

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